Monday, January 02, 2023

Friedrichshain-Doku im rbb

Eine knapp 90 minütige Doku über Friedrichshain in den 60er, 70er und 80er Jahren, erzählt anhand von 30 ausgewählten Orten mit Wortbeiträgen von Zeitgenössinnen und -genossen. 
Es ist natürlich ein eher populäres und teils auch nerviges Format. Das Bildmaterial ist allerdings in aller Regel sehr sehenswert. So sah das Frankfurter Tor also zur DDR-Zeit aus. Mit all den Trabbis, Wartburgs und nur vereinzelt ab und zu ein West-Auto. Es gab tatsächlich noch Pferdekutschen im Friedrichshain der 80er Jahre. Wo genau war der Fuhrhof in der Krossener Straße?
Und manches aus dem Stadtbild, wie es Ende der 90er noch zu sehen war, stammte tatsächlich noch aus DDR-Zeiten. Wie auch der Preis im "SEZ" noch bis zur Euro-Umstellung bei 3 Mark lag.
Themen sind u.a. jenes SEZ, der Volkspark Friedrichshain, das Frankfurter Tor, die Musikschule Friedrichshain, die Warschauer Straße, das Ostkreuz,... Lohnt.

30 Favoriten: Berlin wie es einmal war | ARD Mediathek


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Friday, February 12, 2021

Update zur Räumung des Camps an der Rummelsburger Bucht

Ausführlicher, mitfühlender Artikel im Tagesspiegel von Robert Klages. Dokumentation eines Trauerspiels, einer - bestenfalls - kopflosen Hauruck-Aktion ohne Rücksprache mit den Betroffenen, die zu reinen Objekten gemacht wurden. Und viele von ihnen ziehen nun wohl wirklich ganz ohne Dach über dem Kopf durch die Straßen. Den unseligen Tweet von Bezirks-Vize Kevin Hönicke, in dem er jede Verantwortung für die Zerstörungen am Samstag, die konkrete Folge seiner Aktion am Tag davor war, leugnet, hatte ich auch gelesen, er hat mich sprachlos hinterlassen. 
Und hier gibt es einen 4-minütigen Clip mit Interview mit zwei betroffenen Personen: youtube

 

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Eisbadender im Karpfenteich vermisst und schließlich verstorben

Nur wenige Tage nach der Räumung des Obdachlosenlagers an der Rummelsburger Bucht gibt es auch von einem anderen sehr schönen Ort traurige Nachrichten. Vorgestern ist im Karpfenteich im Treptower Park ein 43-jähriger Mann zweieinhalb Stunden lang im eiskalten Wasser des zugefrorenen Sees gewesen, er muss untergetaucht sein und hat offenbar den Weg nicht mehr selbst an die Oberfläche gefunden. Auch seine Begleiterinnen und Begleiter konnten ihn nicht finden, riefen Polizei und Notarzt. Diese konnten ihn erst nach der genannten sehr langen Zeit finden. Er hat zunächst noch gelebt, ist aber schließlich neun Stunden später im Krankenhaus verstorben. Eine wie ich finde sehr schlimme, sehr traurige Geschichte. Wenn ich mir diese fürchterliche Kälte am ganzen Körper vorstelle, und das über Stunden, und eine Panik, wenn es einem nicht mehr gelingt, über Wasser zu gelangen. Eigentlich erstaunlich, dass er nicht ertrunken ist. Ihm, denen, die dabei waren, sowie seinen Angehörigen gehört mein Mitgefühl.   
Die Geschichte berührt mich wohl deswegen besonders, weil es mir nicht fremd ist, im Karpfenteich zu schwimmen, und dieses Jahr bin ich mangels geöffneter Schwimmbäder immerhin bis Anfang November in den Plötzensee gegangen, was ich jeweils als schönes, besonderes Erlebnis empfunden habe. Eisbaden hingegen kann ich mir für mich persönlich nicht vorstellen. Und angesichts dieses Falls nun kann ich jeder Person nur empfehlen, auch die Finger davon zu lassen.
Mehr über den Fall im Tagesspiegel,  ein interessantes ausführliches Interview zum Schwimmen in kaltem Wasser und den Reaktionen im Körper darauf bei rbb24

(eigenes Foto von Eisschollen aus dem Karpfenteich vom 31.1., zehn Tage vor dem Unglück)

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Saturday, February 06, 2021

Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht geräumt

Heute Bericht in der Tagesschau (ab Minute 3:08), dass wegen der Kälte das Camp an der Rummelsburger Bucht geräumt wurde. In der Abendschau gibt es einen etwas ausführlicheren Bericht. Auch wenn es bezüglich der Kälte und des angekündigten Sturms eigentlich plausibel und die angebotene Möglichkeit der dauerhaften Unterbringung der Menschen im Warmen gut klingt, hat der beschriebene Zeitpunkt "später Abend / Nachts", der angewendete Zeitdruck sowie wie die Zerstörung von Bauten einen üblen Beigeschmack. Dass es sich um Baugelände handelt, das nun nach langer Kontroverse frei geräumt wurde, macht die Sache zusätzlich pikant.
Hier weitere Berichte: rbb inforadiotwitter Alexander Fischer, twitter Buchtpiratinnen, indymedia 

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Thursday, April 11, 2019

Mieten-Demo lädt zum Träumen ein

Immer weiter steigende Mieten und die Macht von fiesen Vermieter*innen und Wohnungsgesellschaften sind kein Naturgesetz – daran hat die Großdemonstration - 40.000 in Berlin, 55.000 bundesweit - vom vorigen Samstag erinnert! Hat der Kapitalismus überdreht und ist eine dauerhafte Mieterbewegung entstanden, die sich stetig weiter vernetzt und das Renditestreben einzelner, unter denen die Massen leiden, nicht mehr hin nimmt...?

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Strausberger Platz autofrei

Autofrei und Spaß dabei - Berlin Strausberger Platz vorigen Samstag während der -Demo. Erinnerte daran, wie stressfrei autofreie Städte sein könnten!

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Wednesday, November 29, 2017

Wettbüro Goldesel

Ein Lichtblick in der sonst meist unwirtlichen Landsberger Allee

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Sunday, October 22, 2017

Gnadenloser Boxi

Bereits Anfang September habe ich nach Jahren zum ersten Mal wieder auf dem Flohmarkt verkauft. Zusammen mit einem Freund, der den Flohmarkt am „Boxi“, Boxhagener Platz in Friedrichshain, empfohlen hatte, an den ich mich selbst gar nicht ran getraut hatte, weil ich dachte, dass an diesem insbesondere bei Touristen sehr beliebten Markt ohnehin nur professionelle Händler zum Zuge kommen würden. Aber weit gefehlt, die telefonische Anmeldung klappte bestens, und es wurde sogar extra nachgefragt, dass wir auch tatsächlich private Verkäufer seien. Auch die Tisch-Vergabe am Sonntag klappte bestens, und nicht angeblich wie früher, dass man knapp eine Stunde dumm in der Gegend herumstand. Hatten die Betreiber des Marktes vor ein paar Jahren einen eher schlechten Ruf, gibt es nun wohl eine neue Truppe, die ihn recht cool zu schmeißen scheint.
Die Umgebung des beliebten Platzes ist, was die Mieten angeht, längst kaum noch erschwinglich, der Platz selbst hat sich aber doch ein Stück seinen rohen Charme bewahrt. So standen auch an jenem Tag herrenlose Stühle im inneren Bereich herum – perfekt für jemand wie mich, der meinte, alle seine Klappstühle bei den letzten Umzügen stehen gelassen zu haben…
Auch kamen im Laufe des Tages einige Freundinnen und Freunde vorbei, denen ich Bescheid gesagt hatte. Und wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich mit meinem Kram mehr als die Standgebühr erlösen würde… hätte ich mich sicher gefreut.
Trotz dieser positiven Erlebnisse war das ganze rückblickend aber eine ernüchternde, sehr nachdenklich machende Veranstaltung. Ich habe „Kram“ verkauft: insbesondere Bücher und Kleidung. Dabei schon ausgewähltes, nicht  allerletztes Zeug, von dem ich sicher sein konnte, dass ich es wieder nach tragen würden müsste. Darunter Marken-Jeans sowie neuwertige bis ungelesene Bücher über Punk / NDW, Politik (u.a. DDR) und Fußball. Dazu einen Hand-Staubsauger, den ich vor einigen Monaten für 35 € gekauft hatte, und wenige CDs und DVDs.
Mein Kompagnon hingegen hatte sich – selbst Sammler - auf Schallplatten spezialisiert. Vorwiegend gebrauchte, teils günstige, teils mittel-, teils hochpreisige.
Bei mir wurden es abzgl. der halben Standgebühr rund 20 € an Gewinn. Dazu hatte ich ein paar Freundinnen und Freunde getroffen, ein paar interessante Leute kennengelernt oder zumindest am Stand gesehen. Das Wetter war auch okay gewesen, und wie gesagt, immerhin 20 € eingenommen, und dazu Ballast losgeworden. Aber es war eben sehr viel Lehrlauf zwischendrin, in jenen rund sechs Stunden, und auch wenn ich meinem Kompagnon natürlich den Gewinn gönnte, war es auf Dauer doch seltsam mit anzugucken, wie bei ihm ständig Leute was kauften – und bei mir eben nicht.  Sein Publikum war breit gefächert, von Freaks, die mehrmals kamen, bis hin zu Touris, die sich möglicherweise ein Mitbringsel aus Berlin sicherten. Rund 500 € waren es schließlich bei ihm. Der „Vinyl-Boom“, von dem die letzten Jahre die Rede ist, und den ich immer angezweifelt habe, er scheint zumindest was gebrauchte Schallplatten angeht, tatsächlich zu existieren. Es gibt offensichtlich noch eine relevante Masse an Leuten, die Schallplatten kaufen, zumindest auf Flohmärkten.
Bücher und Kleidung hingegen, die klassischen Flohmarkt-Schnäppchen, die ich so kannte, scheinen im Kurs radikal gesunken zu sein. Bei Büchern ist man wohl einerseits zu faul, sich durchzuwühlen. Und andererseits wohl durch Amazon, Booklooker usw., wo es gebrauchte Bücher – wenn man diese im Zeiten des e-books und digitaler Lesegeräte überhaupt noch kaufen will! - oft sehr günstig gibt, preislich total verdorben. Man nimmt nur dann was mit, wenn es etwas ist, nach dem man wirklich gesucht hat.
Der Markt ist gnadenlos. Aber ich muss gestehen, dass bei mir zuhause auch jetzt noch – nach dem vergangenen Umzug und nach diesem Flohmarkt-Tag - viel zu viel Kram herumsteht, den ich eigentlich nicht mehr brauche und bei dem die Chancen gut stehen, dass er vor dem nächsten Umzug entsorgt wird. Ich kaufe ja auch kaum noch (oder gar nicht mehr?) neue Bücher sowie DVDs, leihe sie mir vielmehr zuletzt verstärkt aus. Und Kleider? Kaufe ich eigentlich nur noch neu, oder im Gebraucht-Kaufhaus (nein, nicht Humana), wo die Dinge sortiert sind und ich sie vor dem Kauf anprobieren kann. Eigentlich verstehe ich „den Markt“ und seine Teilnehmer also sehr gut, auch bei mir lautet die Devise „weniger statt mehr“. Dass all die Massen, die vorbei geschlendert waren, aber so wenig von mir mitnehmen wollten, hat mich dennoch ernüchtert.
Es sollte einen Container geben, in den am Ende eines Flohmarktes die übrig gebliebenen Dinge abgelegt werden und wo sich bedürftige Menschen dann was für umsonst nehmen können. Den gibt es nicht, die Entsorgung der Reste will sich natürlich keiner ans Bein binden. So führte mein Weg zunächst zum Zuhause meines Kollegen, wo ich die restlichen Bücher ins Treppenhaus stellen konnte, und anschließend zum Alt-Kleider-Container, wovor sich ein paar Leute, möglicherweise aus Polen, über zumindest einige meiner übrig gebliebenen Kleider freuten.

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Saturday, March 25, 2017

Korbraumüberwachung

"Tschujijung, ick muss hier mal Korb-Überwachung machen!" sagte breit lächelnd die Kassiererin, um die beiden Polizisten, die vor mir an der Kasse standen, zur Seite zu bitten. "Ordnungsamt - Parkraumüberwachung" stand groß hinten auf ihren Westen. Da die beiden zwar zur Seite gingen, aber keine Miene rührten, schob sie noch erklärend hinterher: "Sie machen Parkraumüberwachung, und ich kümmere mich eben um die Körbe hier."
"Ordnung muss sein", lautete die trockene und wohl auch etwas genervte Antwort des einen der beiden, der offenbar absolut kein Interesse an einem weiteren Gespräch hatte. Denn er sagte es nur so laut, dass es nur seine Kollegin und ich hörten.
Vor lauter Glück über diese kleine Szene (und müde von der stumpfen Arbeit) ließ ich daraufhin glatt meinen Fahrradkorb am Platz, an dem man sonst die Einkäufskörbe lässt, stehen. Aber der hinter mir war zum Glück so nett, mich freundlich darauf hinzuweisen.

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Thursday, March 23, 2017

"Bambus" geschlossen

"Jesundet Neuet", hatte ich nachkonstruiert. Das muss der Spruch gewesen sein, mit dem ein weiterer Gast oder Kunde des Asia-Imbisses auf der anderen Seite der Grünberger Straße das Etablisment, besser gesagt: die kleine zugedampfte Bude zu Beginn des Jahres 2000 betrat. Ich hatte ihn zunächst überhaupt nicht verstanden.
Dieser Imbiss war in meinen ersten 1,5 Berlin-Jahren meine Haupt-Nahrungsquelle, weil ich damals gleich wenige Meter davon entfernt wohnte. Entweder China-Pfanne für 5.- DM oder zehn kleine Frühlingsrollen für - wenn ich mich recht erinnere - den gleichen Preis. Der Inhaber, wohl ein Vietnamese, kannte mich schnell, und wusste dann meist schon, was ich haben wollte. Irgendwann fragte ich ihn mal ein bisschen was, ob er wirklich jeden Tag von früh bis spät hier stehe und arbeite; ja, und so war es in der Tat.
Als ich den Kiez verlassen hatte, wurden meine Besuche seltener, aber rissen nie ganz ab. Zwischenzeitlich hatte er den Raum nebenan mit hinzu gemietet, und aus dem Imbiss war ein richtiges kleines Restaurant geworden. Das den Imbiss-Charakter aber nie abgelegt hat.
Von 2009 - 2016 wohnte ich wieder in der erweiterten Umgebung, und in jener Zeit holte ich mir wieder öfters mal ein "Pfännchen", das nur er so gut hinbekam. Er hatte mich nach meiner zeitweisen Abwesenheit auch gleich wieder erkannt. Als irgendwann ein kleines Kind in seinem Imbiss herumsprang, fragte ich ihn, ob das sein Enkel sei, und er bestätigte das strahlend. Viel mehr an Gespräch oder Kontakt ist in den Jahren nicht zustande gekommen. Musste aber auch nicht; ich freute mich an seinen Speisen, und er wohl, dass er in mir einen Stammkunden hatte. Auch seine Frau, die öfters mit dabei war, begrüßte mich immer besonders freundlich.
Für ein oder zwei Jahre hatte sich der Imbiss SKY-Empfang zugelegt, man konnte in ihm also exklusive Fußball-Spiele gucken, die es nur im Bezahl-Fernsehen zu sehen gab. Es dürfte ein absolutes Highlight in der Geschichte dieses Imbisses gewesen sein, was an einem Champions League-Abend mit deutscher Beteiligung in ihm los war. Die Räume, die sonst meist leer waren, waren zum Bersten gefüllt. Alle umliegenden Kneipen waren wohl überfüllt, nur in diesem Geheim-Tipp war - zunächst! - noch gut was frei gewesen. Alle erfreuten sich an Bierpreisen von knapp über einem Euro und die Möglichkeit zu Essen gab es auch dazu.
Im Februar 2017 fahre ich spontan wieder vorbei und will mir mal wieder eine Pfanne holen. Hinter dem Tresen stehen zwei junge Asiaten. Ich schaue mich um, nein, diesmal ist es keine Vertretung; irgendwann hatten einmalig junge Verwandte von ihm kurzzeitig den Betrieb, wohl als Urlaubs-Vertretung, übernommen. Diesmal waren es jedoch dauerhaft andere Betreiber, gekommen um zu bleiben. Beim Gehen sah ich draußen dann auch den Hinweis "neue Bewirtschaftung". Das war's. Das Ende einer Ära auch für mich.
Von Beginn meiner Berlin-Zeit an, rund 17,5 Jahre lang war der "Bambus" eine angenehme und zuverlässige Anlaufstelle für mich gewesen. Ich danke seinem Betreiber unbekannten Namens für alles und wünsche ihm, dass er nun hoffentlich seine wohlverdiente Rente genießen kann.

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Sunday, February 05, 2017

Preußische Geschichte trifft Barnimkiez und löst Rätsel um „Höchste Straße“


Präsentiert sich der „Barnimkiez“, das neulich erwähnte neu entdeckte Gebiet rund um Barnimstraße, Höchste Straße und Co., heutzutage als unwirtliches, unfreundliches, enges DDR-Neubaugebiet, das an den von konservativer Seite gern gebrachte spöttische Spruch „Auch in der DDR war nicht alles gut“ denken lässt, überrascht es umso mehr, dass ausgerechnet dieser Teil des heutigen Friedrichshains zu den am frühesten bebauten zählt.
Das „Barnimviertel“ gehörte einst zur Georgenvorstadt, später Königsvorstadt, noch später Königsstadt genannt. Jene zog sich ausgehend vom am heutigen Alexanderplatz gelegenen Georgentor, das zur aus den Erfahrungen des 30-jährigen Krieges ab 1658 unter Kurfürst Friedrich Wilhelm (der „große Kurfürst“) errichteten Festung um Berlin gehörte, in nordöstliche Richtung. 1701 zog König Friedrich I. nach seiner Krönung in Königsberg durch jenes Tor in Berlin ein und seither wurde es Königstor und das davor bestehende Gebiet Königsvorstadt genannt.
Einige Jahrzehnte später wird ein neues „Königstor“  (zunächst "Bernauer Tor", ab 1809 Königstor) an der Kreuzung Friedenstraße, Greifswalder Straße Teil der ab 1734 unter König Friedrich Wilhelm I. („Soldatenkönig“) aus wirtschaftlichen Gründen errichteten Akzisemauer. Jene verlief u.a. entlang der heutigen Friedenstraße, die damals als Straße aber noch nicht existierte. Somit war die damals schon eingerichtete, auf einem Plan von 1829 als zumindest teilweise bebaut eingezeichnete „Höchste Straße“ tatsächlich die höchst gelegene jenes Viertels. Jener  im Buch „kleine Friedrichshain geschichte“ (Düspohl/Moldt 2013) dokumentierte Plan weist im Übrigen nahezu alle anderen Gebiete des heutigen Friedrichshains unbebaut: als Wiesen und Brachgelände aus.
Auf einem weiteren in diesem Buch abgebildeten Falk-Plan von 1948 ist schön zu sehen, wie stark jenes Viertel durch den Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, was die erfolgte Neubebauung (incl. teilweiser Änderung von Straßenverläufen) zur DDR-Zeit begreiflich macht.
Alles schlecht war in der DDR aber auch nicht – inzwischen konnte ich einen Durchgang durch das 300 Meter lange „Schlangen“-Hochhaus hin zu Mollstraße / Platz der Vereinten Nationen entdecken…

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Tuesday, January 31, 2017

Höchste Strafe

Neulich bin ich kurzentschlossen einen anderen Weg vom Volkspark Friedrichshain zum Supermarkt gelaufen, u.a., um meine neue Umgebung kennenzulernen. Die Büschingstraße entlang laufend, nach der weiter im Süden eine Tram-Haltestelle benannt ist, so dass es mich wunderte, dass sie bereits hier beginnt…  stieß ich verdutzt auf die „Höchste Straße“. Woher kommt nur dieser Name, in dieser Umgebung, die wie so viele Gegenden Berlins kein oder nur minimales Gefälle aufweist? Die, unterhalb des Volksparks gelegen, keineswegs besonders exponiert ist? Die „Höchste Straße“ liegt auch deutlich sichtbar unterhalb der Friedenstraße. Auf einer Website wurde sie - 1830 angelegt, 1870 so benannt - in Bezug gesetzt zur Barnimstraße, so dass ich mir heute die Lage der Barnimstraße näher ansehen wollte.
Das Viertel, in dem sich - abgegrenzt durch die Mollstraße im Süden und Südwesten, die Friedenstraße im Norden  und die in diesem Abschnitt wirklich lebensfeindliche Otto-Braun-Straße im Westen - Höchste Straße, Barnim-, Wein-, Büsching- und Georgenkirchstraße befinden, ist der westlichste Zipfel Friedrichshains. Weit entfernt von Frankfurter Tor, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke, East-Side-Gallery, Simon-Dach-Straße, RAW-Gelände, Ostkreuz, Rigaer Straße und was sonst noch als „typisch Friedrichshain“ gelten könnte. Wenn überhaupt, hatte ich die Gegend bisher vom Volkspark, also der Friedenstraße aus wahrgenommen. Dort stehen, bis auf einen Zehngeschosser, nur traditionelle Mietskasernen, und ich hatte angenommen, die ganze Gegend bestünde aus dieser in Berlin häufigen (und längst begehrten) Altbau-Bebauung. Zumal wenige Meter weiter der für seine Altbauten bekannte Bezirk Prenzlauer Berg beginnt. Aber es ist vielmehr so, dass lediglich an jenem nördlichen Rand des Viertels diese Altbauten stehen, und sich hinter diesen ein komplettes DDR-Neubau-Viertel mit Plattenbauten befindet. Vor einigen Jahren hatte ich anlässlich einer Stolperstein-Verlegung über jüdisches Leben in Friedrichshain recherchiert; eine Ballung von jüdischen Haushalten hatte es - bis zum erzwungenen Exodus bzw. der Ermordung dieser Bewohner durch die Nazis - hier gegeben. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg werden für diese Gegend "besonders stark" genannt, darauf seien in den 1960er Jahren umfangreiche Abrisse gefolgt.
An einem Zugang von Norden aus erwartet einen gleich die „DDR-Speisegaststätte PILA“ in der Weinstraße, wobei „PILA“ offensichtlich die Abkürzung für „Pionierlager“ sein soll und sich das Lokal „und DDR-Museum“  angeblich schon seit 2006 hält. Ich finde ja skurile Orte interessant, aber nach kurzer Beschau von außen beschloss ich, dass ich mir das nicht von innen ansehen muss; in Erwartung von Enge und (unter-?) durchschnittlichem Essen. (Es lohnt sich, sich die Online-Bewertungen anzusehen, auch wenn diese im Ganzen deutlich positiver ausfallen als von mir erwartet). Auf dem Weg zur Barnimstraße kam ich durch den westlichen Teil der „Höchsten“ zur Georgenkirchstraße, wo mich das abgewrackt wirkende Schild des Restaurants „Bamboo's Hut“ anlächelte und ich kurz darauf  – unerwartet - auf einen Kaiser’s stieß. Das ist das Gute eines Plattenbau-Viertels, in dem viele Menschen leben: es gibt Einkaufsmöglichkeiten. Die Barnimstraße liegt – wie erwartet – natürlich nicht höher als die „Höchste“, wie es in einem Beitrag hieß. Entweder diese Information ist schlicht falsch, oder es hieß früher womöglich eine andere Straße Barnimstraße? Dagegen spricht jedoch, dass es in der heute existenten Barnimstraße eine Grünfläche gibt, an der auf das seit 1864 dort befindliche, 1974 geschleifte Frauengefängnis Barnimstraße hingewiesen wird. Auf einem Foto auf jener Website ist zu erahnen, dass die Gegend früher von Mietskasernen geprägt sein muss.
Da ein skuriler, wellenförmig angelegter, sicher einige hundert Meter langer, "Schlange" genannter Plattenbau die Gegend gegen Osten und Südosten komplett abschirmt, führte mich mein Weg über die Büschingstraße nach Norden zurück in Richtung Platz der Vereinten Nationen. Früher Leninplatz. Aber diesen packe ich jetzt nicht auch noch in diese Tour mit ein. Auf der leider noch nicht das Rätsel um die „Höchste Straße“ geklärt werden konnte…

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Public transport

Die Berliner Ring-Bahn ist im Prinzip eine gute Einrichtung, kann man mit ihr in ziemlich genau einer Stunde den inneren, eben den Ring-Bahn-Bereich der Stadt umrunden.  Und an einer ihrer 28 Stationen aussteigen und – theoretisch - relativ zügig wahlweise weiter stadtein- oder stadtauswärts gelangen. Auch der planmäßige Rhythmus von fünf Minuten klingt – wiederum theoretisch - sehr gut.
Das Problem der Ring-Bahn ist, dass sie sehr störungsanfällig ist. Bei „Polizeieinsatz“, „Feuerwehreinsatz“, „Zugschaden“ oder „Signalstörung“ ist schnell der ganze „Ring“ lahm gelegt. Gefühlt geschieht das nahezu jeden Tag (Abbildung: zufällig ausgewählt heute). Und da die Berliner S-Bahnen infolge des bundesweit berühmt gewordenen S-Bahn-Chaos‘ 2009 bis heute nur mit drei statt wie vorgesehen vier Doppelwägen fahren können, ist bereits, wenn ein Zug ausfällt, der folgende sofort überfüllt. Man „klebt an der Scheibe“, wie es ein Kollege in Spandau seinerzeit schön beschrieb. Für mich ist nicht wirklich begreifbar, dass es für diese wirklich häufig vorkommenden Störungen zumindest an den neuralgischen Punkten (u.a. Gesundbrunnen) keine Umfahrungsmöglichkeiten in Form zusätzlicher Gleise oder andere Lösungsmöglichkeiten zu geben scheint.
Wenn ich dann mal wieder „an der Scheibe klebe“, oder kaum in den Zug hineinkomme, weil er bereits so voll ist, ich mich schließlich inmitten fremder „Körperwelten“ wiederfinde und der Tag gleich wieder nervend beginnt, denke ich manchmal an den englischen Begriff für öffentlichen Nahverkehr. Dass das Versprechen „public transport“ ehrlich ist. Denn „transportiert“ wird man ja immerhin. Wie, wird nicht gesagt. (Eine Aussage, die sich übrigens auch für die neuen Typen von Straßenbahn und Bus treffen ließe, deren Sitzplatz-Kapazitäten reduziert wurden.)
Auch wenn ich zu meiner Arbeit nur sechs Ring-Bahn-Stationen zu fahren habe, sehne ich die wärmere Jahreszeit herbei, wenn ich die Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Insbesondere im Berufsverkehr ist die Ring-Bahn zu aufreibend und unzuverlässig.  
Trotz alledem freue ich mich, seit knapp einem Jahr wieder eine Monats-, inzwischen gar Jahreskarte für den „public transport“ zu besitzen. Über ein Jahrzehnt die Wege in der Regel nur mit dem Fahrrad zurückgelegt, eröffnet sie mir neue Horizonte und lässt mich auch mal weiter entfernte Orte der Stadt besuchen oder kennenlernen, wenn ich spontan in jede sich bietenden Busse und Bahnen steigen kann. Nachdem ich mich über Jahre nahezu ausschließlich in Friedrichshain-Kreuzberg, hm, Friedrichshain, nein, Friedrichshain-Südkiez, auch nicht, die Boxhagener Straße rauf und runter aufgehalten hatte. Und das schließlich für Berlin hielt. Und ihm natürlich überdrüssig war.

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