Tuesday, June 13, 2017

Bericht über meinen früheren Arbeitgeber...

... in der heutigen Berliner Zeitung, auf der ersten Seite des Feuilletons. Kicher! :)

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Thursday, November 24, 2016

Armee der Verlierer

Nun gehöre ich endgültig zu den Leuten, die morgens losgehen, wenn es gerade mal hell geworden ist, und abends nach Hause kommen, wenn es bereits schon wieder dunkel ist. Und die auch noch froh darüber sind.
Nicht etwa darüber, dass ich – momentan, zu dieser Jahreszeit - kaum Tageslicht bekomme. Aber darüber, nochmal das Glück gehabt zu haben, einen Job zu finden, mit dem ich mich gut finanzieren kann. Ich bin in der Tat bereit, dafür einiges in Kauf zu nehmen. Das war ich auch schon für den Übergangs-Malocher-Job von März bis September, der noch schlechter bezahlt war. Nur endlich selbst Geld verdienen. Und nicht mehr das tun, was Helmut Kohl einem einst vorgeworfen hat: „alles bestreiten, nur nicht den eigenen Lebensunterhalt“.
Wie es irgendwie fast alle tun, die immer beim Punk-Konzert neben einem gestanden hatten, und auch vorgegeben hatten, auf D.I.Y., Nicht-Kommerz und BlaBlaBla zu schwören. Warum nur stand ich damit auf einmal alleine da? Jemand wie Moses Arndt ist heute Arzt. Und auch viele andere haben  – heimlich? - an ihren Karrieren gestrickt. Und einem irgendwann das Gefühl gegeben, definitiv etwas falsch gemacht zu haben.
Lebenslüge Punk. Man muss sich eben doch anstrengen, man muss gut sein, um zu überleben. Oder jedenfalls, um halbwegs gut leben zu können. So ist das Spiel. Die anderen, die die Spiele, die man lernen muss, gelernt haben, haben es schlicht früher als ich kapiert.
Aber auch wenn Punk einem an dieser Stelle irgendwann nicht mehr weiter bringt, ist ohne Punk dennoch alles nichts. Wie ohne Fußball. Und Geschichte. Und noch 1-2 Dinge. Die Lebenselixiere geben einem die Kraft zu leben. Und lassen es hinnehmen, Teil der Armee der Verlierer zu sein.

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Tuesday, September 27, 2016

"Weißt ja, wo sie stehen"

Die alte Edeka-Verbindung verhilft zu Bananenkisten. Und gibt ein gutes Gefühl.

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Monday, September 19, 2016

Andi Arbeit und das Grundeinkommen

Friday, September 02, 2016

Der Urlaubsmann

Spandau verabschiedete mich heute bei bestem Wetter. Strahlender Sonnenschein, um 25 Grad. Ich genoss es sehr. Es ist noch nicht so weit, aber Stück für Stück will ich mich in den nächsten Tagen von den Dingen erleichtern, die mir zuletzt die Reserven geraubt haben. Und einfach nur das Leben und die Leichtigkeit genießen. Neun Tage frei, nach über fünf Monaten, in denen ich einmal vier Tage, zwei oder dreimal drei Tage und sonst nur maximal zwei Tage am Stück weg von meinem 40-Stunden-Job gewesen war. Ich kann es mir momentan wirklich noch gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen wird. Noch bin ich voll drin in diesem Sog und innerlich voll darauf eingestellt, nicht gleich in wenigen Stunden, aber doch sehr bald wieder hinzumüssen.
Andererseits konnte ich mir heute auch sehr gut vorstellen, dass das der letzte Arbeitstag mit dem alten Gefühl gewesen sein könnte. Und dass ich, wenn ich das nächste Mal dorthin gehen werde, das mit der Sicherheit machen könnte, dass ich nur noch Resttage dort zu arbeiten habe.
Mit einem Kollegen, der zwei Stunden nach mir gekommen war, war heute der running gag gewesen, über die verbleibende Zeit zu scherzen. Um Viertel nach acht meinte er, der erst eine Viertelstunde da gewesen war, die Zeit ginge heute nicht rum. Das wiederholte er dann noch einige Male. Um 11 Uhr meinte ich dann, dass ich nun "Halbzeit" hätte. Er merkte sich meine Zeiten offenbar, denn als ich gegen 15.40 Uhr etwas bei ihm abholte, nannte er mich den "20-Minuten-Mann". Worauf ich sagte, in zwanzig Minuten sei ich dann der "Urlaubs-Mann".
Hoffentlich dreht sich das Rad demnächst noch eine Runde weiter!

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Kollegenschwein und Weinkönigin

Um die Arbeit am heutigen Samstag zu vermeiden, sollten wir die letzten beiden Tage jeweils eine Überstunde machen. Kurzfristigst, eineinhalb Stunden vor dem eigentlichen Feierabend, wurde mir von einer Kollegin zugetragen, dass wir auch an jenem Mittwoch, um den es hier gehen soll, eine Stunde länger bleiben sollten. Nach kurzem Überlegen war klar, dass das bei mir nicht geht. Auf dem direkten Weg zur Chefin ließ sich auch klären: "wenn's nicht geht, ist es auch kein Problem". Und eigentlich hätte es damit ja geklärt sein sollen. Dennoch wurde ich dann von mindestens zwei Kolleginnnen angesprochen: "oh, du gehst schon?". Und das, obwohl es mir eigentlich wichtig ist, ein guter Kollege zu sein, und für meine Kolleginnen und Kollegen da zu sein. Da hatte ich also ein Stück weit die Arschkarte. Allerdings nur einmal, und das mit gutem Grund. Und die nächsten beiden Tage habe ich ja wie angesprochen jeweils eine Stunde länger gearbeitet. (Und spüre übrigens im Moment beim Tippen in den Fingern, dass ich die letzten beiden Tage sehr viel "gepackt" habe.)
Das wirkliche Kollegenschwein war an jenem Tag ohnehin jemand anderes. Es sollten wieder Kartons für den Wein-Versand vorbereitet werden; eine Tätigkeit, über die ich hier schon berichtet habe, und die möglicherweise ich als einziger halbwegs gern mache. Mir wurde eine Kollegin zugeteilt, die das noch nie gemacht hatte. Ich dachte dennoch, das könnte ganz gut klappen, weil ich den Eindruck hatte, wir verstehen uns ganz gut. Sie erinnert mich an eine Cousine von mir. Ein Mensch, der gern damit kokettiert, wie abgrundtief böse sie ist. Dazu passend das schwarze Outfit und Tattoos. Da sieht der Jugendkultur-Archivar sofort den Dark Wave-Fan. Ab und an haben wir auch schon gut gescherzt. Einmal war sie um 10 Uhr zum Spätdienst gekommen und deutete gegen 11 Uhr an, wie überhaupt keine Lust sie habe. "Du hast ja gleich Schluss...", sagte ich darauf zu ihr, und ich glaube, das war ein Stück böser Humor, der uns verbindet. Einmal hatte ich sie jedoch auch schon von ihrer total unspaßigen Seite erlebt, als sie, weil sie total schlechte Laune hatte, zu zwei jungen Studentinnen, die bei uns arbeiten, richtig ekelhaft gewesen war.
Mit ihr sollte ich also Weinpakete vorbereiten, und ich dachte, das würde schon gut klappen. Um halb zwei sollten wir beginnen, sie meinte, sie habe nun erstmal Pause, so dass ich schonmal anfing. Ich arbeitete eine Stunde alleine und wunderte mich natürlich zusehends, wo sie blieb. Zufällig sah ich irgendwann, dass sie eine ganz andere Tätigkeit verrichtete. Ich ging dann auf sie zu und fragte, was denn los sei und wo sie bliebe. Ihr habe keiner gesagt, wann wir denn loslegen sollten, war die lächerliche Ausrede - denn eben das hatten wir natürlich festgelegt. Wenig später gab sie dann auch zu, dass sie auf diese Arbeit überhaupt keine Lust habe. Und dass sowas doch "Knackis" machen sollen, die sonst nichts zu tun hätten. Tja. Bei solchen Sprüchen wird mir natürlich innerlich ganz schlecht. Es ging weiter mit allem möglichen Rumgespeste über diese Arbeit. Und ich wollte all diesen Mist überhaupt nicht hören. Inzwischen war es kurz vor 15 Uhr geworden, und ich musste um 15 Uhr gehen und sie schließlich alleine lassen. Mit schlechtem Gefühl, denn ich hatte kein Vertrauen, dass sie die Arbeit gut macht, und befürchtete, das könnte letztendlich auf mich zurück fallen.
Wie umgehen mit dieser Situation, fragte ich mich anschließend. Einfach darüber hinweg gehen wollte ich nicht. Nochmal sowas erleben wollte ich allerdings auch nicht. Nicht an die Chefin, aber einer "Mittlerin" steckte ich am nächsten Tag, dass ich zukünftig lieber ganz alleine Wein packe, als mit jener Kollegin. Und der Kollegin sagte ich schließlich, ich würde sie zukünftig nur noch "Weinkönigin" nennen. Damit war das Thema nochmal angesprochen, auch mit der Erinnerung inklusive, dass sie sich blöd und unkollegial - schließlich wollte sie sich auf meine Kosten drücken - verhalten hat. Ferner, dass ich das sehr wohl wahrgenommen habe und das auch nicht unkommentiert einfach so auf mir sitzen lasse. Letztendlich aber doch auf eine spöttisch/ironische Weise und so, dass für unsere zukünftigen Kontakte die Tür offen bleibt. Nach einigem Zögern lachte sie dann auch, und besteht seither auf ihrem neuen Namen... 

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Thursday, August 25, 2016

"Fremdbeilagen"

Jede Sendung, die von unserer Firma versandt wird, erhält neben einer zunehmend unübersehbar werdenden Anzahl an eigenen Werbekatalogen auch noch sogenannte "Fremdbeilagen". Das sind Werbebriefe oder -Kataloge, die Fremdfirmen - sicher gegen Bezahlung - mit in die Sendungen beilegen lassen.
Zuletzt werden immer wieder einzelne Kolleginnen und Kollegen abgestellt, die diese "Fremdbeilagen", in der Regel um die drei bis vier an der Zahl (teils auch mehr), bereits im Vorfeld vorbereiten. Das ist natürlich eine hyper-stumpfe Tätigkeit. Man steht nur da, sammelt drei oder vier Beilagen zusammen und steckt sie in einen Umschlag. Lange war ich davon verschont geblieben, aber heute im Spätdienst hatten sie offenbar keine weitere Verwendung für mich als gemeinsam mit einer Kollegin diese Arbeit zu verrichten. Abzüglich einer Pause waren das "netto" rund zweieinhalb Stunden, die ich das gemacht habe.
Und es hat mich schließlich nicht mal groß gestört. Versunken in Gedanken (dabei das teils alberne Geschwätz manches Kollegen und die Reaktionen der anderen darauf ausblendend) tat ich, wie mir geheißen, immerhin versuchend, meine Koordinationsübung dabei zu machen, nämlich, nach Möglichkeit beide Hände zu verwenden.
Einerseits ist es natürlich positiv, dass ich mich bei der Arbeit nicht quäle. Andererseits ist es aber auch ein Zeichen von Abstumpfung, dass mir solch eine traurige Arbeit nichts mehr ausmacht. Wie habe ich mich anfangs gegen das "Packen" gesträubt, das wirklich Gold ist verglichen mit dem Eintüten dieser "Fremdbeilagen".
Eigentlich gibt es für solche stupiden Tätigkeiten Maschinen.
Und eigentlich sollte es zur Vermeidung, dass Menschen solche Tätigkeiten machen müssen, die eigentlich hervorragend von Maschinen erledigt werden können, das bedingungslose Grundeinkommen geben. Damit Menschen, die Arbeiten verrichten, die eigentlich von Maschinen gemacht werden könnten, nicht auch noch froh sein müssen, dass es solche bescheuerten Arbeiten überhaupt noch gibt, weil sie damit Geld verdienen können.

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Sunday, August 21, 2016

Kluft

Letzten Dienstag war es für mich erstmals seit Langem wieder ein weitgehend öder Tag auf Arbeit gewesen. Das lag daran, dass gleich drei sehr nette Kollegen gleichzeitig nicht da waren. Und auch wenn mich "Mr. Schaumparty" am nächsten Tag ganz schön geärgert hat, war es ohne ihn echt langweilig gewesen. Am Tag darauf fragte ich nicht ihn, sondern einen anderen, den ich vermisst hatte, wie denn sein freier Tag gewesen sei. Er murmelte was von "Ärger mit dem Jobcenter", und dass er versucht habe, das telefonisch zu klären, dass er aber auf sehr pampige Art nicht vorgelassen worden sei. Und sich nun schriftlich äußern solle. Ich bot ihm an, ihn bei der Formulierung zu unterstützen, wenn er das wolle. Am nächsten Tag hatte er wirklich die Unterlagen dabei, und diese stellten sich in vielerlei Hinsicht als absolut erschreckend für mich dar.
Der Brief, den er bekommen hatte, war nicht mehr nur vom Jobcenter, sondern bereits von der Staatsanwaltschaft. Es lief also schon ein Verfahren. Die zwei Wochen Frist, die sie ihm eingeräumt hatten, um sich zu äußern, waren auch bereits seit über einer Woche abgelaufen. Sein Antwort-Brief, den er begonnen hatte zu formulieren, war völlig unbeholfen geschrieben, das war grammatikalisch schlicht kein Deutsch und nicht nachvollziehbar. Das, obwohl er Muttersprachler ist. Es geht um eine vierstellige Summe, die er sicher nicht bezahlen könnte.
Was mich vielleicht am meisten schockiert hat, war, dass mir bewusst wurde, dass wenn ich ihn nicht zufällig danach gefragt, er wohl ohne jede Hilfe gewesen wäre. Er hätte sich keine Hilfe genommen, hätte niemanden gehabt, dem er sich anvertraut hätte und der ihm hätte helfen können. Mir diese Hilfe zu nehmen, ob im Freundeskreis oder eben auch bezahlt, wenn es sein muss, wäre für mich absolut selbstverständlich gewesen.
Schräg war auch zu sehen, wie er nach außen hin ungerührt seine Arbeit verrichtete. Ich gehe bei der Arbeit auch meinen Gedanken nach, aber ich war schon fassungslos darüber zu erkennen, was manche Leute an Belastungen mit sich herumschleppen, ohne dies anderen zu zeigen.
Wir verrichten die gleiche Arbeit und verstehen uns meist sehr gut. Aber auf einmal wurden Unterschiede deutlich, die ich niemals erwartet hätte.

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Saturday, August 20, 2016

Morgendlicher Vollmond über der "Das Leben der anderen"-Straße

Erkennt man nicht, glaubt's mir einfach... :)

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Wednesday, August 17, 2016

Die große Schlager Hitparade in Velten

Heute erstmals eine Einladung zu einem "Event" eines Vertragspartners unserer Firma erhalten, von denen im Ausschreibungstext zur Stelle die Rede gewesen war. Die erste Reaktion war Entsetzen und die Überzeugung, dass ich da natürlich nicht hingehen werde. Der zweite Gedanke führte dann aber in eine andere Richtung. Vielleicht könnte es wirklich ein EINMALIGES Erlebnis sein, sich das ganze - zumal zusammen mit netten Kolleginnen und Kollegen - mal mit anzusehen. Als Freak Show, als quasi ethnologische Studie... Ich könnte wohl ein unbegrenztes Kontingent an Freikarten bekommen. Allerdings nur dann, wenn ich tatsächlich selbst mit hin gehe.

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Schmalspur-Romantik

Monday, August 15, 2016

Spandau gegen 5.45 Uhr

Mündung der Spree in die Havel gegenüber des Spandauer Hafens. Die Tage werden längst wieder kürzer, in der nächsten Frühdienstwoche werde ich wohl schon mit Licht fahren müssen.

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Sunday, August 14, 2016

Voglhuber & Pimpel

Rolf Trennwald, Adolf Schmalfuß, Michaela Pimpel, Regine Stallovits, Helga Voglhuber, Marlies Uhr, Brunhilde Fabian-Henne

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Sunday, August 07, 2016

Das ungewöhnliche Ende einer ungewöhnlichen Arbeitswoche

Gestern ein ungewöhnlicher Samstag auf Arbeit. Mit einer zweistelligen Anzahl an "Personal" waren verhältnismäßig viele Leute anwesend. Zunächst war ich für's "Suchen" eingeteilt gewesen, musste dann aber doch von Beginn an packen. Kein Problem, easy, mit nettem Kollegen, eingespieltes Team, und ich ja mit immer mehr Gleichmut gegenüber dem "Packen". Alles gut. Samstags ist häufiger Packen angesagt, aber es ist immer klar, dass Samstag ist, so artet das meistens nicht in Stress aus. Bis es dann hieß: Cocktail-Pakete packen. Das ist ein recht neuer Service, den unsere Firma anbietet. Das "just-in-time"-Zusammenstellen von Wein- und Cocktail-Paketen auf Bestellungen hin und deren Versand.
Eigentlich habe ich am Packen der Cocktail- und Wein-Pakete durchaus meine Freude. Man ist dann in einem abgelegenen Bereich des Lagers, fernab jeder Kontrolle. Was auch bedeutet, dass man die Schnelligkeit der Ausführung des Auftrages zu einem gewissen Grad selbst steuern kann. Dazu ist es mal etwas ganz anderes als das oft doch stumpfe Kommissionieren und Packen. Vielleicht ist es auch attraktiv, dass etwas Neues "entsteht", wenn man die ganzen Kartons und Innereien erstmal falten muss. Auch wenn diese Tätigkeit durchaus körperlich anstrengend ist, mache ich sie also eigentlich durchaus gern.
Nicht jedoch an einem Samstag einer langen und durchaus anstrengenden Woche. Entsprechend stinkig war ich, als dann dieser "Auftrag" kam. Verknatzt machten wir uns ans Werk, ich ließ mir vom teils divenhaften Kollegen nichts sagen und er merkte das offenbar auch schnell, denn ein zweites Mal versuchte er nicht, den Arbeitsablauf umzustellen. Wir sind aber eine Truppe, die gut zusammen arbeitet, und wir kamen schließlich sehr gut voran. Als mir das bewusst wurde, beruhigte ich mich wohl wieder, und ich habe es schließlich sportlich genommen und mich voll reingehauen. Wie wir alle schließlich voll reingebuttert und Gas gegeben haben. Am Ende hatten wir 70 Cocktailpakete zu je fünf Flaschen und 32 Weinpakete zu je acht Flaschen gepackt, hin und her gewuchtet und schließlich auch noch gebändert. Für den Abend und den Folgetag erwartete ich ordentlichen Muskelkater. Erst gegen halb zwei, als alle anderen schon längst ihre diversen Tätigkeiten abgeschlossen und bereits aufgeräumt hatten, waren wir mit unserem Auftrag fertig.
Dann hieß es jedoch: die Schichtleitung ist sauer und macht gleich Ansage. Und tatsächlich ließ sie alle Anwesenden versammeln und kritisierte pauschal alle, dass wir unsere Anwesenheit und die Pausen nicht ordentlich dokumentiert hätten. Sie sei es leid, hintergangen zu werden.
Zum zweiten Male in dieser Woche ist mir der Kamm geschwollen, und ich staune nachträglich über mich selbst, dass ich ihr sofort und vor allen versammelten 13 Leuten widersprochen habe. Aber es wäre einfach ungerecht gewesen, an so einem überraschend anstrengenden Tag, an dem zumindest unsere Pack-Truppe alles gegeben hat, auch noch mit einem ungerechtfertigten Vorwurf nach Hause zu gehen. Samstags hatten wir immer die Abmachung gehabt, dass die Pause nicht gescannt sondern pauschal abgezogen wird. Außerdem war mir wichtig zu betonen, dass wir sie nicht verarschen und ihre Gutmütigkeit nicht ausnutzen wollen. Das ist angekommen, und das ist gut. Gemeint seien letztendlich ohnehin andere Leute gewesen, sagte sie mir später.
Es war eine ungewöhnlich gute Arbeitswoche gewesen. Seit ich meinen Schlafrhythmus umgestellt habe, komme ich mit den Frühdiensten ab 6 Uhr noch besser zurecht als zuvor. Dazu spüre ich nach mittlerweile viereinhalb Monaten Betriebszugehörigkeit, dass mir die entscheidenden Leute Anerkennung und Vertrauen entgegen bringen. Selbst mit der Produktionsleiterin, zu der ich sehr lange ein eher belastetes Verhältnis hatte, scherze ich mittlerweile ab und an. Das bedeutet eine Leichtigkeit, die dazu führt, dass ich durchaus gern zur Arbeit gehe. Möglicherweise ist es eine Abschieds-Leichtigkeit: also ein Gefühl, das dadurch in mir hervor gerufen wird, weil ich den Betrieb eventuell in absehbarer Zeit verlassen werde. Dieser Drops ist noch nicht vollständig gelutscht, aber womöglich ist dieses neue Gefühl das Anzeichen dafür, dass ich selbst immer mehr daran glaube. Zuletzt fühlte ich diese Leichtigkeit und Freiheit, als klar war, dass ich nach Berlin gehe und meine damalige WG, in der ich mich lange schwer getan hatte, verlassen würde. Die letzten Wochen waren die schönsten gewesen.

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So genau wollt' ich es gar nicht wissen...

Ich schwöre auf "meine" Schichtleiterin, sie ist exakt am richtigen Platz, das Arbeiten mit ihr (und durchaus auch: für sie) ist sehr angenehm und bei all dem Stress ist sie immer menschlich.
Letzten Donnerstag hatte sie frei, und am Tag danach signalisierte sie Zeit auf einen beiläufigen Plausch neben dem Arbeiten. So fragte ich, ob sie ihren freien Tag genossen hätte. Naja, um 7 Uhr aufgestanden, Mann und Kinder alle beim Arbeiten, zum Arzt gegangen, der Haushalt sei dann um 11 Uhr fertig gewesen und Shoppen gehen wollte sie nicht, das werde bei ihr immer schnell teuer. Dann habe sie sich eigentlich den restlichen Tag über gelangweilt.
Hm. Ich hatte schon die Frage bereit gehabt, ob sie nicht mal was liest oder so, aber die habe ich mir dann lieber verkniffen. Einerseits meinte ich, ich könnte sie damit eventuell in Verlegenheit bringen. Andererseits wollte ich dann auch wirklich nicht mehr wissen. Ich bewahre mir lieber meine positive Vorstellung von ihr. Beim Arbeiten überzeugt sie mich vollständig, das ist wesentlich. Und alles andere... muss ich nicht wissen, will ich nicht wissen.
Interessant hingegen eine am Samstag getätigte Selbsteinschätzung. Sie erzählte, sie sei zu Beginn ihres Berufslebens sehr still gewesen. Das überrascht einen, der sie erst seit wenigen Monaten erlebt, sehr. Denn sie ist laut und durchaus auch mal derbe, ruft - wie ich es mir z.B. auf einem Schiff vorstelle! - kurze Anweisungen von einer Ecke in die andere. Auch ihre ganze Erscheinung wirkt kräftig, energisch und selbstsicher. Dies alles habe sie jedoch erst mit dem Aufziehen ihrer Kinder entwickelt. Zu Anfang hätten ihr alle möglichen Leute Tipps gegeben, häufig völlig konträre. Das habe sie so sehr genervt, dass sie irgendwann ihren eigenen Standpunkt entwickelt und aus dessen Ausbau immer weiter Kraft, Selbstsicherheit und Lautstärke gewonnen habe.  

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Killer & Filz

Ronny Renner, Helgard Reckziegel, Gerda Killer, Bärbel Filz

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Sunday, July 31, 2016

Malocher-Stolz

Ich fahre lieber im RE und erspare mir die müden Gesichter der anderen Schicht-Arbeiter in der U7. Ich will auch kein Teil davon bleiben (schon gar nicht mein Leben lang!) und hoffe, bald den Absprung zu schaffen. Aber: ich habe ihn offenbar ein Stück weit entwickelt (und staune dabei
über mich selbst), ich  trage dieses Gefühl in mir.

Stolz, körperlich stark zu sein.
Stolz, absurd früh aufzustehen.
Stolz, die Knochen hinzuhalten, auch wenn es wenig Geld dafür gibt.
Malocher-Stolz!

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Gleichmut erreicht?

Freitag Spätdienst, das ist immer der Abschluss eines meist quälenden Zwei-Wochen-Zyklusses, der zwischendurch meist nur einen freien Tag zulässt. Zuletzt ging mir oft durch den Kopf, dass es nie einen relaxten Tag auf Arbeit gibt. Wo du morgens gemütlich hin gehst und weißt: "Der Tag wird so und so laufen". Diese Sicherheit, diese Gemütlichkeit gibt es bei dieser Tätigkeit nicht. Es ist - zumindest bei den Spät-Diensten - eigentlich immer total unklar, wie du die acht Stunden Arbeitszeit füllen wirst. Und es wird oft gegen Ende der Schicht nochmal unruhig, wenn man auf einmal den Pack-Tisch wechseln soll. Was lauter zusätzliche Arbeiten nach sich zieht.
Der vergangene Freitag, der Freitag meiner Arbeits-Woche 19, war aber endlich mal ein gemütlicher Tag. Nach eher kurzem "Suchen" wurde ich zum Packen mit einem jungen Kollegen beordert. Der das Vorlegen sehr gut machte, allerdings natürlich auch nicht so schnell, dass es für mich als Packenden in Stress ausartete. Dazu scheine ich endlich den Gleichmut gefunden zu haben, diese stumpfe Tätigkeit auszuführen, ohne mich dabei blöd oder gar verletzt zu fühlen. Ist es endlich soweit? Ich hatte eigentlich schon länger auf diesen Gewöhnungseffekt gewartet...

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Sunday, July 24, 2016

Zweifel

Jeden Tag fahre ich am Gebäude des "Neuen Deutschland" vorbei. Manchmal denke ich früh morgens, da steht wirklich jemand, aber es ist eine Statue von Rosa Luxemburg. Ich weiß nicht, ob in Lebensgröße, aber sie ist so groß, dass ich eben manchmal meine, da stünde eine leibhaftige Person. Erst neulich ist mir ein schönes, sympathisches, zutreffendes Zitat aufgefallen, dass an diesem Gebäude - unterbrochen durch den Eingangsbereich - steht:
"So kommt der Schreibende auf einem Umweg über den Zerfall und die Machtlosigkeit zum Schreiben, 
und jedes Wort, mit dem er eine Wahrheit gewinnt, ist aus Zweifeln und Widersprüchen hervorgegangen."
(von Peter Weiss)
 

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Saturday, July 23, 2016

Moeseneder und Gurke

Die Highlights der letzten Tage:
Namen: Hannelore Kranke, Regine Hass, Karin Kunde, Thomas Ilgenfitz, Lisa Gurke.
Besonders tolle Namen gibt es für meinen Geschmack immer in Österreich, hier eine Auswahl allein des heutigen Tages: Franz Pfatschbacher, Alois Gessl, Annemarie Kleibenzettel, Erna Ableitner, Natascha Moeseneder, Wilhelm Lampl, Gerald Grill, Josef Lutsch, Leopold Hausknatz.
Auch was die Straßennamen angeht, ist Österreich gut dabei: so die Putzendapplergasse in Wien. Interessant in der selben Stadt die Sir-Karl-Popper-Straße. Und irgendein Nest, das ich mir nicht gemerkt habe, hat eine Arbeitergasse. 
Der gute Geschmack setzt sich natürlich auch bei den Ortsnamen in Österreich fort. U.a. wurden mir zuletzt bekannt Almosen, Patsch und Wampersdorf.

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