Exerzierstraße, Wedding
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Ich staune jedes Mal, was für ein extrem unwirtlicher Ort
der Vorplatz vor dem S- und U-Bhf Wedding ist. Wo die Lynar- auf die
Müllerstraße stößt und auf der anderen Seite die Schildower in die Müllerstraße.
Dauerbaustellen, Verkehr, ewiges Warten auf die Fußgängerampeln. Nur über diese
kann man auch als Radfahrer die Müllerstraße an dieser Stelle überqueren. Es
nervt.
Heute bin ich aber zu Fuß unterwegs und laufe einfach drauf los. Die Schildower
Straße und der Nettelbeckplatz sind für mich sonst nur Durchfahrtstationen,
wenn es in Richtung Humboldthain oder
Prenzlauer Berg geht. Heute habe ich die Zeit,
in aller Ruhe darüber zu laufen und auch mal stehen zu bleiben. Es sind nur
wenige kleine Menschen-gruppen über den Platz verteilt. Der Imbiss an der Ecke
hat geschlossen; es wirkt fast so, als sei es für immer. Dafür haben direkt
daneben – trotz Feiertags – zwei Spätis offen. Der Nettelbeckplatz hat schon
Atmosphäre, aber er hat auch was Schäbbiges, vor allem wohl wegen der teils
heruntergekommenen Gebäude und Geschäfte um ihn herum. Beim Einbiegen nach
Westen in die Gerichtstraße aber Verwunderung: „DA“, irgendwas mit „Appartements“.
Ein superneuer, superschicker Neubau. Es fällt schwer, dieses Haus und diesen
Platz zusammenzubringen.
Wenige Meter weiter steht das ehemalige Post-Gebäude. Es ist noch das Schild
für Großeinlieferer und Postfächer zu sehen. Und der ehemalige Schriftzug „Postamt“
zu erkennen. Seit wann ist sie nicht mehr in Betrieb? Schräg gegenüber davon
liegt in einem ehemaligen Krematorium das „Silent Green“, ein inzwischen schicker
Ort für Kulturschaffende. Einige
Schritte weiter geht es über eine große Grünfläche, den Max-Josef-Metzger-Platz,
zurück zur Müllerstraße. Von hier aus sieht diese sonst so furchtbare Straße ganz
akzeptabel aus, wie jede andere. Kurzentschlossen biege ich die Ruheplatzstraße
ein, die ihren Namen vom benachbarten Krematorium bzw. dem Urnenfriedhof
bekommen hat.
Die nächste Straße ist die Antonstraße; ich weiß zunächst nicht richtig, wo ich
bin, begreife dann aber, dass es südwestlich nun zu Karstadt gehen würde. In
der anderen Richtung ist am Ende der Straße ein breites Haus zu erkennen und
ich gehe in der Vermutung darauf zu, dass das die große Reinickendorfer Straße sein
wird. Unterwegs komme ich an einem
wirklich stimmungsvollen, unter anderem durch Spielplätze genutzten Brachgelände
vorbei, das in dieser Form auch im Prenzlauer Berg stehen könnte. Ich lande
schließlich nicht auf der Reinickendorfer, sondern auf der deutlich kleineren
Maxstraße. Nun weiß ich sogar, wo ich bin, denn vorn an der nächsten Ecke erkenne
ich das linke / autonome Hausprojekt Schererstraße 8,
in dem ich wohl im Herbst 2019 erstmals bei einem Konzert der richtig guten
französischen Band Bronco Libre
gewesen bin. Zwischen den vielen Plakaten und Flyern an der Außenwand des
Hauses ist ein Plakat zu erkennen, das erklärt, dass auch die Metzgerei, die
früher in jenem Haus war, bei der Weddinger Fleischrevolte
von 1912 geplündert wurde. Die Kacheln der ehemaligen Metzgerei sind
übrigens im Innenraum erhalten und geben diesem einen besonderen, wenn auch
etwas kühlen Charme.
An jener Straßenecke treffen sich die Max-, die Scherer und noch eine dritte Straße.
Welch Ironie! Diesen Mai bin ich erstmals nach sehr langer Zeit am Sowjetischen
Ehrenmal Schönholzer Heide in Pankow gewesen und habe mich sehr daran
erfreut zu sehen, dass ausgerechnet vor jenem großen Gelände die „Germanenstraße“ verläuft. Das Straßenschild
stammt noch aus der DDR-Zeit und zeugt davon, dass sie damals schon jenen Namen
getragen haben muss. Die DDR es demnach nicht fertig gebracht oder es für nötig
gehalten hat, der Straße einen anderen Namen zu geben.
Hier, direkt vor dem Hausprojekt
Schererstraße, beginnt tatsächlich einer
der drei Adolfstraßen Berlins. Alle
Straßenschilder sind auf verschiedene Weisen symbolisch abgeklebt.
Die Adolfstraße führt hinter den Mauern des ehemaligen Krematoriums vorüber und
endet an der Ruine des ehemaligen Postamts.
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wohin man nur dann zieht, wenn man sich die Innenstadt nicht mehr leisten kann. Aber Spandau, mit all seinem Wasser und dem vielen Grün... Klar, man ist weit weg von Berlin Mitte, braucht mit der S-Bahn über eine halbe Stunde. Dennoch: wer die Berliner Innenstadt nicht mehr braucht, für den stelle ich mir Spandau als durchaus ernstzunehmende Option vor.
Eine Radfahrt führte mich zunächst in die Waldsiedlung Hakenfelde. Diese hat mir schonmal
sehr gut gefallen. Ich mag diese kleinteilige Architektur echt gern, auch wenn sie
mir (möglicherweise zu Unrecht) als "urdeutsch" vorkommt. Diese kleinen Häuschen mit Fensterläden und Gärten. U.a dort in der
Eichenstraße. Ich fühle mich gut, wenn ich durch die Straßen
gehe.Schräg nur, dass der eigentlich schöne Platz in der Mitte (siehe erstes Foto) nur als Parkplatz genutzt wird.
Rathauses beginnt und endlos wirkt, nie zu Ende zu gehen scheint! Der Park geht bis zur Stadtgrenze und darüber hinaus nach Falkensee. Nach einem recht großen See mit Badestelle (was ein Luxus!) bin ich aber nach Süden abgebogen, zur Gartenstadt Staaken.
Staaken etwas größer sein, aber sie ist auch nochmal um einiges spektakulärer. Buchstäblich jede Straße scheint eine andere Architektur zu haben. In der Straße "Am kleinen Platz" sieht es aus wie in den Niederlanden (Foto Nr. 2). In zwei benachbarten Straßen wie in England. An einem Platz könnte man sich wie in Hansestädten an der norddeutschen Küste fühlen. Toll auch der sehr große Kirchplatz, von dem Wege durch große Gartenanlagen in umliegende Straßen führen. Passend zum geradezu überbordenden Grün hat die Gartenstadt Staaken auch einige hübsche Straßennamen, von denen ich einige hier
dokumentieren will. Wobei der etwas sperrig klingende "Ungewitterweg" - ich hab's extra nachgeschlagen - nicht mit einem Unwetter zu tun hat, sondern nach Curt Ungewitter benannt wurde, einem Piloten, der 1927 36-jährig nahe Staaken abgestürzt ist. Bis 1935 hatte die Straße "Russenweg" geheißen, was den neuen Machthabern nach 1933 offenbar nicht mehr gefallen hat. Labels: Berlin, Berlin-Geschichte, Spandau, Straßenschilder
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