Monday, January 16, 2023

Steve Iron Cast Smith gestorben

Shit, man sollte das wohl nicht machen... einfach mal so nach alten Bands gucken... Nun stieß ich gerade drauf, dass Steve Smith, Sänger von Red Alert - und jüngerer Bruder von Patrick Smith, dem Sänger von Red London, wie ich gerade sah - am 30.11.2022 kurz vor seinem 60. Geburtstag gestorben ist. Das letzte Red Alert-Konzert war in Berlin im Wild At Heart Mitte Oktober. Hatte ich noch kurz überlegt, wegen Red Alert, die ich insbesondere in den 90ern sehr gern gemocht hatte, hinzugehen. Aber es war ein Festival mit vier Bands und die anderen hatten mich nicht interessiert. Nun habe ich das letzte Red Alert-Konzert verpasst. 

Red Alert haben einige sehr geile Lieder hinterlassen, u.a. auf der LP "We've got the power", auf der Single-collection oder auch auf "Beyond the cut". Auf der auch Charlie Harper ein Gastspiel hat. UK Subs gucke ich mir kommenden Donnerstag nochmal an, und wieder ist einer früher gestorben... Red Alert war zumindest in den frühen 90ern eine sehr gute Live-Band, gerade auch wegen des Sängers, der eine starke Präsenz hatte. U.a. gesehen in Filderstadt und Gerlingen seinerzeit. Legendär für mich auch die Tour-Berichte aus den Fanzines um 1990 herum, dass bei einer gemeinsamen Tour mit Blitz deren Sänger ausgefallen sei und Steve Smith einfach Sets beider Bands gesungen hat.
Ein paar Jahre später nochmal im "Che" in Stuttgart gesehen, was aber nicht mehr ganz so dolle war.
So bleibt die Erinnerung an tolle Platten und zumindest zwei geile Konzerte um 1993.
Shit. Dachte ich mir schon, als Ströbele neulich starb. Immer mehr verlassen uns... lassen uns hier alleine... 

Fans haben in Erinnerung an Steve Smith einen Red Alert-Jahreskalender für 2023 produzieren lassen: redalertsunderland. Einen schönen und informativen Nachruf auf Deutsch gibt es - mit einem Foto vom letzten Konzert - unter: steeltownrecords.de/blood-sweatnbeers-good-bye-tiger/.

Auch wenn ich dich nicht persönlich kannte: Rest in peace!!

Die Cover der Platten erinnern auch an einen für mich immer charismatisch gewesenen Schriftzug...

Labels: ,

Monday, January 02, 2023

She-Male Trouble

Wo anders als im New Rose Radio hätte ich was von She-Male-Trouble hören sollen. Den Namen kenne ich schon lange, aber nachdem mir "Killing keepin' her alive" dauerhaft besonders gut gefallen hatte, wollte ich mir sie endlich mal im Wild at heart ansehen.

Vorgruppe waren "Random", ebenfalls aus Berlin, die mehrmals betonten, dass es sie nun 25 Jahre lang gäbe. Schon interessant und auch lustig. Nie war mir in all der Zeit der Name bewusst aufgefallen. Und besonders dolle ist die Band - ich bin mal ganz ehrlich -  auch nicht. Sie spielen typischen 90er-Jahre-California-Punk. Melodisch, harmlos. Und es wirkte eben als nichts besonders Eigenes. Außer das 4. oder 5. Lied, das echt was Besonderes hatte. Ich muss die Band kein 2. Mal sehen und bin auch vorzeitig raus. Aber eine Spur sympathisch fand ich es auf eine Art auch wiederum - einfach das zu spielen, worauf man Lust hat und was einem gefällt. Egal, ob es Leute (wie ich) gut finden oder nicht.

Mit Beginn von She-Male Trouble sofort die Wende. Was für ein Brett und was für ein Druck von Beginn an. Yeah, der Schwung und die Energie übertrug sich umgehend auf mich selbst. Die Stimme wirkt zunächst ein Stück schrill, kurz davor, dass es weh tut. Aber es ist geil, und auch die Mimik der Sängerin zeigte an, die Band kann was, die Band hat's drauf. Superguter Auftritt - die Band werde ich mir gern wieder ansehen...

In den Weiten des Internets gab es dann in mehreren Ox-Interviews einige Infos über She-Male Trouble. Ursprünglich um 1992 als Fe-Male-Trouble gegründet, wurde nach diversen Besetzungswechseln der Name geändert. Der Gitarrist stammt ursprünglich aus Friedrichshafen am Bodensee, spielte dort auch einst bei den Resistors, ehe er Anfang der 90er nach Berlin kam, anfing zu booken und ein Label zu machen, worauf schließlich die erste LP der Beatsteaks erschien... und bis heute ist er im Umfeld und für die Beatsteaks tätig und hat mit der Sängerin eine Catering-Firma, die einige größere Bands auf Touren begleitet. 

Zufällig weiß ich, dass ein frühes Demo der Beatsteaks auch bei Incognito Records gelandet ist, dort durchaus anerkannt wurde, aber es passte eben nicht so recht. Ist das eine Geschichte wie Iron Maiden und das Small Wonders-Label? Das führt jetzt ein bisschen zu weit. Und auf der Suche nach weiteren Knaller-Songs von She-Male Trouble bin ich jedenfalls eher nicht fündig geworden, "Killing keepin her alive" bleibt der Hit. Aber live - angucken!   

Labels:

Tuesday, November 01, 2022

Östro 430 + Bärchen und die Milchbubis + Suzy & the Slits

Sonntagabend,  aber es war tatsächlich recht voll im Cassiopeia. Angenehm gefüllt. Es war schon interessant, da mit Suzy and the slits ne Band mit ganz jungen Leuten gespielt hat. Die wiederum offenbar auch viele Leute mitgebracht haben. Es war echt sowas wie ein Mehr-Generationen-Konzert. Die Band hat eigentlich recht guten Früh-80er-Punk gemacht, mit wilder Sängerin auch, also schon ganz gut. Eigentlich. Inzwischen denke ich mir nur, dass es so ne Musik schon vor mittlerweile 40 Jahren gegeben hat. Und irgendwie kickt mich sowas dann heute nicht mehr und ich kann es für mich persönlich nicht für ganz voll nehmen. Dass andere voll mitgegangen sind und ihren Spaß hatten, freut mich dabei aber!

Die beiden folgenden Bands waren dann quasi das "Original", allerdings natürlich um mittlerweile eben jene 40 Jahre gealtert. Eine Gelegenheit, über Zeit nachzudenken, und Entwicklungen mit der Zeit. Auch wenn sie - das will ich gleich voraus schicken - in dem Sinne nicht "alt" oder "oll" oder irgendwas, sondern eher interessant wirkten. Nach all der Zeit noch ihre Lieder zu spielen, und das auf eine sehr glaubwürdige Weise! Bärchen und die Milchbubis waren sehr nett, sehr freundlich, sehr zugewandt. Ich musste irgendwie dran denken, das könnten die Lehrerinnen und Lehrer für viele der jungen Leute aus dem Publikum sein. Ich bin mit dem Bassisten hinterher zufällig sehr nett ins Gespräch gekommen. Wo er u.a. meinte, dass der Sampler "Jung kaputt spart Altersheime" nicht offiziell sei, sie zumindest nicht gefragt worden seien, was mich doch sehr überrascht hat! Musikalisch war es teils etwas harmlos, ich musste an die Mimmis denken, aber diesen Sound gab es in den 80ern eben auch, und die beiden Hits "Jung kaputt spart Altersheime" und "Pogo poppt auf" gehen ja in eine etwas andere Richtung. 

Östro 430 war dann quasi der Gegenpart, offensiv, kräftig, eine wahnsinnige Power insbesondere bei der Sängerin, obwohl inzwischen um die 60. Hat mich echt beeindruckt und ich hab mir dann tatsächlich die Platte gekauft. Eine Doppel-LP, mit 25 € natürlich recht teuer. Und da sie schön aufgemacht ist, aber kein Klappcover hat, hätte es die CD im Digi-Pack für 15 € wohl auch getan. Aber super Musik, mit Orgel und Saxophon, ziemlich geil, und teils heiße, offensive Texte. Die Band war bisher immer etwas an mir vorbei gegangen, eigentlich schade, dafür habe ich aber nun also wieder mal was interessantes "Neues" entdeckt. Es gibt mit der Sängerin ein ganz interessantes Interview in der taz unter dem Titel "Soziale Verantwortung ist Punk". Sie hat wirklich Format und Präsenz und Ausstrahlung, kann auch so richtig gut und kräftig singen. Interessant, ihre kräftige, unbequeme und undogmatische Sicht auf die Dinge mitzukriegen. Die womöglich nicht immer auf der Höhe der Zeit, auf der Höhe der aktuellen Diskussionen ist, dachte ich mir so. Zum  Thema "Gendern" sagte sie auch, dass das womöglich ein Generationen-Gap sei. Aber ich hab so gemerkt... das ist ne Herangehensweise, die mir vertraut ist und die ich cool finde... Punk 80er und weniger Punk 2020er.

Labels: , ,

Tuesday, December 21, 2021

Corona, Konzerte und der Schrecken

Es gab Ende Oktober - Anfang November zwei bis drei Wochen, in denen es mir schien, Corona habe seinen Schrecken verloren. Als Geimpfter oder Genesener schien wieder alles möglich zu sein, und ich habe es nach Kräften genossen. Zwei Konzerte, einmal eine 80er-Jahre-Party im SO 36 (ein Punker-Freund sagte: "Es ist für uns alle unangenehm..." [hier gesehen zu werden]), Stadion-Besuch, oftmals Freundinnen und Freunde in Kneipen getroffen...

Was für eine schöne Zeit das war: die vielen Wiedersehen nach rund 1 1/2 Jahren Pause, wieder die Union-Lieder im Stadion zu hören und mitzusingen, Live-Musik: geile Bands, und Noise-Noise-Noise! The Not Amused im Wild at heart - wie ein Familientreffen, mit viel Bier, geilen Songs, und einer Vorband, die man ohne böse Absicht einfach überhaupt nicht wahrgenommen hat. TV Smith ebenfalls im Wild at heart, energetisch wie früher. Es gab die beliebten (und tollen) Adverts-Klassiker, dazu viel an neuen Songs. Mir fehlten nur die Spät-90er-Songs, die ich mit ihm verbinde: "The immortal rich", "Thin green line" und ähnliches, so war es musikalisch voll okay, aber nicht der Ober-Hammer. 

Der war mehr, all die Leute mal wieder zu sehen. Bis nachts um 2 am Tresen sitzen und herrlichen Blödsinn zu reden. Und herrlichen Unsinn und kranke Leute erleben und einfach weglachen: beim Konzert von hinten angeblökt zu werden, ob wir nicht mal weniger reden könnten, man verstehe ja gar nichts. 

Wenig später aber die Erkenntnis: Mist... etwas zeitversetzt mit all diesen Möglichkeiten stiegen die Inzidenzen wieder. Und dann war' s wieder ein Scheiß-Gefühl, zu Konzerten zu gehen, oder besser gesagt: ein mulmiges Gefühl, und ich persönlich habe es dann wieder gelassen.

Es fehlt. Das merkte ich erst, als ich es wieder erleben konnte. Angenehme Kontakte, und alle freuen sich sichtlich ernsthaft.
Sehen und gesehen werden.
Hoffentlich bald wieder.

Labels: ,

"R.A.T." - ein grandioses Instrumental von GIGANTOR

Mein Karussel dreht sich mal wieder weiter, ein nächster Umzug steht an. Anlass, mal wieder all die CDs, Schallplatten und Bücher durchzugucken, ehe ich sie durch die Gegend schleppen muss.

Es fällt mir nicht zu leicht. Besonders schwer fällt es, 7"es auszumisten. Es hängen doch zu viele Erinnerungen dran, auch wenn ich den Großteil eventuell wirklich nie wieder anhören werde. Immerhin 22 CDs habe ich nun schon aussortiert, 16 LPs und, ja..., sage und schreibe sechs 7"es...

Von den CDs, die ich nun abgebe, habe ich mir die Lieder, die ich als Hits in Erinnerung habe (manchmal zum Glück auch auf der Hülle markiert!), runtergerippt. Und ich will hier mal ein großartiges Instrumental vorstellen, dass ich einst durch eine Tape-Show von Ralf Real Shock kennengelernt hatte und weswegen ich mir jene CD damals gekauft hatte: Gigantor - R.A.T. Was für eine Granate, finde ich bis heute! 

Was der Titel bedeutet - keine Ahnung. Dass GIGANTOR ursprünglich wohl eine DICKIES-Cover-Band war, blicke ich auch erst heutzutage so richtig, und sogleich geht mir der Refrain eben jenes Songs der Dickies durch den Kopf. 

Zur CD muss ich allerdings sagen, dass ich die Aufmachung heute eine Beleidigung für die Augen finde und den Gesang... nicht gerade mag. Insofern bezeichnend, dass mir ausgerechnet das Instrumental am besten gefällt... 

Und wo ich gerade bei grandiosen Instrumentals bin, empfehle ich hiermit auch noch Pissed Off With Good Reason der kanadischen SUBHUMANS.

Labels: , , ,

Friday, March 05, 2021

Das "Wild at heart" in Kreuzberg oder Spenden in der Corona-Zeit

Ich verdränge es oft schon, aber all die Konzertläden, die ich sonst gern besuche, leiden in der aktuellen Lage wie wahnsinnig. Wild at heart, Schokoladen, SO 36 - um mal nur die für mich wichtigsten zu nennen.
Es ist leider ein bisschen schwer, den aktuellen Stand der Dinge zu erfahren. Wobei das SO 36 schon einiges zu seiner Rettungs-Kampagne schreibt, und Hinweise gibt, wo man spenden kann. Das Wild at heart hat auch eine Spendenkampagne eingerichtet. Auf meine Frage zum neuesten Stand der Dinge kam nun neulich diese Information:

"Vielen Vielen Dank,ja wir halten den Kopf oben und versuchen das beste draus zu machen,momentan machen wir am Donnerstags immer um 20.00 unseren livestream "Wild at Heart TV" ansosnten findest du alle news auf der wild at heart Facebook seite."
In Hamburg haben Leute um Abel Gebhard eine Video-Podcast-Reihe gestartet, die neben viel Musik Punk-Szene-Läden und deren aktuelle Situation beleuchten. Das ist ziemlich gut gemacht und berührte mich an manchen Stellen richtig. Hier der Link:  https://dringeblieben.de

Labels: , ,

Friday, January 29, 2021

Buch: Hamburg Calling - Punk, Underground & Avantgarde 1977 - 1985

Eine meiner absolut ersten Punk-Platten war „Paranoia in der Straßenbahn – Punk in Hamburg 1977 – 1983“. Eine Zusammenstellung, die ich bis heute großartig finde und immer noch mit viel Freude anhören kann. Neben den Songs ist auch das „inner sleeve“ mit zahlreichen Informationen zu den Bands und den Punk-Jahren 1977 bis 1983 in Hamburg absolut großartig gelungen: so viele interessante Informationen so prägnant, stimmig und obendrein optisch gelungen auf einem begrenzten Platz versammelt zu haben, ist absolut bewundernswert! Diese Platte samt ihrer Aufmachung hat ganz sicher stark mein Bild von Punk in Hamburg geprägt. Wobei ich es auch immer absolut beachtlich fand und bis heute finde, wie viele „Fossilien“ in der Hamburger Punk-Szene unterwegs sind, die offenbar schon von sehr früher Zeit an „dabei“ sind und – teils in ganz verschiedenen Bands oder auch durch andere Szene-interne Aktivitäten - immer noch ihr Punk-Ding durchziehen. Sei es Hake von 3000 Yen, Bärbel, Sheep On A Tree, Arne von Noise Annoys, Bierspieler usw. oder die Jungs von Jam Today.
„Paranoia in der Straßenbahn“ hat meinen Blick sehr geprägt, und nun erschien im letzten Herbst ein ganzes Buch über Punk in Hamburg: „Hamburg calling – Punk, Underground & Avantgarde 1977 – 1985“, 146 Seiten im ordentlich großen Format 24 x 28 cm. Und es ist ein optisch wirklich schönes Buch, mit vielen Fotos von Konzerten und Schauplätzen (u.a. „Krawall 2000“) und vielen dokumentierten Flyern, Fanzine-Covern, Eintrittskarten, usw. All diese Abbildungen sind auch in eine gelungene, passende Gestaltung integriert. Ich finde es z.B. absolut toll, die Eintrittskarte für das Sex Pistols-Konzert 1978, das niemals stattgefunden hat, oder das Plakat des „Punk Rock & New Wave Festival“ vom 16.6.1978, das ich einst zuerst im "Punk-Zimmer" des leider verstorbenen Sittich Neumann hatte sehen können, in einem schönen Buch dokumentiert zu haben. Auch erinnert mich das Buch durch die Abbildung der Schauplätze an eigene Aufenthalte in Hamburg, die ich immer sehr genossen habe; es gibt gut eine Hamburg-spezifische Atmosphäre wieder. Und es ist – nach der Pandemie … - auf jeden Fall mal wieder Zeit für eine Reise dorthin.
Auch sind bundesweit prägende „Groß-Ereignisse“, die in Hamburg stattfanden, Thema dieses Buches: ich meine damit die drei Markthallen-Festivals 1979 und 1980, die Randale im Nobelviertel Pöseldorf sowie das aggressiv gestörte Clash-Konzert 1980. Ohnehin galt Hamburg neben Düsseldorf und Berlin als bedeutendste deutsche Stadt in jenen frühen Punk-Jahren.
Neben den zahlreichen Abbildungen besteht das Buch vor allem aus Interviews mit Protagonistinnen und Protagonisten jener Jahre, und hier wird auch wirklich der Untertitel „Punk, Underground & Avantgarde 1977 – 1985“ entscheidend. Erst jetzt ist mir bewusst geworden, dass „Paranoia in der Straßenbahn“ einen starken Fokus auf den rauen, auf den „dirty“ Teil der Hamburger Szene gelegt und die anderen Bereiche, die es auch gab, vernachlässigt hat. Hier hingegen sind nun Vertreterinnen und Vertreter ganz verschiedener Punk-, Wave und Underground-Stile vertreten, wie u.a.: Alfred Hilsberg, Jaeki Eldorado, Eugen Honold („Pretty Vacant“-Fanzine), Mike Buttock, Klaus Maeck („Rip Off“-Laden), Frank Z. (Abwärts), Andreas Dorau, Timo Blunck (Palais Schaumburg), Anja Huwe (X-Mal Deutschland), Michael Ruff (Geisterfahrer), Mona Mur, Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen) und Bernd Begemann (Die Antwort). Nicht alles davon interessiert mich ehrlich gesagt, dazu sind die Interviews relativ kurz gehalten, so dass sie allenfalls Anregungen geben, sich weiter mit den interviewten Personen und ihren Projekten zu beschäftigen. Auch die angehängte Diskografie – unter dem Titel „Lieber zu wenig als zuviel“ (das „5 Jahre ZickZack“ Festival 1984 mit 19 Bands hatte das gegenteilige Motto „Lieber  zuviel als zu wenig“) – bietet keinen vollständigen Überblick, sondern nennt nur eine „Auswahl“.  Dass Razzia im ganzen Buch nicht vorkommen, schmerzt mich persönlich etwas; dass Slime nicht interviewt werden, wundert mich, weil v.a. Elf nach meiner persönlichen Erfahrung sicher zu vielen Auskünften bereit gewesen wäre. Und relevant genug dürften beide Bands in jedem Fall gewesen sein. Das sind aber letztendlich persönliche Mini-Kritikpunkte, die objektiv betrachtet wohl nicht wirklich von Belang sind. Zwei Freunde aus Hamburg, die diese frühe Punk-Zeit in Hamburg miterlebt haben, äußerten sich auf alle Fälle alleine schon wegen all der Abbildungen zufrieden mit dem Buch. Und auch ich freue mich, es zu besitzen: es ist eine lohnenswerte Anschaffung für alle, die sich für die frühe Zeit von Punk in Deutschland interessieren!

(29,90 € direkt beim Junius-Verlag oder über jede Buchhandlung und manchen Punk-Mailorder)

Labels: ,

Karstadt online: only fit for the bin

Ich kaufe mir nicht gern Kleider. Und wenn, dann nur sowas wie zweimal im Jahr. Und weil ich inzwischen halbwegs alt bin (ich fühle mich nicht unbedingt so, aber ich kriege zunehmend mit, dass ich es offenbar bin), gehe ich dafür ins Kaufhaus. Weil, da gibt es Verschiedenes, das ich mir ansehen und auch anprobieren kann (die Sachen online zu bestellen und zurückzuschicken, wenn sie mir nicht passen, geht mir völlig gegen den Strich. Ja – „alt“ eben…). Dazu gibt es – wenn es gut läuft – alles, was ich brauche, auf einen Rutsch. So freue ich mich, dass meine noch halbwegs neue Wohnung in der Nähe eines großen Karstadts liegt.

Nun sind aber Pandemie-bedingt aktuell die Kaufhäuser geschlossen. Und ich brauchte dringend einen neuen Gürtel. Guckste mal bei Karstadt, dachte ich mir. Oh cool, aktuell 30% Rabatt auf Mode, wenn man einen Wert von 100 € zusammenkriegt. Also Sonntag abends bestellt, zu 30% Rabatt.
In meiner Naivität meinte ich ja, dass die Artikel in den Filialen liegen und die Mitarbeiter*innen dann durchs Haus laufen, die Waren zusammensammeln und sie dann für die Kund*innen zur Abholung bereit stellen. Was dann ja nicht allzu lang dauern dürfte und so meinte ich, dass ich am Dienstag alles abholen können müsste.
Weit gefehlt.

Am Dienstag kam die Nachricht, dass ein Titel nicht vorrätig sei. Okay, nicht so schlimm, kann passieren, das "kommt in den besten Familien", also auch bei anderen Händlern vor. Auch bei mir, als ich seinerzeit einen Schallplatten-Versand führte. Die restlichen Artikel seien aber vorhanden und verpackt und würden nun auf die Reise gehen. Hm, also doch Versand. Und nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Weiterhin stutzig bin ich geworden, dass ich für die verbliebenen fünf Artikel drei Rechnungen bekommen habe. Der Mittwoch verstrich, am Donnerstag bekam ich dann eine - offensichtlich zusammenkopierte - E-mail, dass ich nun ein Paket abholen könnte. Jene E-mail sollte man – samt des Ausweises – ausgedruckt mitbringen. Ich guter Dinge dahin (weil ich es wieder ganz besonders gut machen wollte, hatte ich als Ausgabeort den Alexanderplatz ausgewählt, aber das ist ein anderes Thema), bekam dann auch - nach zunächst vergeblichem hilflosen Suchen der relativ betagten Mitarbeiterin - eines ausgehändigt. Vor der Tür aufgemacht, aber es waren tatsächlich nur zwei Artikel drin... Es gibt also wirklich drei Pakete für fünf Artikel! Die an völlig unterschiedlichen Tagen ankommen! Was für ein Generve!

Heute kam eine weitere E-mail, mit zwei weiteren Artikeln, die ich ab sofort abholen kann. Aber nun warte ich natürlich, bis meine Bestellung vollständig ist und ich dann beide restliche Pakete abholen kann. Was für ein Saftladen - für das Online-Zeitalter sind Karstadt / Kaufhof leider wirklich nicht fit. Eher: "Only fit for the bin", wie ein englisches (übrigens: Alt-) Punk-Label heißt. Womit wir drei (Karstadt, "Only fit for the bin" und ich) doch wieder auf eine Art vereint sind.
Auch wenn ich "alt" bin, werde ich aber nicht wieder bei Karstadt online bestellen.

Labels: , , ,

Friday, May 01, 2020

1. Mai 2020 im Zeichen von 75 Jahre Kriegsende

Der 1. Mai war heute für mich quasi Radio- und Podcast-Tag. Nach 4 Tagen „ohne“ einiges bei DLF und DLF Kultur nachgehört, u.a. zum Kriegsende 1945 Die letzten Tage der NS-HerrschaftTodesmärsche der KZ-Häftlinge und – damit verbunden – zur Frühgeschichte der DDR: Die Ankunft der Gruppe Ulbricht. 75 Jahre her und ich musste mehrmals an die Erzählungen von Hans Gasparitsch aus Stuttgart denken, die ich einst hören durfte, v.a. zum 1. Mai 1945...(abgebildet das Buch, das er unter Pseudonym geschrieben hat).
… Später noch die aktuelle Folge des New Rose Radio, und nun läuft nebenher noch die jüngste Folge des Union-Podcasts Textilvergehen… Ein individualistisch verbrachter Tag, aber irgendwie doch mit dem Gedanken, auf den richtigen Seiten zu stehen…

Labels: , , , ,

Saturday, March 23, 2019

Razzia: Am Rande von Berlin

Geschickt hatte die Hamburger Band den Titel-Song ihres neuen Albums „Am Rande von Berlin“ schon im Vorfeld als Appetitanreger platziert. Ich hatte ihn über meine favourite radio-station „New Rose Punkrock-radio“ kennengelernt, und den Song - hier bei youtube anzuhören - als so toll empfunden, dass ich mir das Konzert nicht entgehen lassen wollte. Obwohl es an jenem Abend eine durchaus attraktive Alternativ-Veranstaltung im „Wild at heart“ gegeben hätte. Auch die beim Konzert gespielten neuen Songs machten Lust auf das neue Album, das als CD und als Doppel-LP auf schwarzem und rotem Vinyl verkauft wird. (Wobei ich beim Preis von 30 für rot statt 20 € für schwarz schon fast von einer Kapitalanlage sprechen möchte.)  Es ist ein sehr gutes, ein vorzügliches Album geworden. 14 Songs, die an die beste Razzia-Zeit erinnern und direkt nach dem zweiten Album „Ausflug mit Franziska“ hätten entstanden sein können. Teils nachdenklich, teils melancholisch, aber letztendlich immer mit dem Drang nach vorne, mit dem geilen Gesang und der großartigen Lead- Gitarre. Die Songs lassen sich auch sehr gut hintereinander anhören, was für mich ein wichtiges Kriterium für den Kauf eines Albums ist – wenn ich nur einzelne Songs gut finden kann, hole ich mir die lieber irgendwoher aus dem Internet. „Am Rande von Berlin“ ist aber durchgängig stimmig und gut. Lohnt!
Ein kleiner Schönheitsfehler ist nur das seltsame Cover, das – im Gegensatz zu allem anderen dieser Scheibe - nicht wirklich ausgereift wirkt, nach nichts aussieht und worauf ich nicht erkenne, was gemeint ist. Viel hübscher – und von der Stimmung auch an „Ausflug mit Franziska“ erinnernd - ist doch das hier dokumentierte Cover des Booklets!

Labels:

RAZZIA live 2019 im SO 36

Ich habe FLIEHENDE STÜRME zu meiner Stuttgart-Zeit nie live gesehen, ich habe sie generell nie groß mitgekriegt oder beachtet, immer nur eine Platte, „Priesthill“, in diversen Plattenläden stehen sehen. Bis gestern habe ich sie – obwohl daher stammend und Nachfolger der berühmten Chaos Z – nie als Stuttgarter Band wahrgenommen. Bis ich eben gestern vor und während des Konzerts im SO 36 verschiedene alte Bekannte aus Stuttgart wiedertraf. Und realisierte, dass ich sogar einen kenne, der mittlerweile – und nicht erst seit gestern - bei denen mitspielt. Das waren sehr schöne Wiedersehen, nach teilweise 20 Jahren „no see“. (Ähnlich wie bei der Ausstellungs-Eröffnung zu Punk in Stuttgart 2017.) Insgesamt war ihr Auftritt aber schon sowas wie eine Geduldsprobe für mich. Gleich der erste Song, unglaublich schwer, langsam, düster. „Was ein stimmungsvoller Opener“, unkte ich zu meinem Nebenmann. Der folgende Song war dann schwungvoller, und das war sicher auch bewusst so choreografiert. Ich habe wirklich Respekt davor, wenn eine Band über 20 Jahre ihren Stil durchzieht – ihr erstes Album ist von 1988! – und wie Sänger und Gitarrist Andreas Löhr auf der Bühne steht. Auch hat diese Band ihr Publikum, das offensichtlich auch zufrieden war. Dieser düstere Wave-Punk ist nur leider überhaupt nicht meine Musik.
Den Abend hatten KLOTZS begonnen, eine Band aus Siegen, deren Namen ich nie zuvor gehört hatte, obwohl sie laut Discogs bereits 1996 aktiv sind und mal eine Split-7" mit EA 80 veröffentlicht hatten. Der erste Eindruck war auch eher schräg, aber das war wohl durchaus auch so gewollt. Die beiden älteren Herren – nur Gitarre und Schlagzeug – spielten schon Punk, der in die EA 80-Richtung geht, hatten aber zwischendrin auch immer wieder andere, experimentellere und uneingängige Elemente. Und gerade der Sänger eine Attitude, die „Mut zur Peinlichkeit“ ausdrückte. Das passte, das war irgendwie erfrischend gut!
Waren die Reihen bei KLOTZS noch sehr überschaubar besetzt gewesen, war es spätestens beim heutigen Haupt-Act – beim Konzert vor dreieinhalb Jahren, hier mein Bericht, war die Reihenfolge eine andere gewesen - RAZZIA rappelvoll. Verglichen mit Fliehende Stürme merkte ich sofort, dass DAS meine Musik ist, mit Texten, die ich auch heute noch ohne Schmerz und Pein hören und mitsingen kann. Razzia haben eine Spur Melancholie, gehen aber dennoch nach vorne, mit der geilen charakteristischen Gitarre und dem knalligen Gesang. Das war gut, das hat Spaß gemacht. Auch wenn es ein paar Abzüge in der B-Note zu vergeben  gibt. Es kam mir fast vor, als sei es das erste Konzert nach längerer Pause gewesen: teils wurden ein paar Einsätze verpasst und wenn man ganz vorne stand, sah man, dass der Sänger teils die Texte der neuen Lieder nachlas. Zwischen den Songs gab es manchmal abtörnend lange Pausen. Es klingt schräg, das bei einer Band, die seit 1979 aktiv ist und hier weitgehend in Original-Besetzung auftrat, zu sagen: aber das waren lauter so vermeidbare kleine Fehler, die sich mit etwas mehr Übung schnell erledigt haben dürften. Im ganzen war es aber sehr gut gespielt, und auch die zahlreich gespielten neuen Songs – was ja durchaus mutig ist, viele kamen sicher vor allem, um die alten Songs zu hören -  passten sich sehr gut ins Programm ein, klangen typisch nach Razzia, wie man sie liebt, und bestärkten zumindest mich, sich das neue Album im Anschluss mitzunehmen.    
Am Tresen gab es übrigens ein Band-Bier zu kaufen. Für Razzia, und laut Website nur für das Konzert in Berlin, wurden von einer offenbar befreundeten Brauerei 240 Flaschen Razzia-Bier abgefüllt, ein dunkles Lager-Bier. Da ich eh Bier trinken wollte, habe ich eines probiert. Ein Bier, wie Schwarzbier – Köstritzer oder Ähnliches - eben so schmeckt. Nichts Besonderes. Vielleicht gelingt ja irgendjemandem noch, mehr Infos zum Hintergrund dieser Aktion zutage zu fördern, würden mich interessieren. 
Eine interessante Zusammenfassung der Band-geschichte ist übrigens zu finden auf: https://razzia.info
Sehr toll auch die vier Songs, die Olli Schulz unter dem Titel "Ausflug mit Razzia", auf 7" veröffentlicht hat; Cover-versionen von "Kaiserwetter", "Sentimentaler Zusammenbruch", "Nacht im Ghetto" und dem immer wieder großartigen "Als Haus wärst du ne Hütte".

Labels: ,

Saturday, December 29, 2018

Neue Punk-Hit-List

Das ist meine neue Punk-Hit-Zusamenstellung; 25 Songs, die mich die letzten Monate begleitet haben. Oftmals kennengelernt durch meine favorisierte Punkrock-Hit-Station New Rose Punkrock-Radio, aber auch die Erinnerungen an drei sehr gute Konzerte 2018 sind eingearbeitet (The Number Ones, Dickies, 8 Eimer Hühnerherzen). Bei Interesse einfach mal bescheid geben.

Labels: