Ich kaufe mir nicht gern Kleider. Und wenn, dann nur sowas
wie zweimal im Jahr. Und weil ich inzwischen halbwegs alt bin (ich fühle mich
nicht unbedingt so, aber ich kriege zunehmend mit, dass ich es offenbar bin),
gehe ich dafür ins Kaufhaus. Weil, da gibt es Verschiedenes, das ich mir
ansehen und auch anprobieren kann (die Sachen online zu bestellen und zurückzuschicken,
wenn sie mir nicht passen, geht mir völlig gegen den Strich. Ja – „alt“ eben…).
Dazu gibt es – wenn es gut läuft – alles, was ich brauche, auf einen Rutsch. So
freue ich mich, dass meine noch halbwegs neue Wohnung in der Nähe eines großen
Karstadts liegt.
Nun sind aber Pandemie-bedingt aktuell die Kaufhäuser geschlossen. Und ich
brauchte dringend einen neuen Gürtel. Guckste mal bei Karstadt, dachte ich mir.
Oh cool, aktuell 30% Rabatt auf Mode, wenn man einen Wert von 100 €
zusammenkriegt. Also Sonntag abends bestellt, zu 30% Rabatt.
In meiner Naivität meinte ich ja, dass die Artikel in den Filialen liegen und die
Mitarbeiter*innen dann durchs Haus laufen, die Waren zusammensammeln und sie
dann für die Kund*innen zur Abholung bereit stellen. Was dann ja nicht allzu
lang dauern dürfte und so meinte ich, dass ich am Dienstag alles abholen können
müsste.
Weit gefehlt.
Am Dienstag kam die Nachricht, dass ein Titel nicht vorrätig sei. Okay, nicht
so schlimm, kann passieren, das "kommt in den besten Familien", also auch bei anderen Händlern vor. Auch bei mir, als ich seinerzeit einen Schallplatten-Versand führte.
Die restlichen Artikel seien aber vorhanden und verpackt und würden nun auf die
Reise gehen. Hm, also doch Versand. Und nicht so, wie ich mir das vorgestellt
hatte. Weiterhin stutzig bin ich geworden, dass ich für die verbliebenen fünf
Artikel drei Rechnungen bekommen habe. Der Mittwoch verstrich, am Donnerstag
bekam ich dann eine - offensichtlich zusammenkopierte - E-mail, dass ich nun
ein Paket abholen könnte. Jene E-mail sollte man – samt des Ausweises – ausgedruckt
mitbringen. Ich guter Dinge dahin (weil ich es wieder ganz besonders gut machen
wollte, hatte ich als Ausgabeort den Alexanderplatz ausgewählt, aber das ist
ein anderes Thema), bekam dann auch - nach zunächst vergeblichem hilflosen Suchen
der relativ betagten Mitarbeiterin - eines ausgehändigt. Vor der Tür
aufgemacht, aber es waren tatsächlich nur zwei Artikel drin... Es gibt also
wirklich drei Pakete für fünf Artikel! Die an völlig unterschiedlichen Tagen
ankommen! Was für ein Generve!
Heute kam eine weitere E-mail, mit zwei weiteren Artikeln, die ich ab sofort abholen
kann. Aber nun warte ich natürlich, bis meine Bestellung vollständig ist und
ich dann beide restliche Pakete abholen kann. Was für ein Saftladen - für das
Online-Zeitalter sind Karstadt / Kaufhof leider wirklich nicht fit. Eher:
"Only fit for the bin", wie ein englisches (übrigens: Alt-) Punk-Label heißt. Womit wir drei (Karstadt, "Only fit for the bin" und ich) doch wieder auf eine Art vereint sind.
Auch wenn ich "alt" bin, werde ich aber nicht wieder bei Karstadt online bestellen.
Labels: Corona, Platten verkaufen, Punk, Punk 77