Monday, January 16, 2023

Steve Iron Cast Smith gestorben

Shit, man sollte das wohl nicht machen... einfach mal so nach alten Bands gucken... Nun stieß ich gerade drauf, dass Steve Smith, Sänger von Red Alert - und jüngerer Bruder von Patrick Smith, dem Sänger von Red London, wie ich gerade sah - am 30.11.2022 kurz vor seinem 60. Geburtstag gestorben ist. Das letzte Red Alert-Konzert war in Berlin im Wild At Heart Mitte Oktober. Hatte ich noch kurz überlegt, wegen Red Alert, die ich insbesondere in den 90ern sehr gern gemocht hatte, hinzugehen. Aber es war ein Festival mit vier Bands und die anderen hatten mich nicht interessiert. Nun habe ich das letzte Red Alert-Konzert verpasst. 

Red Alert haben einige sehr geile Lieder hinterlassen, u.a. auf der LP "We've got the power", auf der Single-collection oder auch auf "Beyond the cut". Auf der auch Charlie Harper ein Gastspiel hat. UK Subs gucke ich mir kommenden Donnerstag nochmal an, und wieder ist einer früher gestorben... Red Alert war zumindest in den frühen 90ern eine sehr gute Live-Band, gerade auch wegen des Sängers, der eine starke Präsenz hatte. U.a. gesehen in Filderstadt und Gerlingen seinerzeit. Legendär für mich auch die Tour-Berichte aus den Fanzines um 1990 herum, dass bei einer gemeinsamen Tour mit Blitz deren Sänger ausgefallen sei und Steve Smith einfach Sets beider Bands gesungen hat.
Ein paar Jahre später nochmal im "Che" in Stuttgart gesehen, was aber nicht mehr ganz so dolle war.
So bleibt die Erinnerung an tolle Platten und zumindest zwei geile Konzerte um 1993.
Shit. Dachte ich mir schon, als Ströbele neulich starb. Immer mehr verlassen uns... lassen uns hier alleine... 

Fans haben in Erinnerung an Steve Smith einen Red Alert-Jahreskalender für 2023 produzieren lassen: redalertsunderland. Einen schönen und informativen Nachruf auf Deutsch gibt es - mit einem Foto vom letzten Konzert - unter: steeltownrecords.de/blood-sweatnbeers-good-bye-tiger/.

Auch wenn ich dich nicht persönlich kannte: Rest in peace!!

Die Cover der Platten erinnern auch an einen für mich immer charismatisch gewesenen Schriftzug...

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Tuesday, November 01, 2022

Östro 430 + Bärchen und die Milchbubis + Suzy & the Slits

Sonntagabend,  aber es war tatsächlich recht voll im Cassiopeia. Angenehm gefüllt. Es war schon interessant, da mit Suzy and the slits ne Band mit ganz jungen Leuten gespielt hat. Die wiederum offenbar auch viele Leute mitgebracht haben. Es war echt sowas wie ein Mehr-Generationen-Konzert. Die Band hat eigentlich recht guten Früh-80er-Punk gemacht, mit wilder Sängerin auch, also schon ganz gut. Eigentlich. Inzwischen denke ich mir nur, dass es so ne Musik schon vor mittlerweile 40 Jahren gegeben hat. Und irgendwie kickt mich sowas dann heute nicht mehr und ich kann es für mich persönlich nicht für ganz voll nehmen. Dass andere voll mitgegangen sind und ihren Spaß hatten, freut mich dabei aber!

Die beiden folgenden Bands waren dann quasi das "Original", allerdings natürlich um mittlerweile eben jene 40 Jahre gealtert. Eine Gelegenheit, über Zeit nachzudenken, und Entwicklungen mit der Zeit. Auch wenn sie - das will ich gleich voraus schicken - in dem Sinne nicht "alt" oder "oll" oder irgendwas, sondern eher interessant wirkten. Nach all der Zeit noch ihre Lieder zu spielen, und das auf eine sehr glaubwürdige Weise! Bärchen und die Milchbubis waren sehr nett, sehr freundlich, sehr zugewandt. Ich musste irgendwie dran denken, das könnten die Lehrerinnen und Lehrer für viele der jungen Leute aus dem Publikum sein. Ich bin mit dem Bassisten hinterher zufällig sehr nett ins Gespräch gekommen. Wo er u.a. meinte, dass der Sampler "Jung kaputt spart Altersheime" nicht offiziell sei, sie zumindest nicht gefragt worden seien, was mich doch sehr überrascht hat! Musikalisch war es teils etwas harmlos, ich musste an die Mimmis denken, aber diesen Sound gab es in den 80ern eben auch, und die beiden Hits "Jung kaputt spart Altersheime" und "Pogo poppt auf" gehen ja in eine etwas andere Richtung. 

Östro 430 war dann quasi der Gegenpart, offensiv, kräftig, eine wahnsinnige Power insbesondere bei der Sängerin, obwohl inzwischen um die 60. Hat mich echt beeindruckt und ich hab mir dann tatsächlich die Platte gekauft. Eine Doppel-LP, mit 25 € natürlich recht teuer. Und da sie schön aufgemacht ist, aber kein Klappcover hat, hätte es die CD im Digi-Pack für 15 € wohl auch getan. Aber super Musik, mit Orgel und Saxophon, ziemlich geil, und teils heiße, offensive Texte. Die Band war bisher immer etwas an mir vorbei gegangen, eigentlich schade, dafür habe ich aber nun also wieder mal was interessantes "Neues" entdeckt. Es gibt mit der Sängerin ein ganz interessantes Interview in der taz unter dem Titel "Soziale Verantwortung ist Punk". Sie hat wirklich Format und Präsenz und Ausstrahlung, kann auch so richtig gut und kräftig singen. Interessant, ihre kräftige, unbequeme und undogmatische Sicht auf die Dinge mitzukriegen. Die womöglich nicht immer auf der Höhe der Zeit, auf der Höhe der aktuellen Diskussionen ist, dachte ich mir so. Zum  Thema "Gendern" sagte sie auch, dass das womöglich ein Generationen-Gap sei. Aber ich hab so gemerkt... das ist ne Herangehensweise, die mir vertraut ist und die ich cool finde... Punk 80er und weniger Punk 2020er.

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Monday, October 02, 2017

Das ist doch mal ein tolles Radioprogramm...

Pünktlich wie die Maler ging's los! Seit heute 21 Uhr läuft New Rose Punkrock-Radio von und mit Frank Nolti Nolte, heute mit Songs, die ich rausgesucht habe! Live mithören oder mit "Ziel speichern unter" jederzeit downloaden und anhören! Hier du gehst:
Thematisch geht es nicht ganz zufällig um Punk aus den späten 80ern und frühen 90ern. Zum einen war das für mich eine sehr prägende Zeit, ich würde heute sagen, dass das damals "mein Sound" war. Zum anderen ist es eine Zeit, die heute kaum noch einen interessiert. Bei allem Vinyl-Boom vor allem gebrauchter Platten, bekommt man Erzeugnisse aus jenen Jahren nachgeworfen. Das hat natürlich auch Vorteile, weil die wenigen, die es interessiert, die Platten dann günstig schießen können. Allerdings tut es teils echt fast schon weh, wenn absolute Hit-Platten zu absoluten Mini-Preisen verramscht werden. Auch im Internet ist Punk aus jener Zeit rar gesät. Es lässt sich jedes noch so schlecht gespielt Konzert oder Demo-Tape von 77-Punk- oder auch Deutschpunkbands der 80er Jahre digital finden, aber nur selten was von Bands aus etwa 1988 bis 1993, die damals Konzerte gespielt und damit die seinerzeit recht kleine Szene am Laufen gehalten haben.
Es war durchaus auch eine ambivalente Zeit. "D.I.Y." ist leider nicht immer ein Qualitätsmerkmal, und Sound-technisch klangen seinerzeit einige Platten nicht so, wie sie hätten klingen sollen. Andererseits hat auch nicht jede Band gleich etwas veröffentlichen können, was teils möglicherweise zu einem Reifungsprozess geführt hat. (Siehe dazu auch auf diesem Blog vom Januar 2015: Punkrock von 1989/1990)
Wie auch immer - die Radiosendung führt zurück in diese Zeit. Natürlich nur mit Hits...

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Sunday, May 21, 2017

AUSBRUCH 2017

AUSBRUCH aus Aachen gehören zu den Bands aus der "klassischen Deutschpunk-Ära", die mir am besten gefallen. Sie hatten durch die besondere Gitarre, den recht tiefen Gesang und das moderate Tempo immer etwas Besonderes, Geheimnisvolles. Selbst das zweite Album, das 1994 bei Impact Records erschien, gefiel mir mit seiner melancholischen Stimmung sehr gut - wobei ich diese Meinung nach meinem Eindruck leider weitgehend exklusiv habe...
Als ich hörte, dass die Band nach geschätzten 20 Jahren Pause wieder auftritt, hoffte ich auf ein Berlin-Konzert, und Dank Noltis New Rose Radio (danke!) erfuhr ich auch von jenem Konzert am 20. Mai im Tommyhaus. Es war klar, dass dieses Konzert starke Konkurrenz haben würde - in der Stadt spielten am selben Abend mit EA 80 und Cock Sparrer zwei absolute Schwergewichte. Und gleich vorweg, die Reihen bei AUSBRUCH blieben leider sehr überschaubar.
Ein absoluter Witz-Preis am Eintritt, "5 - 8 €", was ist das denn? Nach einem kurzen netten Plausch und dem Hinweis, dass ich mit dieser Angabe total Schwierigkeiten habe, denn wenn ich zu wenig gebe, hab ich ein schlechtes Gewissen, aber als 8.- €-Krösus fühl ich mich auch nicht wohl... bezahlte ich 6 € und alle waren zufrieden. Am Tresen - Radler 2 € incl. Pfand - gibt es übrigens auch T-Shirts zu kaufen, zum Preis von "6 - 9 €"... 😀
Letztendlich finde ich das aber symphatisch, wie ich mich auch im ganzen Tommyhaus sofort wieder total wohl fühlte. Die Leute dort sind nett zu einem, wie man es sonst nur von Dorf-Jugendzentren kennt. Keine/r, die/der es besonders wichtig hat. Einfach nett und sympathisch. Sollte ich öfters mal hin.
Den Anfang machte eine Schrei-HC-Band aus Kiel, nett, nicht meine Musik, aber da die Reihen eben so dünne waren, blieb ich aus Solidarität gegenüber der netten Band fast das ganze Set über vorne stehen.
Nur ganz langsam hatte sich der Raum etwas mehr gefüllt, als AUSBRUCH begannen. Meine Güte, die Band will ich schon seit spätestens 1994 mal live sehen (hatte mit ihnen seinerzeit auch mal ein Brief-Interview geführt), und nun geschieht das in diesem doch eher traurigen Rahmen. Waren es 30 oder 35 Zuschauer? Au weia. Es war schnell zu spüren, dass es für die Band total frustierend war, sie hatten sich den Abend offenbar völlig anders vorgestellt. Insbesondere der Sänger machte seiner Enttäuschung häufig Luft. Versuchte, Witze über Cock Sparrer zu machen. Letztendlich konnten aber die, die gekommen waren, nix dafür, dass nicht mehr gekommen sind. Und die Stimmung wurde nicht schlechter, sondern schrittweise besser, also es war nicht so, dass die Band den Laden leer gespielt hat, sondern denen, die da waren, hat's gefallen.
AUSBRUCH spielten viele neue Lieder, geschätzt zwei Drittel des Sets waren neue Lieder. Das war zunächst etwas irritierend und gewöhnungsbedürftig. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass eine Band, die sich quasi neu gründet und - mit neuem Schwung und wohlgemerkt unpeinlich - offenbar neu durchstarten will auch neue Lieder spielt. Aber - die Diskussion gab's Anfang der 90er schonmal, als sich viele 77er-Bands wieder zusammen taten - wenn eine Band unter ihrem alten Namen auftritt, sollte sie schon als Band mit ihren alten Songs erkennbar sein. Zwischen diesen beiden Polen, mit diesen beiden Bedürfnissen haben Band wie Publikum zu kämpfen. Bei AUSBRUCH hätte ich mir eine höhere Quote an alten Songs gewünscht. Gefühlt wurden die neuen Songs - die oftmals immer noch diese besondere Gitarre haben, während der Gesang nicht mehr ganz so tief ist wie auf Platte - immer besser und überzeugender, das ganze Set hatte auch ordentlich Wumms. Letztendlich war es ein okaynes, ein gutes, aber kein sehr gutes Konzert. Dazu war der Rahmen zu dünne und die Set-List nicht das, was ich mir erhofft hatte. Sie sollten sich vielleicht statt AUSBRUCH tatsächlich AUSBRUCH 2017 nennen, wie sie der Sänger ab und an angesagt hat.   

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Monday, April 03, 2017

Das Buch von Gerrit Meijer

Gerrit Meijer, Gitarrist und Sänger von PVC, ist Ende Februar 2017 im Alter von 69 gestorben. Das war für mich der Anlass, mir sein Buch, das er letztes Jahr im Verlag neues leben publizieren konnte, zum Geburtstag zu wünschen. Der ein Tag vor seinem ist, wie ich erst aus dem Buch erfahre. Ich bin Gerrit einmal persönlich gegenüber gesessen; ich schätzte ihn als Typen ehrlich gesagt mehr als die Musik von PVC, die mir – abgesehen von einer Handvoll Über-Hits – im ganzen zu durchschnittlich ist. Das muss ich auch jetzt wieder sagen, nachdem ich mir meine PVC-Platten nach der Lektüre des Buches nochmal gründlich durchgehört habe. Vielleicht wurde von dieser Band schlicht viel zu viel veröffentlicht.  
Gerrit Meijer ist mir als wacher, aufrechter und unpeinlicher Typ erschienen. Der Meinungs-stark sagte, was er denkt, unabhängig davon, wie es bei anderen ankommen mag. Vielleicht meint das der Untertitel des Buches „Die unzensierte Geschichte“? Warum man eine Geschichte über „Berlin. Punk. PVC“ zensieren wollen sollte, ist mir schleierhaft.  Auch der Titel ist missverständlich. Berlin, Punk und PVC ziehen sich zwar in der Tat durch das ganze Buch, sind aber nicht die einzigen Themen. Passender wäre gewesen, das Buch die Memoiren von Gerrit Meijer zu bezeichnen. Das Buch liest sich sehr leicht und locker, wird aufgelockert durch ein paar s-w-Fotos.
Das Anfangskapitel über die Schulzeit ist eher schwach; die beschriebene Zeit lag ihm womöglich zu fern, und ggf. besaß er auch keine Quellen oder andere Zeugnisse, die ihm das Geschehen neu vor Augen führen hätten können. Ab dann nimmt das Buch aber Fahrt auf und schon deutlich besser ist das zweite Kapitel über seine Lehre und die Erlebnisse als Malocher sowie seine ersten musikalischen Interessen. Spannend sind auch seine Eindrücke der Teil-Stadt West-Berlin, auch „1968“ in West-Berlin bekommt er mit. Da lernt er es, den Kopf zu schütteln über vehement ausgetragene Auseinandersetzungen über die „reine Leere“, die ihm auch später immer wieder begegnen werden.
Es ist interessant, wie der begeisterte Musik-Fan und Plattensammler schließlich zu Punk kommt. Ebenso, seine Sicht auf die frühe Berliner Punk-Szene zu lesen; die Läden, Treffs, Bands. Unter anderem hat er Kontakte zu Eff Jott Krüger von Ideal, die damals gerade groß durchstarten (was dieser für einen Sprachfehler hatte, den er offenbar geschickt kaschieren konnte, hätte mich ja genauer interessiert). Insbesondere beschreibt er natürlich  die Geschichte von PVC, jener ersten Berliner Punk- Band, die er 1977 mit gründet, 1979 aber verlässt.  Für mich bleibt dabei die Frage offen, wie angesagt PVC damals wirklich gewesen sind, denn die Publikumsreaktionen werden als sehr unterschiedlich beschrieben.
Er gibt auch einen Blick auf die Punk-internen Auseinandersetzungen, die er aus der Perspektive des Älteren schildert, der auch öfters angefeindet wird, unter anderem allein deswegen, weil er älter ist. Und weil er – allein durch die Erfahrungen von „1968“ – Diskussionen um die „reine Leere“ (teils gefolgt von militanten Aktionen) in der Punk-Szene nur lächerlich finden kann. Er äußert sich dabei keineswegs „Punk-feindlich“, wie es dem Buch schon vorgeworfen wurde, sondern gibt den Blick frei darauf, dass es bereits damals in der unmittelbaren Anfangszeit ganz verschiedene Vorstellungen von Punk gegeben hat.
Schön, dass er die Entwicklung von PVC auch nach seinem Ausstieg weiterhin im Blick behält; die Band existiert ohne ihn bis März 1984 weiter. Was er sonst über die 1980er schreibt, fand ich rein aus musikalischem Blickwinkel eher uninteressant. Er startete viele Versuche mit diversen Bands und Projekten, die aber  – abgesehen von White Russia – zumindest mir völlig unbekannt geblieben sind. Interessanter sind hier seine Eindrücke von Reisen nach Ost-Berlin mit einem befreundeten Diplomaten. 1988 geht es dann mit PVC neu los, vor allem vorangetrieben durch das Interesse von Bela B. von den Ärzten, der mit PVC einige Songs aufnimmt und eine Maxi-Single veröffentlicht. Im Zusammenhang mit den Mauerfall-Feierlichkeiten äußert sich Gerrit enttäuscht, dass ihr Management sie nicht in von eben jenem Management organisierte Feier-Konzerte integrierte. Was mich etwas verwundert, denn auch wenn PVC die Songs „Wall City Rock“ und „Rocking till the wall breaks down“ gespielt hatten: wer aus einem Massenpublikum – für das jene Konzerte konzipiert waren - kannte schon diese Songs, wen hätten sie interessiert, wer hätte sie hören wollen?
Für die 1990er Jahre beschreibt er einige bizarre Geschichten aus dem Tour-Leben; so unter anderem ein Gerüst vor dem Proberaum, in dem die Anlage steht; oder ein Juz, das dermaßen versifft ist, dass sie lieber nachts  400 km nach Hause fahren. Auch hier begegnen ihm immer wieder Diskussionen um die „reine Lehre“. Besonders stark sind in jenem Teil persönliche Erlebnisse und Gedanken, unter anderem, wenn er darüber schreibt, wie er damit umgeht, wenn das PVC-Mitglied Knut Schaller und seine Eltern sterben.
In der zweiten Hälfte der 2000er Jahre gründen sich PVC , über den Umweg der Band Gerrit and the Rock’n’Roll Stalinists, neu. Etwa 2007 muss es gewesen sein, dass ich sie zwei oder dreimal gesehen habe. Richtig überzeugend fand ich die Konzerte nie, es war mehr Respekt aus dem Wissen heraus:  okay, das ist PVC, eine ganz frühe Band. Man hatte Respekt vor ihnen und war neugierig, sie mal sehen zu können. Aber dann ging man lieber nach 4-5-6 Lieder zur Bar oder nach draußen... So war es oft leer vor der Bühne. Schön, dass er wenige Jahre später letztendlich aus eigener Entscheidung die Reiß-Leine zieht und nicht weiter für die „Ewig-Gestrigen“ spielen will, die auch keine Weiterentwicklung zulassen.
Für mich, der ich ihn etwas kannte, ist das Buch lesenswert. Es ist unterhaltsam und in einer eigenen Art sehr gut lesbar geschrieben (im Übrigen auch sehr gut lektoriert, es heißt lediglich DEPP JONES statt Deep Jones…). Es war Anlass für mich, meine PVC-Platten nochmal neu zu entdecken. Und lustig natürlich, einige Leute erwähnt zu finden, die ich auch kenne. Das Buch ist kein essentieller Pflichtstoff, Freunde des frühen Punkrocks, von Musiker-Biographien sowie von Gerrit Meijer kommen aber auf ihre Kosten.

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Wednesday, March 22, 2017

Peter Hein

Vor einigen Tagen kam Peter Hein, Sänger der FEHLFARBEN, im Radio; es lohnt sich – wie neulich schon erwähnt - manchmal auch durchaus aus Punk-Hinsicht, Radio 1 vom rbb zu hören!
Anlass waren die Auftritte, die die Fehlfarben derzeit absolvieren; sie spielen dabei das komplette „Monarchie und Alltag“-Album von 1980, weswegen die Tour auch diesen Namen trägt. Ich habe schon darüber gehört, dass einige dieser Auftritte durchaus gut gewesen sein sollen.
Beeindruckend aber vor allem die sympathische, unprätentiöse und dabei dennoch unterhaltsame Art von Peter Hein im Interview. Gefragt, wie es zu diesen Auftritten kommt, äußerte er u.a. sein Unverständnis, dass sich Leute, wenn sie eine Platte hören wollen, diese nicht zu Hause auflegen, sondern unbedingt in ein Konzert gehen wollen. Aber er sei mittlerweile in einem Alter, in dem er dankbar dafür sei, wenn er so zu seinem Geld kommen könne, um leben zu können. Die Moderatorin fragte ihn noch nach seinem persönlichen Lieblingsstück von den Fehlfarben, und wollte ihm „Paul“ unterjubeln, das auch seine Band-Kollegen als Lieblingslied genannt hätten, und das schließlich auch gespielt wurde. Nein, „Paul“ sei ihm eigentlich immer zu lang gewesen, er hätte es mehr mit „Gott sei Dank“ gehabt. Und dass er nun 100 sei. 60 Jahre stünden im Pass und dazu sei er seit 40 Jahren als Janie Jones unterwegs.
Das alles wirkte nicht zynisch, und auch nicht genervt oder mit einem Image kokettierend, sondern, als ob er völlig im Reinen mit sich selbst sei und  herzerfrischend ehrlich.
Ich gehöre auch zu denen, die sich eine Platte lieber zuhause anhören. Statt 37,50 € dafür zu bezahlen, um sie am 23.06. in der Volksbühne vorgespielt zu bekommen.
Aber diesem guten Mann gönne ich jeden Cent!

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Sunday, January 22, 2017

"So isser, der Nolte!"

Bereits Mitte Dezember 2016 gab es 20 Jahre New Rose Radio zu feiern, seit dieser Zeit macht Nolti jeden Montag seine Punk-Radiosendung! Bis vor wenigen Jahren auch im Offenen Kanal Berlin; seit dieser jedoch anders heißt und professioneller sein will, nur noch online auf www.new-rose.de.
Nolti ist ein Character; er gestaltet seine Sendung - die er zwar mit zwei Partnern gegründet hatte, aber längst alleine moderiert - sehr persönlich und es gehören ohne Frage besondere Eigenschaften dazu, eine solche Sendung wirklich 20 Jahre wöchentlich durchzuziehen. Respekt für dieses Durchhaltevermögen!
Am Feier-äh-Party-Abend spielten zunächst GERMAN EX, eine überaus sympathische Deutschpunk-Klassiker-Coverband aus Potsdam, die die Songs nicht einfach runterbretterte (was auch okay gewesen wäre), sondern noch nett und sympathisch was zu den einzelnen Songs sagte. Es gab die ganze Palette von Slime über Canal Terror zu Schleimkeim. Gut!
Als nächste STRG Z, eine Band mit großem Potential aus Dresden, was Musik und auch Auftreten angeht. Der Sound war klasse, u.a. 80er-Jahre-typischer Punk und New Wave angehaucht, wie es ja auch Bands wie Gruppe 80, Front, usw. machen, aber es hatte schon was Spezielles. Dazu passte auch das leicht schnodderige Äußere der Mitglieder... aus den dreckigen Kellern der Pegida-Stadt, stellte ich mir vor, und das gefiel mir. Das einzige, was mir nicht gefiel, waren die Pausen zwischen den Songs, die dem Set viel Energie nahmen. Die Band kann richtig was... noch mehr, als sie an dem Abend gezeigt hat! Sehr guter, treffender und zeitgemäßer Name für eine Band, die rückwärtsgewandte Musik spielt.
Über die RAZORS als Top-Act des Abends gibt's nicht viele Worte zu verlieren. Viele der alten Songs sind klasse, von ihren neuen brauche ich - ich bin mal so ehrlich - so ziemlich kein einziges.
Es war ein rauschender Abend: Nolti hatte zwischendrin noch zusammen mit BADLY DAMAGED "New Rose" gesungen, dazu gab es auch eine Verlosung - mittels ausgegebener Wartenummern seines Arbeitgebers...
Und Nolti wäre nicht Nolti, wenn er bei aller Freude über all die Leute, die gekommen waren (und das Wild at heart war proppevoll gewesen!), nicht auch seine Enttäuschung über die Leute geäußert hätte, die nicht gekommen sind... Nachzuhören in der Nachlese-Sendung Nr. 690 im Sendungsarchiv. Sendung Nr. 692 bietet übrigens einen schönen (persönlichen) Punkrock-Jahresrückblick auf 2016.

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Thursday, November 24, 2016

Armee der Verlierer

Nun gehöre ich endgültig zu den Leuten, die morgens losgehen, wenn es gerade mal hell geworden ist, und abends nach Hause kommen, wenn es bereits schon wieder dunkel ist. Und die auch noch froh darüber sind.
Nicht etwa darüber, dass ich – momentan, zu dieser Jahreszeit - kaum Tageslicht bekomme. Aber darüber, nochmal das Glück gehabt zu haben, einen Job zu finden, mit dem ich mich gut finanzieren kann. Ich bin in der Tat bereit, dafür einiges in Kauf zu nehmen. Das war ich auch schon für den Übergangs-Malocher-Job von März bis September, der noch schlechter bezahlt war. Nur endlich selbst Geld verdienen. Und nicht mehr das tun, was Helmut Kohl einem einst vorgeworfen hat: „alles bestreiten, nur nicht den eigenen Lebensunterhalt“.
Wie es irgendwie fast alle tun, die immer beim Punk-Konzert neben einem gestanden hatten, und auch vorgegeben hatten, auf D.I.Y., Nicht-Kommerz und BlaBlaBla zu schwören. Warum nur stand ich damit auf einmal alleine da? Jemand wie Moses Arndt ist heute Arzt. Und auch viele andere haben  – heimlich? - an ihren Karrieren gestrickt. Und einem irgendwann das Gefühl gegeben, definitiv etwas falsch gemacht zu haben.
Lebenslüge Punk. Man muss sich eben doch anstrengen, man muss gut sein, um zu überleben. Oder jedenfalls, um halbwegs gut leben zu können. So ist das Spiel. Die anderen, die die Spiele, die man lernen muss, gelernt haben, haben es schlicht früher als ich kapiert.
Aber auch wenn Punk einem an dieser Stelle irgendwann nicht mehr weiter bringt, ist ohne Punk dennoch alles nichts. Wie ohne Fußball. Und Geschichte. Und noch 1-2 Dinge. Die Lebenselixiere geben einem die Kraft zu leben. Und lassen es hinnehmen, Teil der Armee der Verlierer zu sein.

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