Wednesday, August 16, 2017

Die goldene Leiter

„Ein Mann geht ins Lokal, sucht die Dame seiner Wahl, und mit Worten, öd und schal, bringt dieselbe er zu Fall...“
Nein. Ein Mann fährt in den Urlaub, schließt seine Wohnungstür ab. Lässt seinen französischen Balkon angelehnt offen. Und verliert im Urlaub seinen Schlüssel. Soweit, so ärgerlich. Aber keinesfalls unüblich.
Nun steht der Mann unten vor dem Haus, in dem er wohnt, und überlegt, was er tun kann, um wieder in seine Wohnung zu kommen. Er entscheidet sich dafür, mit seinem Smartphone eine Nachricht auf Facebook zu schreiben. Vielleicht kann ihm ja einer seiner zahlreichen Facebook-Freunde helfen.

Erste Antworten treffen ein. „Was hast du angestellt?“, „Wie wäre es mit einem Schlüsseldienst?“, „ToiToiToi“ wird gewünscht, nach einem eventuellen netten Handwerksbetrieb in der Umgebung  gefragt, oder „vielleicht mal die Nachbarn fragen“, ob die eine haben. Der Tenor im Ganzen jedoch: nee, also so eine große Leiter, die hat man nicht einfach so zuhause stehen.
Inzwischen wird schon empfohlen, sich einen Bohrer zu beschaffen um das Schloss aufzubohren, was anderes mache der Schlüsseldienst letztendlich auch nicht. Aber nein, das will der Wohnungsmieter nicht bringen, das habe er schließlich schon vor eineinhalb Monaten gemacht, beim vergangenen Schlüssel-Verlust…
Er hält an der Leiter-Idee fest, zur Not will er sich inzwischen sogar selbst eine bauen.
Gut eine Stunde nach dem Hilferuf meldet sich wirklich eine Freundin, die eine 5,16 m lange Leiter rumstehen hat. Die auch sofort Zeit hat und auf der Suche nach einer Abwechslung vom Schreibtisch sofort ins Auto steigt und 40 Minuten später mit der gewünschten Leiter anrückt. Der Rest ist ein Klacks, und der Herr ist längst wieder in seiner Wohnung. Solche FreundInnen muss man haben! 

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Wednesday, August 09, 2017

Gesehen in Fürstenberg / Havel

"Sonnenstich überschattet Tag am See"

Gute Erholung ist aber in der Tat möglich, am Großen Stechlinsee, 13 km entfernt von Fürstenberg, was wiederum mit dem Zug in einer Stunde 06 vom Berliner Hbf entfernt liegt. Ich reise zuletzt selten, und wenn, dann verhalte ich mich wie der erste Mensch. Es hat aber alles sehr gut und geradezu easy geklappt. Keine überfüllten Züge, die ja immerhin zur Ostsee fahren bzw. daher kommen. Nur einen Mitreisenden, der offenbar ähnliche Ängste wie ich hatte, hat es voll erwischt. War es zunächst er gewesen, der andere Radfahrer im Zug darauf hinwies, dass die eine Tür nicht funktioniert, erwischte es in Gransee glatt ihn. Der Schaffner hatte ihn im Gespräch offenbar beruhigt, so dass er sich beruhigt zurücklehnte und sich auf seinen neuen Bekannten verließ. Jenem gelang es aber schließlich auch nicht, die Tür zu öffnen, und so kam es, dass jener Mitreisende mit seinem Fahrrad nicht mehr rechtzeitig aussteigen konnte, und der Zug unter lautem "Scheiße! Scheiße! Scheiße"-Gebrüll des Schaffners, dem die Sache offenbar elend peinlich war, mit jenem unfreiwilligen Fahrgast weiterfuhr. Und das immerhin rund 30-35 km weiter bis Fürstenberg.  
Eine lustige Geschichte hingegen war, dass ich einem Freund, der in wenigen Tagen dort Urlaub machen will, sein Quartier beschaffte. In der "Tauchbasis" ging bei seinen Anrufen immer gleich die Mailbox ran. So einigten wir uns, dass ich hingehe, ihn von dort aus anrufe und den Leuten mein Handy übergebe, auf dass er mit ihnen sprechen und buchen konnte. So geschah's, und die Tauchbasis scheint in der Tat eine sehr nette und - abgesehen von der Erreichbarkeit... - unkomplizierte Übernachtungsmöglichkeit in einem alten DDR-Ferienlager nur wenige Meter von jenem paradiesischen See zu sein.

Dass ich seither weiß, dass Kühlung im Nacken gegen Sonnenstich (das mir! Sizilien-erprobt, und eigentlich dessen bewusst, dass ich kaum noch Haare habe...) hilft, ist eine andere Geschichte, die sich mittlerweile jedoch zum Glück wieder gelegt hat.

Brandenburg kann wirklich schön sein. Zur Realität gehört aber auch, dass man immer noch irgendwelche Heinies mit T-Shirts wie "Lieber ein Wolf Odins als ein Lamm Gottes" herumlaufen sieht. Und zwar keine Jugendlichen, sondern Familienväter...

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Na dann allseits gute Entspannung...!

Scheint generell ein größeres Thema in Fürstenberg / Havel zu sein, die B96:

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Monday, July 31, 2017


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Gesehen in der Kurfürstenstraße, Schöneberg

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Wednesday, July 05, 2017

Was Ordentliches gelernt

Was ist denn so verwerflich daran, was Tauber getwittert hat?
Für mich ist es die zynische Behauptung, dass Leute selbst Schuld an ihrem Unglück sind. Wer drei Nebenjobs braucht, hat eben etwas falsch gemacht. Ist selbst dran schuld, verachtenswert, und um den muss man sich dann auch nicht weiter kümmern.
Dass sich so etwas nachträglich nicht mehr ändern lässt, wenn man mal ein gewisses Alter erreicht hat, davon ist natürlich nicht die Rede. Und auch nicht, wer mit der Befürwortung der "Flexibilisierung des Arbeitsmarktes" für solche Beschäftigungsverhältnisse mit gesorgt hat.
Dass man sich für das Unglück, Geringverdiener zu sein, auch noch beschimpfen lassen muss, ist bitter.
Schön süffisant weist die heutige Berliner Zeitung auf die Tatsache hin, dass man sich den Spruch "was ordentliches gelernt" von einem Menschen anhören muss, der Geschichte und Germanistik studiert hat, was ja in aller Regel auch nicht gerade bestens verwertbare Studienfächer mit Job-Garantie im Anschluss sind.

Monday, July 03, 2017

Menschenzoo

Hatte ich neulich noch über den Namen eines Clubs in Hamburg namens "Menschenzoo" geschmunzelt, erfror mir dieses eben in den Gesichtszügen wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk namens "Der Wuppertaler Zoo und die grausame Geschichte der Völkerschauen". Sowas gab es also tatsächlich, von den 1870er bis in die 1930er Jahre...
Auch in Stuttgart, wie ein bei Wikipedia dokumentiertes und mit "humanzoogermany" betiteltes Plakat zeigt.

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Friday, June 16, 2017

"Da muss man erstmal drauf kommen!"

Bin absolut begeistert von der jüngsten Sendung von Noltis New Rose Radio, der laufenden Nummer 715! Zu hören gibt es diesmal rund zwanzig Punk-Songs mit deutschen Texten, die Coverversionen von englischen oder amerikanischen Punk-Klassikern sind. Absolut großartig ausgewählt, manches kannte ich, manches nicht, manches habe ich irgendwo auf einer alten Platte oder CD...
"Harry May" wird zu "Erster Mai", "We are 138" wird zu "Pico bello", "Hermsdorf Boys" statt "Hersham Boys", "Guns of Brixton" wird auf Bayrisch zu "Bleede Schicksn". 
Und der absolute Knaller ist das letzte Stück, das mir zuvor noch völlig unbekannt war. Die österreichische Band DER EISERNE VORHANG coverte bereits 1981 "Making plans for Nigel" von XTC mit deutschem Text. Neulich las ich in einer Rezension über ein Austro-Pop-Album, österreichische Texte beschäftigten sich besonders gern "mit allem Vergänglichen"... So auch dieses schließlich Tod-traurige Lied, das es hier auf YouTube anzuhören gibt: Der Eiserne Vorhang - Franzi.
Jede New Rose-Sendung kann man sich übrigens auch als mp3 runterziehen: auf http://www.new-rose.de/, dort mit rechter Maustaste auf "Download" und "Ziel speichern unter". Diese Sendung ist ein absolutes Meisterstück!

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Wednesday, June 14, 2017

Minds & Machines

Alles ist anders in diesen Tagen im Westhafen. Im Westhafen Event & Convention Center, das sich in einem der alten Gebäude des Hafens befindet, dessen Werbetext hochtrabend klingt ("Gäste können (...) bequem und eindrucksvoll auf dem Wasserweg (...) befördert werden. Ein neues Erlebnis für den routinierten Tagungsteilnehmer in Berlin."), das aber wohl wirklich ein edler, stilvoller Ort sein kann, findet die Minds and Machines 2017-Veranstaltung statt. Im ganzen Hafenbereich sind die Flaggen umgehängt, überall sieht man Security-Leute stehen und herumlaufen. Der Weg am Wasser entlang ist abgesperrt. "Unsere" Frau B., die immer mit dem Auto kommt, wurde nach eigener Aussage sogar von einer Drohne verfolgt.
Bei all dem Sicherheits-Aufstand vermutete ich zunächst, es würde sicher auch Polit-Prominenz bei dieser Veranstaltung zugegen sein. Vor einigen Monaten war mal Verkehrsminister Dobrindt bei einer Veranstaltung vor Ort gewesen; das Park-Schild hing noch länger - als stolze Trophäe? - am Parkplatz. Von Polit-Prominenz ist diesmal aber nicht die Rede, es handelt sich um eine Veranstaltung des Konzerns General Electric, Wikipedia zufolge die sechswertvollste Marke der Welt. Und auch der weltweite Vorstandsvorsitzende sei vor Ort. Interessant.
Wichtiger für die Anlieger, deren Murren immer lauter wird (war es Protest, dass ausgerechnet heute zwei Matrosen, die ihr Schiff putzten, so laut RAZZIA und SEX PISTOLS laufen ließen, dass ich bis hoch in den fünften Stock die vertrauten Klänge hörte?), aber, dass die Veranstaltung nur noch heute läuft. Und ab morgen wieder rückgebaut wird.

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