Friday, March 05, 2021

Das "Wild at heart" in Kreuzberg oder Spenden in der Corona-Zeit

Ich verdränge es oft schon, aber all die Konzertläden, die ich sonst gern besuche, leiden in der aktuellen Lage wie wahnsinnig. Wild at heart, Schokoladen, SO 36 - um mal nur die für mich wichtigsten zu nennen.
Es ist leider ein bisschen schwer, den aktuellen Stand der Dinge zu erfahren. Wobei das SO 36 schon einiges zu seiner Rettungs-Kampagne schreibt, und Hinweise gibt, wo man spenden kann. Das Wild at heart hat auch eine Spendenkampagne eingerichtet. Auf meine Frage zum neuesten Stand der Dinge kam nun neulich diese Information:

"Vielen Vielen Dank,ja wir halten den Kopf oben und versuchen das beste draus zu machen,momentan machen wir am Donnerstags immer um 20.00 unseren livestream "Wild at Heart TV" ansosnten findest du alle news auf der wild at heart Facebook seite."
In Hamburg haben Leute um Abel Gebhard eine Video-Podcast-Reihe gestartet, die neben viel Musik Punk-Szene-Läden und deren aktuelle Situation beleuchten. Das ist ziemlich gut gemacht und berührte mich an manchen Stellen richtig. Hier der Link:  https://dringeblieben.de

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Übersicht über die "Umsatzanteile aus dem Musikverkauf" 2020

Auf www.musikindustrie.de wurden gestern die o.g. Werte für 2020 veröffentlicht. Interessant, beachtlich und DIE Schlagzeile für viele war der relativ hohe Anteil von Vinyl-LPs. Mit 5,5% ist das der dritte Platz hinter Streaming (63,4%) und der CD mit 21,6%. Interessant, das weiter zu verfolgen, denn die Veränderungen gehen ja sehr schnell vor sich.
Hier ist das ganze übrigens noch in einer schönen Grafik im Detail aufgeschlüsselt.

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Friday, February 12, 2021

Die Geschichte der "alternativen Fakten"

Ein lohnenswerter, ungewöhnlich erhellender Essay über die Geschichte der "alternativen Fakten", veröffentlicht vom Deutschlandfunk: 

Über alternative Fakten, Wissenschaftsskepsis und Verschwörungsdenken

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Update zur Räumung des Camps an der Rummelsburger Bucht

Ausführlicher, mitfühlender Artikel im Tagesspiegel von Robert Klages. Dokumentation eines Trauerspiels, einer - bestenfalls - kopflosen Hauruck-Aktion ohne Rücksprache mit den Betroffenen, die zu reinen Objekten gemacht wurden. Und viele von ihnen ziehen nun wohl wirklich ganz ohne Dach über dem Kopf durch die Straßen. Den unseligen Tweet von Bezirks-Vize Kevin Hönicke, in dem er jede Verantwortung für die Zerstörungen am Samstag, die konkrete Folge seiner Aktion am Tag davor war, leugnet, hatte ich auch gelesen, er hat mich sprachlos hinterlassen. 
Und hier gibt es einen 4-minütigen Clip mit Interview mit zwei betroffenen Personen: youtube

 

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Eisbadender im Karpfenteich vermisst und schließlich verstorben

Nur wenige Tage nach der Räumung des Obdachlosenlagers an der Rummelsburger Bucht gibt es auch von einem anderen sehr schönen Ort traurige Nachrichten. Vorgestern ist im Karpfenteich im Treptower Park ein 43-jähriger Mann zweieinhalb Stunden lang im eiskalten Wasser des zugefrorenen Sees gewesen, er muss untergetaucht sein und hat offenbar den Weg nicht mehr selbst an die Oberfläche gefunden. Auch seine Begleiterinnen und Begleiter konnten ihn nicht finden, riefen Polizei und Notarzt. Diese konnten ihn erst nach der genannten sehr langen Zeit finden. Er hat zunächst noch gelebt, ist aber schließlich neun Stunden später im Krankenhaus verstorben. Eine wie ich finde sehr schlimme, sehr traurige Geschichte. Wenn ich mir diese fürchterliche Kälte am ganzen Körper vorstelle, und das über Stunden, und eine Panik, wenn es einem nicht mehr gelingt, über Wasser zu gelangen. Eigentlich erstaunlich, dass er nicht ertrunken ist. Ihm, denen, die dabei waren, sowie seinen Angehörigen gehört mein Mitgefühl.   
Die Geschichte berührt mich wohl deswegen besonders, weil es mir nicht fremd ist, im Karpfenteich zu schwimmen, und dieses Jahr bin ich mangels geöffneter Schwimmbäder immerhin bis Anfang November in den Plötzensee gegangen, was ich jeweils als schönes, besonderes Erlebnis empfunden habe. Eisbaden hingegen kann ich mir für mich persönlich nicht vorstellen. Und angesichts dieses Falls nun kann ich jeder Person nur empfehlen, auch die Finger davon zu lassen.
Mehr über den Fall im Tagesspiegel,  ein interessantes ausführliches Interview zum Schwimmen in kaltem Wasser und den Reaktionen im Körper darauf bei rbb24

(eigenes Foto von Eisschollen aus dem Karpfenteich vom 31.1., zehn Tage vor dem Unglück)

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Saturday, February 06, 2021

Obdachlos am Friedrich-Krause-Ufer

Am Friedrich-Krause-Ufer, an dem auch das Berliner Landesamt für Einwanderung liegt und wo 2016 Anis Amri den LKW gekapert hat, mit dem er schließlich den Anschlag auf dem Breitenbachplatz mit elf Toten und 55 Verletzten verübt hat, wohnt ein Mann auf dem Gehweg, unter einer Brücke, die vom Kohlekraftwerk zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal führt. Ich sehe ihn und wie er auf einer Camping-Liege wohnt, manchmal, wenn ich dort mit dem Fahrrad vorbeifahre. Und war mit ihm, der in etwa mein Alter hat, ins Gespräch gekommen, als ich ihm eine Matratze, die ich nicht mehr brauchte, angeboten hatte. Er hat diese dankbar, aber eindeutig mit dem Verweis auf Nässe abgelehnt. Seither haben wir noch mal miteinander geredet, als ich ihm angeboten habe, ich könne ihm mal was mitbringen, wenn ich einkaufen gehe. Auch das möchte er nicht. Er meinte, er sei gerade über die Weihnachtstage gut von Passantinnen und Passanten versorgt worden. So gut, dass er mir sogar Schokolade anbieten wollte. Dazu würde er regelmäßig vom Kältebus versorgt. Sie würden ihm auch immer wieder anbieten, ihn mitzunehmen in eine Wärmestube. Aber er wolle das nicht, er wolle lieber hier bleiben. Vor allem mit Verweis auf Diebstähle in den Unterkünften. Dazu habe ich den Eindruck, dass er seinen Platz dort nur selten verlässt und dass er ihn - und seine dort gelagerten Sachen - durch seine Anwesenheit womöglich verteidigen möchte. Pfandflaschen nehme er gern an. Es sei nun sein dritter Winter auf der Straße.
Ich bin froh, dass wir ins Gespräch gekommen sind. Er hat in erster Linie mein Mitgefühl, dort an der Straße zu leben. Auf einer klapprigen Liege, und das - auch wenn sein Platz halbwegs windgeschützt ist und wärmer wirkt als die sonstige Umgebung - in der Kälte. Zu hören, dass er andere Möglichkeiten hätte und in jedem Fall versorgt wird und auch zu hören, dass er zu wissen scheint, was er tut und dass er einen starken Charakter hat, hat mich ein Stück weit beruhigt. Dennoch bleibt es eine scheiß Situation, insbesondere in diesen Tagen, in denen es nachts zweistellige Minusgrade gibt und auch tagsüber nicht viel wärmer wird.

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Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht geräumt

Heute Bericht in der Tagesschau (ab Minute 3:08), dass wegen der Kälte das Camp an der Rummelsburger Bucht geräumt wurde. In der Abendschau gibt es einen etwas ausführlicheren Bericht. Auch wenn es bezüglich der Kälte und des angekündigten Sturms eigentlich plausibel und die angebotene Möglichkeit der dauerhaften Unterbringung der Menschen im Warmen gut klingt, hat der beschriebene Zeitpunkt "später Abend / Nachts", der angewendete Zeitdruck sowie wie die Zerstörung von Bauten einen üblen Beigeschmack. Dass es sich um Baugelände handelt, das nun nach langer Kontroverse frei geräumt wurde, macht die Sache zusätzlich pikant.
Hier weitere Berichte: rbb inforadiotwitter Alexander Fischer, twitter Buchtpiratinnen, indymedia 

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Friday, January 29, 2021

Buch: Hamburg Calling - Punk, Underground & Avantgarde 1977 - 1985

Eine meiner absolut ersten Punk-Platten war „Paranoia in der Straßenbahn – Punk in Hamburg 1977 – 1983“. Eine Zusammenstellung, die ich bis heute großartig finde und immer noch mit viel Freude anhören kann. Neben den Songs ist auch das „inner sleeve“ mit zahlreichen Informationen zu den Bands und den Punk-Jahren 1977 bis 1983 in Hamburg absolut großartig gelungen: so viele interessante Informationen so prägnant, stimmig und obendrein optisch gelungen auf einem begrenzten Platz versammelt zu haben, ist absolut bewundernswert! Diese Platte samt ihrer Aufmachung hat ganz sicher stark mein Bild von Punk in Hamburg geprägt. Wobei ich es auch immer absolut beachtlich fand und bis heute finde, wie viele „Fossilien“ in der Hamburger Punk-Szene unterwegs sind, die offenbar schon von sehr früher Zeit an „dabei“ sind und – teils in ganz verschiedenen Bands oder auch durch andere Szene-interne Aktivitäten - immer noch ihr Punk-Ding durchziehen. Sei es Hake von 3000 Yen, Bärbel, Sheep On A Tree, Arne von Noise Annoys, Bierspieler usw. oder die Jungs von Jam Today.
„Paranoia in der Straßenbahn“ hat meinen Blick sehr geprägt, und nun erschien im letzten Herbst ein ganzes Buch über Punk in Hamburg: „Hamburg calling – Punk, Underground & Avantgarde 1977 – 1985“, 146 Seiten im ordentlich großen Format 24 x 28 cm. Und es ist ein optisch wirklich schönes Buch, mit vielen Fotos von Konzerten und Schauplätzen (u.a. „Krawall 2000“) und vielen dokumentierten Flyern, Fanzine-Covern, Eintrittskarten, usw. All diese Abbildungen sind auch in eine gelungene, passende Gestaltung integriert. Ich finde es z.B. absolut toll, die Eintrittskarte für das Sex Pistols-Konzert 1978, das niemals stattgefunden hat, oder das Plakat des „Punk Rock & New Wave Festival“ vom 16.6.1978, das ich einst zuerst im "Punk-Zimmer" des leider verstorbenen Sittich Neumann hatte sehen können, in einem schönen Buch dokumentiert zu haben. Auch erinnert mich das Buch durch die Abbildung der Schauplätze an eigene Aufenthalte in Hamburg, die ich immer sehr genossen habe; es gibt gut eine Hamburg-spezifische Atmosphäre wieder. Und es ist – nach der Pandemie … - auf jeden Fall mal wieder Zeit für eine Reise dorthin.
Auch sind bundesweit prägende „Groß-Ereignisse“, die in Hamburg stattfanden, Thema dieses Buches: ich meine damit die drei Markthallen-Festivals 1979 und 1980, die Randale im Nobelviertel Pöseldorf sowie das aggressiv gestörte Clash-Konzert 1980. Ohnehin galt Hamburg neben Düsseldorf und Berlin als bedeutendste deutsche Stadt in jenen frühen Punk-Jahren.
Neben den zahlreichen Abbildungen besteht das Buch vor allem aus Interviews mit Protagonistinnen und Protagonisten jener Jahre, und hier wird auch wirklich der Untertitel „Punk, Underground & Avantgarde 1977 – 1985“ entscheidend. Erst jetzt ist mir bewusst geworden, dass „Paranoia in der Straßenbahn“ einen starken Fokus auf den rauen, auf den „dirty“ Teil der Hamburger Szene gelegt und die anderen Bereiche, die es auch gab, vernachlässigt hat. Hier hingegen sind nun Vertreterinnen und Vertreter ganz verschiedener Punk-, Wave und Underground-Stile vertreten, wie u.a.: Alfred Hilsberg, Jaeki Eldorado, Eugen Honold („Pretty Vacant“-Fanzine), Mike Buttock, Klaus Maeck („Rip Off“-Laden), Frank Z. (Abwärts), Andreas Dorau, Timo Blunck (Palais Schaumburg), Anja Huwe (X-Mal Deutschland), Michael Ruff (Geisterfahrer), Mona Mur, Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen) und Bernd Begemann (Die Antwort). Nicht alles davon interessiert mich ehrlich gesagt, dazu sind die Interviews relativ kurz gehalten, so dass sie allenfalls Anregungen geben, sich weiter mit den interviewten Personen und ihren Projekten zu beschäftigen. Auch die angehängte Diskografie – unter dem Titel „Lieber zu wenig als zuviel“ (das „5 Jahre ZickZack“ Festival 1984 mit 19 Bands hatte das gegenteilige Motto „Lieber  zuviel als zu wenig“) – bietet keinen vollständigen Überblick, sondern nennt nur eine „Auswahl“.  Dass Razzia im ganzen Buch nicht vorkommen, schmerzt mich persönlich etwas; dass Slime nicht interviewt werden, wundert mich, weil v.a. Elf nach meiner persönlichen Erfahrung sicher zu vielen Auskünften bereit gewesen wäre. Und relevant genug dürften beide Bands in jedem Fall gewesen sein. Das sind aber letztendlich persönliche Mini-Kritikpunkte, die objektiv betrachtet wohl nicht wirklich von Belang sind. Zwei Freunde aus Hamburg, die diese frühe Punk-Zeit in Hamburg miterlebt haben, äußerten sich auf alle Fälle alleine schon wegen all der Abbildungen zufrieden mit dem Buch. Und auch ich freue mich, es zu besitzen: es ist eine lohnenswerte Anschaffung für alle, die sich für die frühe Zeit von Punk in Deutschland interessieren!

(29,90 € direkt beim Junius-Verlag oder über jede Buchhandlung und manchen Punk-Mailorder)

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Karstadt online: only fit for the bin

Ich kaufe mir nicht gern Kleider. Und wenn, dann nur sowas wie zweimal im Jahr. Und weil ich inzwischen halbwegs alt bin (ich fühle mich nicht unbedingt so, aber ich kriege zunehmend mit, dass ich es offenbar bin), gehe ich dafür ins Kaufhaus. Weil, da gibt es Verschiedenes, das ich mir ansehen und auch anprobieren kann (die Sachen online zu bestellen und zurückzuschicken, wenn sie mir nicht passen, geht mir völlig gegen den Strich. Ja – „alt“ eben…). Dazu gibt es – wenn es gut läuft – alles, was ich brauche, auf einen Rutsch. So freue ich mich, dass meine noch halbwegs neue Wohnung in der Nähe eines großen Karstadts liegt.

Nun sind aber Pandemie-bedingt aktuell die Kaufhäuser geschlossen. Und ich brauchte dringend einen neuen Gürtel. Guckste mal bei Karstadt, dachte ich mir. Oh cool, aktuell 30% Rabatt auf Mode, wenn man einen Wert von 100 € zusammenkriegt. Also Sonntag abends bestellt, zu 30% Rabatt.
In meiner Naivität meinte ich ja, dass die Artikel in den Filialen liegen und die Mitarbeiter*innen dann durchs Haus laufen, die Waren zusammensammeln und sie dann für die Kund*innen zur Abholung bereit stellen. Was dann ja nicht allzu lang dauern dürfte und so meinte ich, dass ich am Dienstag alles abholen können müsste.
Weit gefehlt.

Am Dienstag kam die Nachricht, dass ein Titel nicht vorrätig sei. Okay, nicht so schlimm, kann passieren, das "kommt in den besten Familien", also auch bei anderen Händlern vor. Auch bei mir, als ich seinerzeit einen Schallplatten-Versand führte. Die restlichen Artikel seien aber vorhanden und verpackt und würden nun auf die Reise gehen. Hm, also doch Versand. Und nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Weiterhin stutzig bin ich geworden, dass ich für die verbliebenen fünf Artikel drei Rechnungen bekommen habe. Der Mittwoch verstrich, am Donnerstag bekam ich dann eine - offensichtlich zusammenkopierte - E-mail, dass ich nun ein Paket abholen könnte. Jene E-mail sollte man – samt des Ausweises – ausgedruckt mitbringen. Ich guter Dinge dahin (weil ich es wieder ganz besonders gut machen wollte, hatte ich als Ausgabeort den Alexanderplatz ausgewählt, aber das ist ein anderes Thema), bekam dann auch - nach zunächst vergeblichem hilflosen Suchen der relativ betagten Mitarbeiterin - eines ausgehändigt. Vor der Tür aufgemacht, aber es waren tatsächlich nur zwei Artikel drin... Es gibt also wirklich drei Pakete für fünf Artikel! Die an völlig unterschiedlichen Tagen ankommen! Was für ein Generve!

Heute kam eine weitere E-mail, mit zwei weiteren Artikeln, die ich ab sofort abholen kann. Aber nun warte ich natürlich, bis meine Bestellung vollständig ist und ich dann beide restliche Pakete abholen kann. Was für ein Saftladen - für das Online-Zeitalter sind Karstadt / Kaufhof leider wirklich nicht fit. Eher: "Only fit for the bin", wie ein englisches (übrigens: Alt-) Punk-Label heißt. Womit wir drei (Karstadt, "Only fit for the bin" und ich) doch wieder auf eine Art vereint sind.
Auch wenn ich "alt" bin, werde ich aber nicht wieder bei Karstadt online bestellen.

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Sunday, January 17, 2021

Streckfußstraße

 Gesehen in Berlin - Karow

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Monday, January 11, 2021

"Manchmal ist etwas nur deshalb undenkbar, weil man nicht wahrhaben will, wie weit es schon gekommen ist."

Ist der Trumpismus durch die Ereignisse des vergangenen Mittwoch, als aufgepeitschte Anhängerinnen und Anhänger gewaltsam das Kapitol stürmten und es zu fünf Toten kam, nun endgültig entlarvt und damit abschließend disqualifiziert?
Das war die Hoffnung, die ich spontan hatte. Spätestens, als ich Benjamin Wolfmeier, den Sprecher der Republicans Overseas in einer Diskussion bei Phoenix sah, zerstob diese meine Hoffnung aber. Mir kam es so vor, als ob jedes einzelne Wort, das er von sich gab, gelogen ist.
Rückblickend staune ich schon fast, dass er immerhin einräumt, dass es diesen Sturm gegeben hat, und dass er sich davon distanziert. Als völlig "absurd" nennt er es aber, Donald Trump damit in Verbindung zu bringen. Er legt eher nahe, dass politische Gegner, womöglich "die Antifa" provozierend vorgeprescht seien.
Es geht heiter so weiter, ich will das nun im einzelnen nicht wiederholen. Den Mitdiskutant*innen gelang es, auch wenn ihr Unmut zu merken war, sachlich zu bleiben, was sicher bemerkenswert war. Wenige Tage später war Wolfmeier auch noch im Deutschlandfunk zu Gast, wo der Moderator versuchte, ihm engagiert zu widersprechen. Es gab v.a. dazu eine aufgeregte Debatte bei twitter, warum einem solchen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, sein Gift zu verspritzen. Ich meine durchaus, dass auch so eine Stimme mal gehört werden sollte; um sie zu dokumentieren und um sich mit ihr auseinandersetzen zu können. Es wird nur dann wirklich schwierig, wenn die geäußerten Meinungen nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Wenn Fakten geleugnet werden. Wenn der politische Gegner auf völlig absurde Weise nur noch verleumdet wird; wenn u.a. der Vergleich unternommen wird, die Demokraten würden politische Verhältnisse wie in Venezuela anstreben. Und sich der Gesprächpartner bei jedem Versuch, auf eine gemeinsame Basis zu kommen, mit immer neuen Provokationen herauswinden kann. Ihn festzunageln, ist zum Beispiel dem engagierten Moderator des Deutschlandfunks nicht gelungen, und deshalb bleibt von diesem Interview ein Schwall von "alternativen Fakten" und Verleumdungen zurück, der nun in der Welt ist.
Und der mich wohl deshalb besorgt, weil er mir zeigt, dass der Trumpismus auch mit dem hoffentlich in wenigen Tagen stattfindenden Abtreten von Trump nicht vorbei ist. Es gibt Menschen, die weiterhin wie selbstverständlich hinter ihm und seinen Ansichten und Taten stehen, und es sind viele. Und offenbar werden diese Leute auch gezielt in diesen Techniken geschult. Nicht nur in den USA, sondern auch "oversea", und auch in Deutschland. Wo auch schon längst die Spaltung der Gesellschaft voranschreitet und auch hier Verleumdungen, "alternative Fakten", gezielt gestreute Gerüchte, Verschwörungstheorien und all der ganze Mist sich immer weiter ausbreiten. Pegida, Querdenker, AFD.   

 "Manchmal ist etwas nur deshalb undenkbar, weil man nicht wahrhaben will, wie weit es schon gekommen ist." hat Georg Mascolo am 9.1.2021 in der Süddeutschen Zeitung über Angriffe auf die Pressevertreter*innen im Zuge der Übergriffe am Kapitol geschrieben. Der Satz lässt sich auch auf das Ausmaß der zutage getretenen Verleumdungen, Lügen und Verschwörungstheorien ausdehnen, und vielleicht ist mein Erstaunen deshalb so groß, weil ich mich bisher nicht ausreichend mit "kontrafaktischem Denken" usw. beschäftigt habe, zu dem es ja seit einiger Zeit Forschungen gibt. 

Ich freue mich, dass Trump nun bei twitter, Facebook usw. gesperrt wird, und halte das angesichts all seiner Hetze auch für absolut gerechtfertigt. Ich freue mich, wenn die Idioten, die in das Kapitol gestürmt sind und sich haben ablichten lassen, zur Rechenschaft gezogen werden, und ihre Jobs verlieren uswusf. Um ihnen Einhalt zu gebieten. Um ihnen zu zeigen: eure Taten haben Konsequenzen. Hört endlich mit diesem Mist auf! Und dass ihnen - allen voran Trump! - schlicht der Saft, die Aufmerksamkeit abgedreht wird. (dazu auch eine Stellungnahme der Forscherin Katharina Nocun im Medienmagazin Breitband von DLF Kultur.) Wenn Trumps Golfplätze nicht mehr für internationale Turniere genutzt werden. Wenn nun Colin Powell aus der republikanischen Partei austritt. Und all die kleinen Schritte, die nun unternommen werden und sich gegen Trump richten. Sie kommen spät, aber sie kommen, und es sollen noch viel mehr davon kommen. Dieses aktuelle Fahrwasser muss genutzt werden, Trump und Unterstützerinnen und Unterstützer sollen in der Defensive verbleiben.

Das Gift, das diese Leute verspritzen, ist aber weiterhin in der Gesellschaft, und zwar in einem Ausmaß und in einer weltweiten Verbreitung, das mir erst jetzt schrittweise klar zu werden scheint. Wenn ich ehrlich bin, macht mir diese neue Bedrohung Angst.

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Tuesday, January 05, 2021

Mülltoni und Müllfried

"Mülltoni", gesehen in Maichingen, eingereicht als Gastbeitrag von einem lustigen Wanderfreund und Leser dieses Blogs... ;-)

"Mülltoni" erinnert auch an "Müllfried", gesehen im April 2020 am Wannsee. Um "Müllfried" herum streunerte damals, wie um ihn zu beschützen, ein langhaariger Typ, der aussah wie Anton "Toni" Hofreiter von den Grünen...

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