Saturday, February 10, 2024

"Die taz von Berlin"

In den 90ern hatte ich einen Bekannten aus der Nähe von Pforzheim, der in den 80ern einige Jahre die Hausbesetzerzeit mitgemacht hatte. Das hatte mich sehr beeindruckt, und er war auch insgesamt ein fitter und glaubwürdiger Typ, den ich mochte. Manchmal sprach er von der "taz von Berlin", die er abonniert hatte. (Das "von" ist hier mit "aus" zu übersetzen.) Auch ich hab diese in jener Zeit sehr gern und auch mit Überzeugung gelesen. Das war eine gewisse politische Perspektive, die mir zusagte, gepaart mit ner guten Prise Ironie und Selbstironie. Irgendwann um die Mitte der Nullerjahre kippte das für mich aber und es erschien mir, als ob es weniger um die Inhalte als um die Egos der Autorinnen und Autoren ging. Da war ich dann weg.

Im Blick behielt ich die Zeitung dennoch. Und insbesondere online bin ich immer wieder auf wirklich gute Artikel gestoßen. Irgendwann letztes Jahr bekam ich mit, dass es nun eine besondere Wochenendausgabe gibt. Besonders ausführlich, besonders umfangreich. Und ich habe diese als wirklich gute Zeitung kennengelernt, die wirklich gut gemacht ist und mich durch die Woche begleitet. 

Inzwischen wohne ich allerdings in einem Berliner Bezirk, in dem es die taz nicht selbstverständlich überall gibt. Zeitungen zu bekommen ist ja ohnehin eine Spur schwerer geworden als noch vor einigen Jahren. Und es hat sich so entwickelt, dass sich eine nette Zeitungsladen-Besitzerin gefunden hat, die extra wegen mir jeden Samstag zwei Exemplare bestellt!

Das ist wirklich sehr nett von ihr, manchmal (aber selten) wird wohl auch das zweite Exemplar gekauft und ich achte natürlich darauf, dass ich wirklich jeden Samstag zu ihr gehe.

Es fühlt sich dennoch weiterhin skurril für mich an, "die taz von Berlin" in Berlin nur über einen freundlichen Sonder-Deal erhalten zu können. 

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