Friday, January 23, 2015

Punkrock von 1989/1990

Sooo ne schöne Platte, und viel zu billig! Eben in der Grabbel-Kiste von Ghosttown Records gesehen, und sowas lass ich nicht stehen. Das war meine Zeit, in der ich auf Punkrock aufmerksam wurde, alleine deshalb würde ich so ne Platte günstig mitnehmen. Aber nun läuft sie gerade durch, und sie ist auch WIRKLICH gut!
Wenn ich diesen Sound höre, sehe ich richtig ein Jugendzentrum vor mir, mit einer geilen Band auf der Bühne, und nur 10-15 Hansels davor.
Diese Bands hatten es damals nicht leicht, und ihre Platten haben es heute immer noch nicht leicht, sprich, sie sind billig, weil sie nicht gesucht werden.
Wer es damals allerdings schaffte, ne Platte machen zu können, hatte oftmals Substanz. Was es durchaus lohnenswert macht, diesen Platten von plusminus 1989 Aufmerksamkeit zu schenken...
Genau das gleiche betrifft auch die zweite Platte, die ich heute gefunden habe:
Von den LOONIES, erschienen 1990 bei Day-Glo-Records. Schöner vielseitiger Punk diverser Spielarten mit Frauengesang.

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Sunday, January 18, 2015

Der Veränderungsdruck nagt an der ehemaligen Stasi-Zentrale

Anlässlich der 25. Wiederkehr der Erstürmung der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg hatte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen am 17.01.2015 zu einem "Bürgertag" geladen, und das mit einem wahnsinnig umfangreichen Programm. Viele interessante Veranstaltungen, leider alle auf einen Tag gepackt, so dass man manches nicht verfolgen konnte, weil es sich schlichtweg mit anderem überschnitt. Schade, dass die Veranstaltungen nicht auf zwei Tage verteilt wurden!
So war jedoch eine Vorauswahl angesagt, und ich entschied mich dazu, mich auf das Themengebiet "Zukunft des Areals" zu konzentrieren. Das Gelände zwischen Ruschestraße, Normannenstraße, Magdalenenstraße und Frankfurter Allee hat immer noch einen einzigartigen Charakter. Und zwar den einer Burg. Bis heute macht dieser Ort einen bedrückenden, verstörenden, gruseligen Eindruck auf mich - er erscheint mir deshalb aber  ein authentischer und unbedingt erhaltenswerter Ort zu sein. In seiner speziellen Form ein "Kulturerbe". Das offenbar aber längst gefährdet ist und möglicherweise kurz vor seiner Zerstörung steht.
"Der Veränderungsdruck nagt auch an der ehemaligen Stasi-Zentrale", begann der Historiker Dr. Christian Halbrock seine Einführung zur Geschichte des Geländes. Erwartet werde nun, dass der Kiez zu einem der kommenden Studenten- und Kneipenkieze gemacht werden solle, nachdem die Bezirke innerhalb des S-Bahn-Rings für Studenten und "Kreative" weitgehend nicht mehr bezahlbar seien. Es hätte bereits seit 1990 einige wenige Abrisse (zuletzt den Verbindungsgang von Haus 18 zu Haus 2) und Zubauten (die Kantine der Deutschen Bahn) gegeben, und das Gelände nördlich der Normannenstraße sei ohnehin schon weitgehend überprägt. Nun sei aber auch der ehemalige Kern-Bereich gefährdet, abgesehen von den Denkmal-geschützten Häusern 1 und 2.
In der darauf gefolgten Diskussionsrunde wurden verschiedene Positionen vertreten. Constanze Cremer von der Stadtentwicklungs-Beratung "Stattbau" wies daraufhin, dass das Gelände überhaupt nur deswegen so lange bestehen konnte, weil sich Lichtenberg bis vor wenigen Jahren "in einem Dornröschenschlaf" befunden habe. Jetzt komme aber Bewegung in den Bezirk und unter anderem auch in jenen Kiez. Bereits die Hälfte der Gebäude sei schon in privater Hand.
Professorin  Sybille Frank von der TU Berlin (Planen / Bauen / Umwelt) empfahl eine Konzentration auf die Kerngebäude, das seien für sie die Häuser 1, 2, 7, 8 und 22. Die Restgebäude sieht sie offenbar als verhandelbar an. Sie mahnte auf jeden Fall an, die Anwohner bei den Entscheidungen miteinzubeziehen und führte dazu die negativen Entwicklungen in Friedrichshain und Kreuzberg an.
Der Bundesbeauftragte Roland Jahn pries das Areal als Ort der Repression und Revolution in einem, ein Ort, der "Teil des Ringens um demokratische Verhältnisse" gewesen sei. Es wurde schnell deutlich, dass er das Gelände gern erhalten würde, in welcher Form und mit welcher Nutzung auch immer. Wobei deutlich wurde, dass der Slogan vom "Campus für Demokratie" offenbar vor allem sein Credo ist. Berlin habe durch voreilige Abrisse und Zugeständnisse an Investoren schon zu viel an historischer Substanz verloren, zuletzt an der East-Side-Gallery. Das solle sich hier nicht wiederholen. Gleichzeitig zeigte er sich aber offen für Teil-Nutzungen von Gebäuden durch die "Party-Szene". Es sei kein Problem, einen Club unterzubringen, oder, auf dem Dach von Haus 18 (Ecke Rusche-/Normannenstraße) eine Strandbar einzurichten, wie es von Architektur-Studenten angeregt wurde.
Auf die von Frau Frank mit Rücksicht auf die Anwohner eingebrachte Warnung davor argumentierte Jahn salopp, wem es in der Stadt zu laut sei, könne jederzeit aufs Land ziehen.
Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung widersprach Roland Jahn heftig in seiner Einschätzung, dieses Areal sei ein wichtiger zentraler Ort für die Auseinandersetzung mit der DDR. Sie sprach sich vielmehr für mehrere dezentrale Orte aus, die sich auch nicht einseitig auf die Stasi konzentrieren sollten. Sie nannte die DDR dabei - für mich interessanterweise - ein "Unterdrückungs-, Überwachungs- und Beteiligungs-System".
Tom Sello von der Robert-Havemann-Gesellschaft sprach sich hingegen aus mehrerlei Gründen ebenfalls für den "zentralen Ort" aus. Unter anderem aus der Erfahrung heraus, dass solch ein Ort bei der Geldgebersuche durchaus wichtig sei. Ein Ausstellungsprojekt und womöglich auch die gesamte Robert-Havemann-Gesellschaft werde in absehbarer Zeit Räume der ehemaligen Stasi-Zentrale beziehen.
In einem "Themenraum: Die Stasi-Zentrale im heutigen Berlin-Lichtenberg" wurde deutlich, dass es bereits seit einigen Jahren verschiedene Planungen für das Gelände gibt. Stattbau und ein Studierenden-Team der UDK sind bereits seit 2010/2011 daran, Szenarien zu entwerfen, die teils einen weitgehenden Erhalt, teils aber auch einen weitreichenden Abriss von Gebäuden vorsehen. In einer Grafik von Stattbau wurde übrigens deutlich, dass sich nicht nur rund die Hälfte, sondern rund zwei Drittel der Gebäude in privater Hand befinden. Den interessanten Flyer der Studierenden-Gruppe, incl. bemerkens- und bedenkenswerter Formulierungen, gibt es hier anzugucken und nachzulesen: lived space stasi stadt, das Foto übrigens fotografiert vom Hof des Wohnprojekres "WilMa 19", das im ehemaligen "Haus 4" (ehemaliges Haus der ZAIG = Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe) eingezogen ist.
Es sieht nicht gut aus für den Erhalt wenigstens des Ensembles zwischen Ruschestraße, Normannenstraße, Magdalenenstraße und Frankfurter Allee. Wer sich das Gelände in seiner bisherigen Form nochmal ansehen will, sollte nicht lange zögern.
(das Foto zeigt den Rest eines Gebäudes auf der westlichen Seite der Ruschestraße, gegenüber der Zufahrt zur ehem. Stasi-Zentrale. Weitere Infos zu den Gebäuden u.a. in: Christian Halbrock: Stasi-Stadt. Die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Berlin 2011. und: Christian Halbrock: Mielkes Revier. Berlin 2009.)

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Tuesday, January 13, 2015

Döner-Debatte und Roland Kaiser

So ernst es auch ist, das Thema "Pegida", es gibt doch herrlich absurde Geschichten darum herum.
So dokumentierte Spiegel online zwei Fotos, die für sich sprechen: Dönerverbot vs. Döner für alle
Mindestens genauso schön sind die Geschichten um Roland Kaiser. Ein totaler Schlager-Widerling, für mich schon immer gewesen, aber dass er sich letzten Samstag auf die Anti-Pegida-Demo in Dresden stellte und sprach, nötigte mir doch einigen Respekt ab, und zwar ehrlichen Respekt. Heute zitiert die Berliner Zeitung Kathrin Oertel, eine Mitarbeiterin im Orga-Team von Pegida, sie sei bis Sonnabend ein "glühender Fan" von Roland Kaiser gewesen, aber was er dort getan habe, ginge zu weit. "Wer Eintritt für seine Konzerte zahle, der könne wohl Neutralität erwarten."
Schön wäre es, wenn sich die ganze Diskussion auf dieses Niveau bewegen könnte...

Sunday, January 11, 2015

Vorbei ist deine Not

Udo Jürgens ist gestorben - und es irritierte mich doch sehr, was darum für ein Brimborium gemacht wurde. Als ob all die Leute (auch im eigenen Freundeskreis!), die sich so ergriffen zeigten, mit ihm verwandt gewesen wären oder wenigstens eine direkte Verbindung zu ihm gehabt hätten.
Mir ist die Trauer um Prominente fremd. Joe Strummer? Kein Stück. Rio Reiser? Schon eher. Nach einigem Nachdenken ist mir aber doch einer eingefallen: wenn Gerhard Polt sterben sollte, der mich seit Jahren intensiv begleitet, das könnte mir ein Stück nahe gehen. (Bis heute verfluche ich meinen früheren Nachbarn "Reiner Designer", dass er mich dazu brachte, nach einem Polt-Auftritt im "BE", als ER auf einmal neben uns stand und mit ein paar jungen Freunden in die Kneipe gegenüber ging ("A Hoibe Bier geht imma!"), nicht dorthin mitzugehen. Aber das nur am Rande.)
Am 10.12.2014 verstarb Ralph Giordano. Wenige Tage später fand die erste PEGIDA-Demo statt, die eine größere Aufmerksamkeit fand. Ich dachte damals, was würde der große Mahner, der Ende der 90er mal ein-zwei Meter entfernt am Tübinger Bahnhof neben mir stand, dazu sagen, wenn sich in einer deutschen Stadt wieder tausende Menschen unter deutschtümelnden Parolen versammeln. Überhaupt, wie soll es werden, wenn die letzten mahnenden Überlebenden der Nazi-Zeit nicht mehr sind. Aktuell lese ich seine Memoiren "Erinnerungen eines Davongekommenen". Dazu las ich aber gestern auch verschiedene Nachrufe auf ihn. U.a. einen kritischen, aber abwägenden in der taz, einen einseitigen, äußerst kritischen im Neuen Deutschland (am zweiten Tag nach dem Tod; am ersten gab es einen knappen würdigenden). Und dann einen lobenden auf einer Seite, auf der es rechts und links nur so blinkte vor Aufrufen zu -IDA-Demonstrationen in verschiedenen Städten. Das Thema Islam/Islamismus brachte ihm also auch Beifall von der falschen Seite. Ich habe mir dazu noch keine abschließende Position gebildet, zumal mir seine Position zu Islam/Islamismus zuvor völlig unbekannt gewesen war - aber es wäre demnach besonders interessant gewesen, was er zum Phänomen PEGIDA gesagt hätte... Zu "Pro NRW" soll er sich aber sehr kritisch geäußert haben.

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Saturday, January 03, 2015

On wheels

Wenige Tage zuvor, an selber Stelle: am Straßenrand sah ich einen Mitarbeiter der Müllabfuhr in einer Haltung stehen, als ob er pinkeln würde. Ich dachte mir, ich täusche mich, das kann ja wohl nicht sein. Aber als ich ihn weiter beobachtete, sah ich, wie er tatsächlich gegen das Rad des Müllautos pinkelte, während sein Kollege gerade Mülltonnen aus einem Haus holte...

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Therapie oder Knietief im rassistischen Sumpf

Gestern habe ich mich mit einem Trödel-Verkäufer aus unserer Straße unterhalten. Wegen eines Plattens im Hinterrad war ich in der Nähe seines Ladens gestrandet und musste die restlichen Meter nach Hause schiebend zurücklegen. Ein paar alte Straßenschilder lagen zum Verkauf aus und ich fragte, ob er noch mehr hätte. Aus Berlin nur dieses eine, aber diverse andere aus Dresden, Frankfurt,...
"Und Stuttgart?". Er meinte, er habe keine von dort. (Dort traut sich wohl auch keiner, welche abzuschrauben, dachte ich mir so) Er witzelte in bisschen herum, ob ich denn von dort sei. Und ob ich schon "in Therapie" sei. Er sei ursprünglich aus Griechenland, und die Leute aus Athen würden über die Leute aus Thessaloniki spotten. Jene wiederum hätten sich darauf verlegt zu sagen, ja, sie seien aus Thessaloniki, seien aber bereits in Therapie. Ich meinte, es sei so gemeint, dass ich auf die Schwaben-Feindlichkeit der Berliner auch mit feiner Selbstironie reagieren solle.
Aber das war noch nicht alles. Wir kamen darauf, dass auch er in der Gegend um Stuttgart gewohnt habe. In den 60er Jahren sei er mit seiner Familie in Winnenden gelandet. Und er habe dort als einziges ausländisches Kind in der Klasse äußerst bittere Erfahrungen gemacht. U.a. hätte ihn einmal eine Lehrerin vor die Tür geschickt mit dem Hinweis, sie wolle nun den deutschen Schülern etwas mitteilen. Er sei daraufhin stolz lächelnd aus der Klasse gegangen. Hätte dann erst draußen geweint. Er muss einige Jahre dort gelebt und sehr gelitten haben. 1977 sei er dann nach Berlin gezogen. Hätte seine Zeit in Süddeutschland komplett verleugnet und den Leuten erzählt, er sei direkt aus Griechenland nach Berlin gekommen, hätte am Goethe-Institut Deutsch gelernt. Erst die letzten Jahre wolle er darüber sprechen.
Ich bin überzeugt davon, dass die Zeiten sich geändert haben und dass jene Generation, die ich auch noch kennengelernt habe und die den Rassismus und Chauvinismus verinnerlicht hatte und ihn auch begierig weitertrug, längst am Aussterben ist. Das sagte ich ihm, und er bekreuzigte sich nach dem Motto, er hoffe das auch und wäre dankbar, wenn es denn so sei. 
Vielleicht ist es u.a. die Bekanntschaft mit diesen Leuten, mit dieser noch nazifizierten Generation, die uns immer noch in Mark und Bein steckt und uns bis heute davon abhält, Party-Patriotismus u.ä. gut zu finden.   

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Er hat es wieder getan

Heute war Inventur im Edeka angesagt - ich hatte mich durch zwei nette Nachfragen dazu verleiten lassen, mitzumachen. Ist ja nur eine einmalige Geschichte, ein bisschen Geld, und vielleicht Zusammenarbeit mit ein paar netten Ex-KollegInnen - das waren meine Beweggründe.
Sag niemals nie, aber ich denke mal, das war nun wirklich eine einmalige und letztmalige Geschichte. Das ungewohnt frühe Aufstehen klappte sogar sehr gut und gab mal ein anderes Tages-Gefühl. Lauter fremden Menschen begegnete ich dort um 7 Uhr und es sollte sich schnell rausstellen, dass ich fast überhaupt nichts mit den früheren KollegInnen zu tun haben sollte. Eine, mit der ich mich immer ganz gut verstanden hatte, unterhielt sich bei unserer Ankunft mit einer Inventurkraft (die sich als Bruder einer anderen Ex-Kollegin herausstellte) über dessen Anhänger. "Ey, das ist ja meiner". Erst später realisierte ich, dass es sich dabei um einen Thorshammer handelte. Na prost Mahlzeit. Die Arbeit war kein anstrengendes Ding, eben diverse Artikel zählen: in meinem Fall u.a. Studentenfutter, Bio-Weinflaschen, Zahnbürsten, Cremes, Waschmittel, Strumpfhosen und diverse Getränkesorten. Teils gar nicht so ohne, zu einer so ungewohnten Uhrzeit konzentriert zu sein und möglichst keine Fehler zu machen. Und - für die Artikel in den untersten Fächern - auf dem Boden rumzurutschen. Vor allem die kleinteiligen Creme-Geschichten nervten ohne Ende. Ein bisschen schräg fand ich zunächst, dass der Laden trotz Inventur regulär geöffnet haben sollte. Letztendlich hat es aber wirklich nicht allzu sehr gestört, und allzu viele Leute kamen um die Zeit auch noch nicht.
Der Inhaber war auch da, und er persönlich zahlte nach 4,5 Stunden den "Lohn" aus. Ich weiß nun nicht, ob das überhaupt noch legal ist, aber tatsächlich hat er wieder nur das pro Stunde ausgezahlt, was er auch schon im letzten Sommer bezahlte. Infolge meiner extremen Unverträglichkeit mit der ekligen Marktleiterin hatte ich zuvor leider nicht gefragt, was es denn auf die Stunde gäbe. Dass es wieder so wenig sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet.
Er erinnerte sich an meinen Namen und wollte wissen, warum ich denn letztes Jahr aufgehört hatte. Ich wollte aber nur schnell weg da und habe nur gesagt, "Das war dann auch genug". Mit ein bisschen mehr Geistesgegenwart wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, seine tollen Löhne zu thematisieren, diese habe ich aber leider verpasst. Sag niemals nie - aber ziemlich, ziemlich sicher war das heute mein endgültig letzter Auftritt dort. Es gibt dort auch endgültig nichts mehr zu entdecken für mich. Und nachdem Silvester und diese Inventur bewältigt sind, kann das neue Jahr nun beginnen. Auf ein gutes Neues!

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