Thursday, November 12, 2020

Der Inbegriff einer Beißzange

 

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Friday, May 01, 2020

1. Mai 2020 im Zeichen von 75 Jahre Kriegsende

Der 1. Mai war heute für mich quasi Radio- und Podcast-Tag. Nach 4 Tagen „ohne“ einiges bei DLF und DLF Kultur nachgehört, u.a. zum Kriegsende 1945 Die letzten Tage der NS-Herrschaft, Todesmärsche der KZ-Häftlinge und – damit verbunden – zur Frühgeschichte der DDR: Die Ankunft der Gruppe Ulbricht. 75 Jahre her und ich musste mehrmals an die Erzählungen von Hans Gasparitsch aus Stuttgart denken, die ich einst hören durfte, v.a. zum 1. Mai 1945...(abgebildet das Buch, das er unter Pseudonym geschrieben hat).
… Später noch die aktuelle Folge des New Rose Radio, und nun läuft nebenher noch die jüngste Folge des Union-Podcasts Textilvergehen… Ein individualistisch verbrachter Tag, aber irgendwie doch mit dem Gedanken, auf den richtigen Seiten zu stehen…

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Wednesday, April 04, 2018

... und nochmal mit Nachdruck?!

Gesehen in Stuttgart-Sillenbuch

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Tuesday, February 20, 2018

Locomore (2): Die rätselhafte Partei

Aber wie war das nun mit der oben kurz angesprochenen Partei gewesen?
In Kassel stiegen vier Leute zu, wovon sich schließlich zwei in meinem Abteil niederließen. Ein älterer, etwas grimmig und streng blickender sowie ein etwas jüngerer Herr, etwas älter als ich, sehr leger gekleidet und umgänglich und durchaus sympathisch wirkend. Den ersten Gesprächsfetzen nach von einem Meeting kommend, es klang zunächst eher nach Wirtschaft / Business, als dann aber klar wurde, dass es sich um ein Parteitreffen handelte, von dem sie kamen, stellten sich bei mir – obwohl ich eigentlich den aktuellen Spiegel über die Krise der Volksparteien las - die unsichtbaren Antennen auf. Kurz vor Frankfurt kamen dann die anderen beiden zu unserem Anteil, um sich zu verabschieden. Einer wieß daraufhin, dass wir gleich an der Europäischen Zentralbank vorbeikommen würden, „so nah wie sonst nie“. Am Revers der Frau erblickte ich einen „Euro – nein danke“-Button, und sie war gerade dabei, scherzhaft zu erzählen, dass es eine Aktionsform gäbe, die man von „den Identitären“ übernehmen könne. „Hm. Sind das Rechte?“, fragte ich mich. Ich konnte mir es fast nicht vorstellen, so sympathisch mir der eine von ihnen erschienen war. Als dieser einmal während der Fahrt Parteiunterlagen hervorkramte, sah ich nur kurz ein oranges Logo, das ich aber nicht zuordnen konnte.     
Mir gelang es auf der weiteren Fahrt nicht, mir Weiteres zusammenzureimen. Es wurde eher noch rätselhafter, als einer meinte, ein Präsidiumsmitglied sei früher bei den Piraten gewesen und hätte seine – ihm offensichtlich suspekt erscheinenden - Online-Diskussionsvorstellungen von dort mitgebracht. Als er in Stuttgart ausstieg, war auch an seinem Revers der besagte Button zu erkennen.
Es interessierte mich, was das nun für eine Partei war. Zumal mitzuhören war, dass beide in mir bestens bekannten Wohnvierteln Stuttgarts wohnen, über ein paar Ecken hätte ich sie also womöglich gar kennen können. Zuhause versuchte ich, anhand des Anti-Euro-Buttons auf die Spur der Partei zu kommen. Und es gelang tatsächlich.  Den recht schlichten und wenig originellen Namen  „LKR – Liberal-Konservative Reformer“ hat sich kein Drehbuchautor ausgedacht, es ist vielmehr die aktuelle Bezeichnung der „Professorenpartei“, der Abspaltung um Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel von der AFD, weil jene ihnen zu rechts geworden war. Zunächst war diese „Allianz für Aufbruch und Fortschritt“ („Alfa“) betitelt worden, seit November 2016 trägt sie den derzeit aktuellen Namen. Meine Mitreisenden sind auch allesamt mit Fotos auf diversen Webseiten der Partei zu finden.
Es handelt sich also um Realsatire, allein schon von den Namen her. Und nicht mal ein Prozent Wählerstimmen. Trete ich ihnen zu nahe, wenn ich sie bedeutungslose Nerds nenne? Aber immerhin wirken sie insofern positiv, dass sie der AFD ein paar Zehntel-Prozentpunkte abnehmen...

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Tuesday, December 05, 2017

Stuttgart 61 im Fernsehen

Der Blick vom Rotenberg nach Uhlbach zur besten Sendezeit im Fernsehen!

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Wednesday, October 18, 2017

Die Zeitung von vorgestern


Gestern in der Zeitungsabteilung der StaBi Berlin rumliegen gesehen: Stuttgarter Nachrichten von 1983, wie ich sie noch kenne, oder: "Nichts ist so langweilig wie die Zeitung von gestern, nichts ist so interessant wie die Zeitung von vorgestern".


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Sunday, September 24, 2017

Szenen aus dem September-Urlaub: Stuttgart

Sehr gelungene Punk-Ausstellung direkt am Stuttgarter Schlossplatz. Gave me a blast! Top!


Stuttgarter Kickers, oh weh. 3:3 gegen den Tabellenletzten, aber befremdender als dieses muntere Spiel waren die stets bruddelnden Reaktionen des Publikums. In die Pause ging es trotz 2-1-Führung mit Pfiffen. Da bin ich bei Union Berlin anderes gewöhnt...

Alte Werbung auf einer Brandwand: entdeckt in der bauwütigen Stuttgarter Innenstadt



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Monday, July 03, 2017

Menschenzoo

Hatte ich neulich noch über den Namen eines Clubs in Hamburg namens "Menschenzoo" geschmunzelt, erfror mir dieses eben in den Gesichtszügen wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk namens "Der Wuppertaler Zoo und die grausame Geschichte der Völkerschauen". Sowas gab es also tatsächlich, von den 1870er bis in die 1930er Jahre...
Auch in Stuttgart, wie ein bei Wikipedia dokumentiertes und mit "humanzoogermany" betiteltes Plakat zeigt.

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Thursday, January 28, 2016

Gerhard Mayer-Vorfelder und "Ein stürmisches Leben"

Letztes Jahr ist Gerhard Mayer-Vorfelder verstorben. In den USA gab es die Band Punk-/HC-REAGAN YOUTH. In der Schweiz gab es in den frühen 90ern ein Punk-Fanzine namens BLOCHER YOUTH. Ich hab mir immer vorgestellt, dass meine "Youth" VORFELDER YOUTH heißen würde, wenn ich sie nach jenem Punk-Motto bezeichnen wollen würde.
"MV" war als Kultusminister von Baden-Württemberg ab der frühen Grundschulzeit mein Begleiter in allen schulischen Dingen. Seine Unterschrift und sein Konterfei auf Urkunden von Bundesjugendspielen, offiziellen Anschreiben, uswusf. Auch als Präsident des VfB Stuttgart war er allgegenwärtig. Und als Landtags-Kandidat für den Wahlkreis Stuttgart 2 hing sein Gesicht alle paar Jahre in unseren Straßen herum. Ich erinnere mich, dass ihm dabei mindestens einmal ein (Hitler-)"Bärtle" gemalt wurde. Denn "MV" galt (und war es sicher auch) als rechts-konservativ. Für mich verkörperte er auch geradezu die von mir damals wahrgenommene vorherrschende stockkonservative Mentalität in Stuttgart.
Ich bin nicht mehr oft in Stuttgart, aber ich habe den Eindruck, dass das Stockkonservative schon längst nicht mehr die allein dominierende Mentalität ist. Abzulesen auch an den Protesten gegen Stuttgart 21 und generell den Wahlergebnissen der letzten Jahre. Ganz und gar nicht zu jenem Bild des harten Knochens passte ein Interview mit ihm, das ich einst im SWR-Fernsehen sah. In dem er sehr persönlich berichtete, wie er im Kreise von Sportkameraden gern singe. Kurz danach traf ich ihn auch mal persönlich auf der Straße in Stuttgart-West und wir begrüßten uns kurz.
Noch zu seinen Lebzeiten, im Jahr 2012, veröffentlichte "MV" seine Erinnerungen unter dem Titel "Ein stürmisches Leben". Es war nicht unbedingt Sympathie, aber wohl Neugier, die mich dazu brachte, es mir zu Weihnachten zu wünschen. Sein Tod hatte ihn mir zurück ins Gedächtnis gerufen. Und ebenso der peinliche, Mitleid-erregende Auftritt von Wolfgang Niersbach in der Presse-Konferenz zum Skandal um die WM 2006. Wie sehr hätte ich mir da einen mit allen Wassern gewaschenen Profi wie "MV" an dessen Stelle gewünscht!
Nun habe ich es durch; die knapp 200 Seiten ließen sich sehr zügig lesen, und es war manches Interessante dabei. In nicht immer chronologischer Reihenfolge berichtet er über seine Kindheit und Jugend (1944 als 11-jähriger schon Anführer seiner Jung-Schar), über frühe Reisen ins Ausland (v.a. Frankreich), Studienzeit (Abneigung gegen Tübingen, Begeisterung für Heidelberg), Referendarszeit, beginnende Tätigkeit am Landratsamt Nürtingen. Von dort aus dann Ruf in die Politik, und fortan tätig im Umfeld von Menschen wie Manfred Rommel, Hans-Karl Filbinger, Lothar Späth, Erwin Teufel. Er lässt dabei manche seiner Grundüberzeugungen durchblicken, und das sind die Abschnitte, die man in einem Buch wie diesem sicher besonders sucht. Hart zu sein, konsequent zu sein, bei seinen Überzeugungen zu bleiben, auch wenn das einem die aktuelle Lage nicht unbedingt leicht macht. Oder wenn er die Tätigkeit unter Filbinger idealisiert, eine nach seinen Schilderungen nach innen völlig offene Diskussion, in der um die beste Lösung gerungen wurde. Nach außen hin dann jedoch ein geschlossenenes Auftreten, in dem sich die Truppe nicht auseinanderdividieren ließ. Auch seine Charakterisierungen der badischen ("eher katholisch-lebensfroh") im Gegensatz zur württembergischen ("eher evangelisch-piätistischen") Lebensweise ist interessant.Von diesen persönlichen Grundüberzeugungen hätte ich gern mehr gelesen. 
Unter Filbinger ist er - auf Vermittlung von Manfred Rommel - zunächst persönlicher Referent, ab 1976 - 1978 (als Filbinger abtreten musste) Staatssekretär mit Kabinettsrang im Finanzministerium. 1980 wird er Kultus- und Sportminister unter Lothar Späth, ab 1991 Finanzminister unter Erwin Teufel. In all den Jahren scheint er ein Anhänger von Filbinger geblieben zu sein: Lothar Späth erscheint ihm als zu unstet, zur Zusammenarbeit mit Erwin Teufel äußert er sich eher unzufrieden. Rufe in die Bundespolitik (u.a. in den späten 80ern) habe er stets abgelehnt aus dem Gedanken an seine Familie, die in Zeiten der Bedrohung durch die RAF nur mit Personenschutz hätte leben können.
Bitter getroffen müssen ihn auch die Auseinandersetzungen mit der organisierten Lehrerschaft in seiner Zeit als Kultusminister haben, denn feindlich-gesinnte Zeilen gegen die GEW und links-orientierte Lehrer ziehen sich bis in dieses Buch, das 32 Jahre nach seinem Antritt 1980 (und 21 Jahre nach seinem Wechsel ins Finanzministerium 1991) erschien. Angeblich wurden auch seine vier Kinder Opfer von "Feindseligkeiten" der Lehrer-Seite, so dass diese schließlich aufs katholische Albertus-Magnus-Gymnasium in Sommerrain wechselten. Dennoch ist es für mich nicht wirklich zu begreifen, warum er mit dieser Auseinandersetzung - die er auch immer wieder offensiv geführt hat, was ihm sicher bewusst gewesen ist - offenbar keinen Frieden schließen konnte. Ich bin in eben jenen Jahren zur Schule gegangen (als es im Buch um "Mengenleere" geht, sehe ich mich aus dem Grundschulfenster blicken!) und kann nicht sagen, dass ich viele übermäßig linke Lehrerinnen und Lehrer gehabt hätte. Insofern muss da eine tief persönliche Verletzung stattgefunden haben. Oder es ging ihm als Konservativen zu sehr gegen den Strich, dass Lehrerinnen und Lehrer linke, sozialistische Vorstellungen gehabt haben. Und die Schüler diesen ausgesetzt waren! Auch dass er Filbinger vorbehaltlos unterstützt, und dessen Rolle als Richter zur NS-Zeit einzig aus der legalistischen Sicht und nicht auch aus der Sicht der Opfer zu betrachten vermag, ist mir - auch wenn ich eine konservative Warte zugrunde lege - letztendlich zu wenig. Von einem aufgeklärten Konservativen möchte ich schon erwarten, dass er einsieht, dass es auch andere Meinungen gibt und diese auch eine Berechtigung haben.
Fußball, also der VfB Stuttgart, die Fußball-Nationalmannschaft und der DFB, nehmen im Buch eine zweite größere Rolle ein. Hierbei sind die interessantesten Bereiche die, in denen er aus dem Nähkästchen plaudert. Etwa von seiner Bewunderung für Menschen wie Jürgen Sundermann, Christoph Daum oder Jürgen Klinsmann. Nicht allzusehr zwischen den Zeilen versteckt ist eine Abneigung gegen Franz Beckenbauer, der angeblich interne Vereinbarungen in den 2000er Jahren umgehend an die BILD-Zeitung weitergab. Ansonsten nennt er Ulrich Maurer (in den 1990er Jahren SPD, heute Linkspartei) im Buch einen "Armleuchter". Und kritisiert den Kurs von Angela Merkel, der er vorwirft, die CDU zu einer "Partei der Beliebigkeit" gemacht zu haben, die den konservativen Kern abgeschmolzen habe und der "kurzfristige Erfolge wichtiger" seien "als Prinzipien und Werte". Voller Bewunderung ist er hingegen für Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Dem amtierenden grünen Ministerpräsidenten Kretschmann hält er zugute, dass dieser ihn einst gegen Nazi-Vorwürfe aus der grünen Partei verteidigt habe, und attestiert ihm, ein "grundsolider Politiker" und "Mensch mit wertkonservativen Wurzeln" zu sein.
Es lohnt sich, dieses Buch ein zweites Mal zu lesen, ich werde das gewiss bald tun. Letztendlich ist es aber ein Blick in die Vergangenheit. Paternalistisch, unnachgiebig, streng. Ehrfurcht, teils Angst auslösend. Manchmal auch durchaus rassistisch. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich "MV" in der aktuellen Flüchtlingsfrage positionieren würde. Oder gegenüber eines nihilistischen islamistischen Terrors, der alle konservativen Überzeugungen, die Welt sei beherrschbar, unwirksam erscheinen lässt. Zumal sich heutzutage eine CDU-geführte Bundesregierung außerstande sieht, Landesgrenzen zu kontrollieren. Die Ära Mayer-Vorfelder ist vorbei, und auch die der Mentalität, die er verkörperte. Ob es im Zuge von "Pegida" und "AFD" zu einem bürgerlich-konservativen Rollback kommen wird, erscheint eher unwahrscheinlich. Da droht eher der - noch gefährlichere - Aufstand des Plebs.

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Tuesday, December 29, 2015

Stimme aus der Vergangenheit - Zwangsarbeiter/innen zur NS-Zeit in Stuttgart-Rohracker

Alles weitere darüber im Artikel unter diesem Link, über dessen Veröffentlichung ich mich weiterhin sehr freue! 
Artikel in Kontext Wochenzeitung


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Tuesday, May 12, 2015

Hafenpicknick mit Joe Bauer am 4. Juli in Stuttgart-Hedelfingen

Eine sehr feine Veranstaltung auf sehr interessantem Terrain gibt es am 4. Juli 2015 im Stuttgarter Hafengelände. Joe Bauer lädt zum dritten Mal zum "Hafenpicknick". Und u.a. tritt Wiglaf Droste auf, ein Autor, der mir um die Jahrtausendwende, als ich noch taz las, durch seine Bissigkeit hervorragend gefiel. Ich sag nur "Hoch die Mauer" und "Cordhütchen-Sozialismus", oder seine Ausfälle gegenüber Helmut Markwort - "Was Typen wie Markwort ärgert, das freut die Menschen!". Aber ich schweife ab.
Kurz dachte ich daran, das könnte ein schöner Anlass sein, mal wieder anzureisen. Ich bin allerdings für den Abend des 3. Juli 2015 schon vergeben - erstmals die Beatsteaks und erstmals in der Wuhlheide, und wenn ich oben schrieb, "feine Veranstaltung auf sehr interessantem Terrain", trifft das auch dafür zu.
Allen Stuttgartern sei der Termin hiermit aber empfohlen, auch wenn er (was auf dem Flyer nicht steht, diese windigen, stets gern Geschäfte machenden Schwaben!) rund 23 € Eintritt kostet. Sollte sich aber lohnen. Stets neue und alle alten Kolumnen von Joe Bauer gibt es übrigens hier: Flaneursalon.

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Saturday, January 03, 2015

Therapie oder Knietief im rassistischen Sumpf

Gestern habe ich mich mit einem Trödel-Verkäufer aus unserer Straße unterhalten. Wegen eines Plattens im Hinterrad war ich in der Nähe seines Ladens gestrandet und musste die restlichen Meter nach Hause schiebend zurücklegen. Ein paar alte Straßenschilder lagen zum Verkauf aus und ich fragte, ob er noch mehr hätte. Aus Berlin nur dieses eine, aber diverse andere aus Dresden, Frankfurt,...
"Und Stuttgart?". Er meinte, er habe keine von dort. (Dort traut sich wohl auch keiner, welche abzuschrauben, dachte ich mir so) Er witzelte in bisschen herum, ob ich denn von dort sei. Und ob ich schon "in Therapie" sei. Er sei ursprünglich aus Griechenland, und die Leute aus Athen würden über die Leute aus Thessaloniki spotten. Jene wiederum hätten sich darauf verlegt zu sagen, ja, sie seien aus Thessaloniki, seien aber bereits in Therapie. Ich meinte, es sei so gemeint, dass ich auf die Schwaben-Feindlichkeit der Berliner auch mit feiner Selbstironie reagieren solle.
Aber das war noch nicht alles. Wir kamen darauf, dass auch er in der Gegend um Stuttgart gewohnt habe. In den 60er Jahren sei er mit seiner Familie in Winnenden gelandet. Und er habe dort als einziges ausländisches Kind in der Klasse äußerst bittere Erfahrungen gemacht. U.a. hätte ihn einmal eine Lehrerin vor die Tür geschickt mit dem Hinweis, sie wolle nun den deutschen Schülern etwas mitteilen. Er sei daraufhin stolz lächelnd aus der Klasse gegangen. Hätte dann erst draußen geweint. Er muss einige Jahre dort gelebt und sehr gelitten haben. 1977 sei er dann nach Berlin gezogen. Hätte seine Zeit in Süddeutschland komplett verleugnet und den Leuten erzählt, er sei direkt aus Griechenland nach Berlin gekommen, hätte am Goethe-Institut Deutsch gelernt. Erst die letzten Jahre wolle er darüber sprechen.
Ich bin überzeugt davon, dass die Zeiten sich geändert haben und dass jene Generation, die ich auch noch kennengelernt habe und die den Rassismus und Chauvinismus verinnerlicht hatte und ihn auch begierig weitertrug, längst am Aussterben ist. Das sagte ich ihm, und er bekreuzigte sich nach dem Motto, er hoffe das auch und wäre dankbar, wenn es denn so sei. 
Vielleicht ist es u.a. die Bekanntschaft mit diesen Leuten, mit dieser noch nazifizierten Generation, die uns immer noch in Mark und Bein steckt und uns bis heute davon abhält, Party-Patriotismus u.ä. gut zu finden.   

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Sunday, December 28, 2014

Das verlassene Tal

Eher kurz entschlossen bin ich bei meinem jüngsten Besuch in Rohracker ins Bußbachtal eingebogen. Eigentlich hatte ich bereits alles gesehen, was ich hatte sehen wollen, es ging jetzt nur noch darum, wie ich zurück auf die Höhe nach Sillenbuch komme.Dann wollte ich aber doch noch mal den Ort sehen, wo die alte Turnhalle stand und das Zwangsarbeiterlager war. Und wenn man den sehr kurzen Weg „Im Bußbachtal“ hinter sich gebracht hat und um die Ecke in Richtung Süden, also bergan blickt, meint man (zumindest zur herbstlich-winterlichen Zeit) fast immer noch, Leid, Trauer und Tränen spüren zu können. Es ist ein enges, steiles, dunkles, düsteres, abgelegenes, weitestgehend unbesiedeltes Tal. Am Horizont sind nur Bäume zu erkennen, man könnte meinen, hier befände sich ein „Ende der Welt“. Es wirkt auch heute noch wie ein abgetrenntes „Tal der Tränen“.

Beim Blick in die Geschichte dieses Ortes erscheint diese Einschätzung allerdings nicht ganz gerecht, schließlich hegte die Bevölkerung einige Hoffnungen für dieses Tal. So erschuf der Arbeiter-Verein Turnerbund Rohracker 1911 in alleiniger Kraft eine Turn- und Versammlungshalle, auf deren Erstellung die Bevölkerung über lange Jahre stolz war. Dieser Ort war für einige Jahrzehnte einer der Plätze, an dem sich das Dorf zu diversen Veranstaltungen getroffen hat, er war sozusagen einer der Orts-Mittelpunkte. In den frühen 1930er Jahren sollten ebenfalls in jenem Tal ein Fußballplatz und ein Freibad gebaut werden. Das scheiterte letztendlich an den Besitzverhältnissen. Da wollte wohl nicht jeder sein Stückle hergeben. Ebenfalls über Jahrzehnte gab es in jenem Tal eine Gärtnerei, mindestens bis in die 1970er Jahre hinein. 1933 wurden durch die Nazis die diversen Arbeitervereine Rohrackers zwangsaufgelöst, und die Halle kam in städtischen Besitz. In den letzten Kriegsjahren (eine genauere Datierung ist bisher nicht möglich) wurden in jener Halle Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion einquartiert, die dort unter schlimmen Umständen gelebt haben müssen. Es sind einerseits bedauernde Äußerungen von früheren Bewohnern Rohrackers dazu überliefert, andererseits ist aber auch bekannt, dass sich zumindest einzelne Bewohner Zwangsarbeiterinnen für die Gartenarbeit „geholt“ haben. (An dieser Stelle sollte man es sich sicher nicht zu leicht machen und einfach aus heutiger Sicht darüber urteilen. Allerdings ist es sicherlich erlaubt zu spekulieren, dass das ein Grund dafür sein könnte, dass die einheimische Bevölkerung bis heute sehr ungern auf dieses Thema angesprochen wird)
Die alte Turnhalle wurde 1965 nochmals renoviert, mit dem Beschluss des Umzugs von Schule und Turnhalle ins Tiefenbachtal 1970 dann aber geräumt (und im Anschluss offenbar abgetragen).1977 bezog die einige Jahre zuvor neu gegründete Tennis-Abteilung des SKV Rohracker an gleicher Stelle ihre erste Heimstatt, 1985 folgte ein Vereinsheim. Heute stehen dort weiterhin ein Clubheim und zwei Tennisplätze – inzwischen zum vor wenigen Jahren neu gegründeten Verein „Sportkultur Stuttgart“, einem Zusammenschluss verschiedener Vereine des Neckartales, gehörend.

Auch wenn man die diversen Feldwege weiter bergaufwärts wandert, scheint es lange, als ob es keinen Ausweg aus diesem Tal, allenfalls die Möglichkeit einer Umkehr gäbe. Dazu kam mir an jenem Tag noch ein Mann entgegen, dessen Familie schon seit Menschengedenken in Rohracker wohnt. Und der mit seinem kantigen und markanten Gesicht auch aussieht wie jemand aus einer anderen Zeit. Irgendwann wurden die Feldwege asphaltiert, vielleicht in den 1960er oder 1970er Jahren. Ansonsten hat sich dort aber in den letzten Jahrzehnten nichts Wesentliches am Erscheinungsbild geändert. Beruhigend für jemanden, der sich schwer tut mit Veränderungen. Ein einsames, ruhiges, grünes, aber auch etwas unheimliches und (von allen guten Geistern?) verlassenes Tal.

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Thursday, June 23, 2011

Öffnungs- bzw. Geschlossenheitszeiten

2001 habe ich einige Monate dort in der Nähe gewohnt und bin donnerstags immer schwimmen gegangen - da hing genau dieses Schild auch schon...

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Friday, November 05, 2010

Ein Vorgarten im Kächeleweg, Stuttgart-Riedenberg

Brachte mich ganz schön ins Grübeln... Kann das ernst gemeint sein, oder sollte es doch irgendwie Ironie oder Humor sein...?

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Thursday, September 30, 2010

Brokdorf und Stuttgart

Vor kurzem sprach mich der Betreiber eines (Polit-) Punk-Platten-Ladens auf meine Heimatstadt an: "Statt wie früher nach Brokdorf oder Wackersdorf, fahren wir heutzutage nach Stuttgart."
Das war natürlich halb im Scherz gemeint. Eher aus dem ungläubigen Staunen heraus, was mit den Stuttgartern auf einmal los ist. Es ist aus der Ferne immer noch nicht richtig zu begreifen.

Seit heute ist es aber noch mehr "Brokdorf oder Wackersdorf" geworden. Heute hat es den Nachrichten nach zum ersten Mal geknallt. Tränengas, Wasserwerfer, Polizei-Übergriffe.
Und das, obwohl es bisher ausschließlich friedlich gewesen war. Was sicher eine Stärke dieses Protestes gewesen ist.

Hoffen wir, dass das Kalkül der CDU nicht aufgeht. Den friedlichen Protest mit Mitteln aus den 80er Jahren (oder aus noch früheren Zeiten?) zu brechen.

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Tuesday, August 04, 2009

Fankultur

VfB Stuttgart-Präsident Erwin Staudt anlässlich der Präsentation des neuen Groß-Sponsors:

"Das Imtech Business Center bietet eine ideale Kommunikationsplattform mit mehr als 100.000 Kontakten, über 200 Veranstaltungen im Jahr und rund 25 Heimspielen des VfB Stuttgart, bei denen sich die 2.500 Entscheidungsträger der Stadt Stuttgart aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft treffen."

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Monday, July 07, 2008

Horror-Meldung aus Stuttgart

Ein Posting vom popbüro.de aus Stuttgart mit einer Bitte um Solidarität für Micha Schmidt, den ehemaligen Sänger der Genossen und Sumpfpäpste, der sich seit Jahren das harte Brot antut, in Stuttgart unabhängig Konzerte zu veranstalten... Mit den dort häufig üblichen 6-8 zahlenden Gästen. Da sind ein paar Euros wirklich sinnvoll aufgehoben.

Wie wichtig es ist, GEMA-Gebühren gewissenhaft und pünktlich zu entrichten, musste aktuell Michael Schmidt von Fucking Good Concerts erfahren. Der Konzertveranstalter, der die Independent Live-Szene in Stuttgart in den letzten 10 Jahren maßgeblich geprägt hat, sieht sich mit Gesamtforderungen der GEMA von fast 20.000 EUR konfrontiert. Da sehr viele Musiker und Clubs von Michael Schmidts Aktivitäten profitiert haben, die GEMA Forderungen aber zum großen Teil berechtigt sind, bitten wir um Solidaritätsbeiträge.

Michael Schmidt wirkt eher zurückhaltend, wie er im 1210, im Kellerklub oder im Landespavillon auf dem Barhocker hinter der Kasse sitzt. Hinter seiner großen Brille schaut er hervor und verlangt vom coolen Szenegänger meist niedrigen Eintritt für hervorragende Indie-Bands. Schmidt pflegt Kontakte nach ganz Europa und Amerika, veranstaltet aber auch immer wieder regionale Musikgruppen.

Reich geworden ist er dabei nicht, sondern lebt im Stuttgarter Süden, "so dass es reicht". Die Bands übernachten teilweise bei ihm zuhause und Plakatwerbung heißt für ihn mit seiner Stofftasche umherzuziehen und die kleinen DIN A3 Plakate überall zu platzieren, wo es eben kostenlos möglich ist. Wenn wir jemandem in Stuttgart einen Verdienstorden für das Engagement für die Musikszene geben würden: Michael Schmidt wäre unser Kandidat.

Doch das Kleinveranstalterdasein hat auch seine Tücken. Da manche Punkband ihre GEMA Spielfolgen nicht ausgefüllt und manche Location die Konzerte nicht bei der GEMA bezahlt hat, sind seit 2002 fast 20.000 EUR Urheberrechtsforderungen aufgelaufen. Alles Lamentieren über die Höhe der GEMA-Abgaben für nichtkommerzielle Konzerte hilft dabei nicht: Michael Schmidt steht vor dem Aus.

Manchmal muss man sich gegenseitig abseits aller Bürokratien einfach helfen.

Damit Micha Schmidt nicht noch privat für sein Engagement büßen muss, bitten wir ausnahmsweise um Solidaritätsbeiträge auf das

Konto 7474001652 von
Michael Schmidt bei der
BW Bank
BLZ 600 501 01
Betreff: Fucking Good Concerts

Jeder Euro zählt.

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Thursday, May 03, 2007

Wird es Regen geben?

Stuttgart in angespannter Stimmung. Für den morgigen Freitag ist Regen angesagt, der erste seit Ende März. Letzte Vorkehrungen werden getroffen. Beratung: Die Regentonnen im Garten offen lassen? Oder darauf hoffen, dass das System über die Regenrinne funktioniert?

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