Sunday, August 07, 2016

Das ungewöhnliche Ende einer ungewöhnlichen Arbeitswoche

Gestern ein ungewöhnlicher Samstag auf Arbeit. Mit einer zweistelligen Anzahl an "Personal" waren verhältnismäßig viele Leute anwesend. Zunächst war ich für's "Suchen" eingeteilt gewesen, musste dann aber doch von Beginn an packen. Kein Problem, easy, mit nettem Kollegen, eingespieltes Team, und ich ja mit immer mehr Gleichmut gegenüber dem "Packen". Alles gut. Samstags ist häufiger Packen angesagt, aber es ist immer klar, dass Samstag ist, so artet das meistens nicht in Stress aus. Bis es dann hieß: Cocktail-Pakete packen. Das ist ein recht neuer Service, den unsere Firma anbietet. Das "just-in-time"-Zusammenstellen von Wein- und Cocktail-Paketen auf Bestellungen hin und deren Versand.
Eigentlich habe ich am Packen der Cocktail- und Wein-Pakete durchaus meine Freude. Man ist dann in einem abgelegenen Bereich des Lagers, fernab jeder Kontrolle. Was auch bedeutet, dass man die Schnelligkeit der Ausführung des Auftrages zu einem gewissen Grad selbst steuern kann. Dazu ist es mal etwas ganz anderes als das oft doch stumpfe Kommissionieren und Packen. Vielleicht ist es auch attraktiv, dass etwas Neues "entsteht", wenn man die ganzen Kartons und Innereien erstmal falten muss. Auch wenn diese Tätigkeit durchaus körperlich anstrengend ist, mache ich sie also eigentlich durchaus gern.
Nicht jedoch an einem Samstag einer langen und durchaus anstrengenden Woche. Entsprechend stinkig war ich, als dann dieser "Auftrag" kam. Verknatzt machten wir uns ans Werk, ich ließ mir vom teils divenhaften Kollegen nichts sagen und er merkte das offenbar auch schnell, denn ein zweites Mal versuchte er nicht, den Arbeitsablauf umzustellen. Wir sind aber eine Truppe, die gut zusammen arbeitet, und wir kamen schließlich sehr gut voran. Als mir das bewusst wurde, beruhigte ich mich wohl wieder, und ich habe es schließlich sportlich genommen und mich voll reingehauen. Wie wir alle schließlich voll reingebuttert und Gas gegeben haben. Am Ende hatten wir 70 Cocktailpakete zu je fünf Flaschen und 32 Weinpakete zu je acht Flaschen gepackt, hin und her gewuchtet und schließlich auch noch gebändert. Für den Abend und den Folgetag erwartete ich ordentlichen Muskelkater. Erst gegen halb zwei, als alle anderen schon längst ihre diversen Tätigkeiten abgeschlossen und bereits aufgeräumt hatten, waren wir mit unserem Auftrag fertig.
Dann hieß es jedoch: die Schichtleitung ist sauer und macht gleich Ansage. Und tatsächlich ließ sie alle Anwesenden versammeln und kritisierte pauschal alle, dass wir unsere Anwesenheit und die Pausen nicht ordentlich dokumentiert hätten. Sie sei es leid, hintergangen zu werden.
Zum zweiten Male in dieser Woche ist mir der Kamm geschwollen, und ich staune nachträglich über mich selbst, dass ich ihr sofort und vor allen versammelten 13 Leuten widersprochen habe. Aber es wäre einfach ungerecht gewesen, an so einem überraschend anstrengenden Tag, an dem zumindest unsere Pack-Truppe alles gegeben hat, auch noch mit einem ungerechtfertigten Vorwurf nach Hause zu gehen. Samstags hatten wir immer die Abmachung gehabt, dass die Pause nicht gescannt sondern pauschal abgezogen wird. Außerdem war mir wichtig zu betonen, dass wir sie nicht verarschen und ihre Gutmütigkeit nicht ausnutzen wollen. Das ist angekommen, und das ist gut. Gemeint seien letztendlich ohnehin andere Leute gewesen, sagte sie mir später.
Es war eine ungewöhnlich gute Arbeitswoche gewesen. Seit ich meinen Schlafrhythmus umgestellt habe, komme ich mit den Frühdiensten ab 6 Uhr noch besser zurecht als zuvor. Dazu spüre ich nach mittlerweile viereinhalb Monaten Betriebszugehörigkeit, dass mir die entscheidenden Leute Anerkennung und Vertrauen entgegen bringen. Selbst mit der Produktionsleiterin, zu der ich sehr lange ein eher belastetes Verhältnis hatte, scherze ich mittlerweile ab und an. Das bedeutet eine Leichtigkeit, die dazu führt, dass ich durchaus gern zur Arbeit gehe. Möglicherweise ist es eine Abschieds-Leichtigkeit: also ein Gefühl, das dadurch in mir hervor gerufen wird, weil ich den Betrieb eventuell in absehbarer Zeit verlassen werde. Dieser Drops ist noch nicht vollständig gelutscht, aber womöglich ist dieses neue Gefühl das Anzeichen dafür, dass ich selbst immer mehr daran glaube. Zuletzt fühlte ich diese Leichtigkeit und Freiheit, als klar war, dass ich nach Berlin gehe und meine damalige WG, in der ich mich lange schwer getan hatte, verlassen würde. Die letzten Wochen waren die schönsten gewesen.

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