Saturday, November 10, 2018

"Alles für das Volk – Alles durch das Volk." Wer ist das Volk?

"Alles für das Volk – Alles durch das Volk" war heute eine sehr gelungene "Szenische Bustour zur Revolution 1918/19“ der Gruppe , organisiert vom  . Auch als Publikum waren wir Teil der Inszenierung im öffentlichen Raum an Originalschauplätzen in Berlin, beginnend in Wedding zum ehemaligen „Circus Busch“ nahe des Hackeschen Marktes, wo am 10.11.1918 – exakt vor 100 Jahren – die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte stattfand, auf der das weitere Vorgehen  einen Tag nach der erzwungenen Abdankung des Kaisers stattfand, von dort aus weiter zum ehemaligen Marstall, dem heutigen  Gebäude der Hanns-Eisler-Schule für Musik, und von dort aus wiederum zum Park Friedrichshain. Ein schönes Gefühl, diesen historischen Tag  so verbracht zu haben!
Eine skurile, sicher ungeplante Koinzidenz war, als diese sicher mit der Novemberrevolution sympathisierende, sie aber dennoch hinterfragende Veranstaltung an ihrem Endpunkt auf eine Kundgebung einer kommunistischen Gruppe bestehend vorwiegend aus jüngeren Leuten traf, die mehr Antworten als Fragen parat hatte… ;-)
"Alles für das Volk – Alles durch das Volk" findet nochmal statt am So, 18.11. 11-13:30 Uhr, siehe Programm Revolution revisited. Weitere Veranstaltung mit der Gruppe : Mo 17.12. (18 Uhr): Themenabend 100 Jahre Reichsrätekongress. Diskussion und szenische Inszenierung nach den originalen Protokollen des Reichsrätekongresses.

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Thursday, November 08, 2018

100 Jahre Revolution von 1918/19: Daten (3)

Erinnerungen an eine Revolution:
Samstag, 09.11.1918: die Revolution erreicht Berlin. Massenstreik und Massendemonstrationen. Reichskanzler Max von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung von Wilhelm II.
Unter dem Druck der Massen ruft Philipp Scheidemann aus einem Fenster des Reichstages die Republik aus. Sehr zum Unmut von Friedrich Ebert, der die Entscheidung darüber einem neu gewählten Parlament überlassen wollte. Karl Liebknecht ruft kurz darauf die sozialistische Republik aus, verfügte jedoch über nur geringe Massenbasis, so dass das eher symbolischen Charakter hatte.
Ebert wird noch an jenem Tag neuer Reichskanzler, bleibt das aber nur für wenige Stunden.
Gegen 20 Uhr besetzen um 100 Revolutionäre Obleute, gewerkschaftsunabhängige Vertrauensleute, die bereits den großen Januaraufstreik 1918 geführt hatten, den Reichstag und bilden ein Revolutionsparlament. Um der SPD um Ebert die Initiative zu entreißen, beschließen sie für den nächsten Tag Wahlen in allen Berliner Großbetrieben, durch die ein Berliner Arbeiter- und Soldatenrat bestimmt werden soll.
Sonntag, 10.11.1918: Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte. Bildung des Rat der Volksbeauftragten mit je drei Mitgliedern von SPD und USPD, der fortan die Übergangsregierung stellt. Heimlicher Pakt zwischen Friedrich Ebert und der neuen OHL-Führung um General Groener.

Montag, 11.11.1918: Unterzeichnung des Waffenstillstandes. Die Verhandlungen dafür hatten am 05.11. begonnen.
Freitag, 15.11.1918: „Stinnes-Legien-Abkommen“ von Unternehmern und Gewerkschaften, Beschluss der Gründung der ZAG („Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands“), die Verhandlungen dazu hatten Mitte Oktober begonnen. Beide Parteien erkennen sich dadurch öffentlich als Vertreter an und wollen sich Einfluss im künftigen Staatsgebilde sichern. Das Abkommen bedeutet ein Festschreiben verschiedener urgewerkschaftlicher Forderungen, allerdings auch Anerkennung des freien Unternehmertums und der kapitalistischen Wirtschaftsweise.


... wird fortgesetzt...

(Abbildung: aktuell auf Berliner Plakatwänden. Bei Draufklick lässt sich alles lesen.)

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Saturday, November 03, 2018

"Es ist nur eine Frage der Zeit"...

... stand schon seit Jahren auf der Brandwand daneben. Nun geht es einem der letzten unsanierten Häuser in der Linienstraße bzw. in ganz Berlin Mitte an den Kragen.
(Wer es eh auch gleich im Kopf hat, darf sich auch das passende Lied von Schleim-Keim dazu anhören.)


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Reichpietschufer

Max Reichpietsch galt einer der Rädelsführer des ersten Matrosenaufstandes im Sommer 1917 und wurde mit dem Tod bestraft. Die beabsichtigte abschreckende Wirkung hielt bis in den Oktober und November 1918 an, umso mehr Mut erforderten die schließlich erfolgten Sabotagen und Meutereien in Wilhelmshaven und Kiel ab dem 29. Oktober 1918.
Dass die DDR ihn 1967 mit einer - durchaus hübschen - Briefmarke ehrte, verwundert nicht sehr. Bemerkenswert aber die Benennung der Straße nach ihm in Berlin-Tiergarten (also West-Berlin!) bereits 1947. Oder wäre es passender, das "bereits" wegzulassen? 1947 war womöglich der Kalte Krieg noch nicht so ausgeprägt wie spätestens ab 1948. Und die Alliierten womöglich noch auf der Suche nach Nicht-Nazis und Nicht-Reaktionären, nach denen sie Straßen benennen lassen konnten. 

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Saturday, October 27, 2018

"Dem Mutigen gehört die Welt!"

(Abb.: Postkarte, unbekannter Zeichner)

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100 Jahre Matrosenaufstand Kiel


In Kiel offenbar durchaus ein größeres Ding, sicher nicht losgelöst von der aktuellen politischen Entwicklung im Land. Richtig auf jeden Fall, dass es ohne den erfolgreichen Matrosenaufstand im November 1918 womöglich keine Revolution gegeben hätte, und dass diese Revolution und die darauf gefolgte Demokratie und Republik erkämpft werden musste. Lese ich durchaus als Abkehr von der konventionellen Erzählung, nach der sich nach dem verlorenen Krieg die Monarchie quasi von selbst auflöste. 

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100 Jahre Revolution von 1918/19: Daten (2)

Erinnerungen an eine Revolution:
Montag, 28.10.1918: Die Generäle der Hochseeflotte wollen von Wilhelmshaven aus eigenmächtig zu einer militärisch sinnlosen Prestige-Schlacht gegen England auslaufen. Matrosen bekommen das mit, verweigern den Gehorsam und sabotieren das Unternehmen, so dass es dazu nicht kommt. Gewaltsames Ende dieser Erhebung am 31.10.
Samstag, 02.11.1918: Teilverbände der streikenden Matrosen werden nach Kiel verlegt. Die Revolution wird dadurch von der Marineführung ungewollt nach Kiel weitergetragen. Die Arbeiter aus Kiel schließen sich den Matrosenprotesten an, es kommt zu Massenprotesten.

Am Montag, 04.11.1918 übernehmen die Arbeiter- und Matrosenräte Kiels die Stadt. 
Die neue Regierung in Berlin sendet Gustav Noske von der SPD nach Kiel, um die Ordnung aufrecht und die Revolution räumlich begrenzt zu halten. In den folgenden Tagen Ausbreitung der Revolution zunächst auf die nähere Umgebung, schließlich reichsweit. Unter den Forderungen Frieden – Brot – Ende der Monarchie (teils auch nach Sozialisierungen) bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte.

Mittwoch, 06.11.1918:
u.a. Hamburg, Bremen

Donnerstag, 07.11.1918:
u.a. Köln, Hannover, Oldenburg, Frankfurt, Stuttgart, München. In München stürzt an diesem Tag durch geschicktes Agieren von Kurt Eisner die erste Monarchie.

Freitag, 08.11.1918:
u.a. in Magdeburg, Leipzig

Donnerstag, 07.11., und Freitag, 08.11.1918:
Druck seitens der Regierung auf den Kaiser, mit Hinblick auf die Massenproteste abzudanken, was dieser ablehnt.
... wird fortgesetzt...

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Saturday, October 13, 2018

Aktuelles zu 100 Jahre Revolution von 1918/19

Ticker zu „100 Jahre Revolution von 1918/19“
Tag für Tag 1918. Eine Chronik der Revolution in Deutschland "Liveticker" zu 100 Jahre Novemberrevolution von der Zeitung Neues Deutschland
Chronik der Ereignisse 1918/19 von der Friedrich-Ebert-Stiftung

Filme im Zeughauskino Berlin
Kurzfilmprogramm Novemberrevolution am DO, 8.11., 20 Uhr und SO, 11.11., 15 Uhr
Matrosen in Berlin + Rosenthaler Str. 51 am SO, 2.12., 16 Uhr und DI, 4.12., 20 Uhr

Ausstellungen:
Das lange Leben der Novemberrevolution im Märkischen Museum zu Berlin von 23.11.18 bis 19.05.19

Lesestoff:
"Emanzipation und Enttäuschung" eine Aufsatzsammlung zur Revolution 1918/19, herausgegeben von der Rosa Luxemburg-Stiftung. Als PDF downzuloaden oder kostenfrei zu bestellen.

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Wednesday, September 26, 2018

100 Jahre Revolution von 1918/19: Daten (1)

Erinnerung an eine Revolution: 
1. Vorläufer
Freitag, 27.09.1918: Die Oberste Heeres Leitung (OHL, Hindenburg/Ludendorff) drängt plötzlich auf sofortigen Waffenstillstand, nachdem sie bis dahin nur zu einem Siegfrieden bereit gewesen war. Die Niederlage soll jedoch nicht von der OHL, sondern von einer umgestalteten neuen Regierung aus SPD, Zentrum und Fortschrittspartei eingestanden werden. Kaiser Wilhelm II. gibt sich einverstanden.
Donnerstag, 03.10.1918: Das neue Kabinett unter dem neuen Reichskanzler Max von Baden wird gebildet. Beteiligt sind neben Fachministern Politiker von SPD, Zentrum und Fortschrittspartei.

DO, 24.10. – MO, 28.10.1918:
Demokratische Verfassungsänderungen im Deutschen Reich. Der Reichskanzler ist fortan nicht mehr dem Kaiser, sondern dem Parlament verantwortlich.
Samstag, 26.10.1918: Wilhelm II. entlässt Ludendorff, nachdem dieser den Krieg doch weiterführen will.
... wird fortgesetzt...
Zum Weiterlesen:
u.a.:
Helga Grebing (Hg.), Die deutsche Revolution 1918/19. Berlin 2008.
Sebastian Haffner, Der Verrat. Deutschland 1918/1919. 1969. 
Victor Klemperer, Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919. Berlin 2015.
Ulla Plener (Hg.), Die Novemberrevolution in Deutschland für bürgerliche und sozialistische Demokratie. Berlin 2009.
Christoph Regulski, Die Novemberrevolution. 1918/19. Wiesbaden 2018.
Volker Ullrich, Die Revolution von 1918/19. München 2009.

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