Sunday, December 13, 2015

AnnenMayKantereit

Seitdem ich im Juli beim BEATSTEAKS-Konzert war, kann ich endlich mal mitreden. Zufällig habe ich dort zwei Bands im Vorprogramm gesehen, von denen (vielleicht auch schon vorher, aber spätestens) seither häufiger die Rede ist. Dabei hatte ich zunächst ganz schön schlucken müssen, als jene Bands zum ersten Mal auf mich einprasselten.
Ein sehr heißer Sommertag, später Nachmittag, die Sonne senkt sich langsam über das Open-Air-Gelände der Wuhlheide, die Ränge sind noch weitgehend leer, als 4-5 junge Burschen die Bühne betreten und anfangen zu spielen. Aus Österreich scheinen sie zu sein, der Sänger trägt bei deeeer Hitze eine braune Wildlederjacke. Und sie spielen eine recht unglaubliche Schlager-Pop-Musik. Sehr eingängig, aber das auf eine so billige Weise, dass es mich schon verärgert. Überhaupt erstaunt es mich auch, dass junge Menschen Mitte 20 auf einen Charme machen, wie er bei älteren Entertainern wie Reinhard Fendrich u.ä. teilweise ganz gut ankommt. Aber in diesem Alter... wirkt das einfach nicht, zumindest nicht gut! Was für peinliche Affen!
Als nächstes treten dann weitere vier junge Männer auf die Bühne. Ich denke mir schon, au weia, Beatsteaks, wen habt ihr euch denn da als Vorgruppe rangeholt. Sind das Freunde von euch, und ihr wollt ihnen was Gutes tun? In meiner Erinnerung haben alle vier Feinripp-Unterhemden an, und ich erwarte wirklich nur das Traurigste. Aber dann fängt der Sänger zu singen an, und ich habe auf einen Schlag eine Gänsehaut und einen Wahnsinns-Kloß im Hals. Was für eine tiefe Stimme, bei so einem - ähm - Hemd von Mensch?
Die erstgenannte Band war Wanda, hier findet ihr einen ganz guten Artikel darüber, der auch nicht so berechenbar politisch korrekt endet, wie man es zwischenzeitlich erwartet: Wanda - Saufen und Amore. Die Band wurde in sehr vielen Feuilleton-Artikeln erwähnt. Warum, habe ich immer noch nicht ganz verstanden.
Und hier der Song der zweitgenannten Band mit dem sperrigen Namen AnnenMayKantereit, der mir immer wieder den Kloß in den Hals treibt, wahnsinnige 6,5 Millionen mal angeklickt: Oft gefragt. Diese 2011 als Schüler-Band gestartete Truppe hat durchaus noch mehrere gute Lieder, alleine die Stimme ist unglaublich. Da freue ich mich drauf, zukünftig mehr von zu hören...

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Saturday, October 03, 2009

The BVG took die Laune away

Mittelprächtiges Fazit eines Abends, den ich mir sehr gemütlich-nett vorgestellt hatte und der eigentlich auch genau so angefangen hatte. Nette Freunde getroffen, feiner kurzer „Manager-Schlaf“, und dann ab zum Mod- und Powerpop-Konzert in den Schokoladen. Weniger, um nun unbedingt die Bands sehen zu müssen, mehr deswegen, mal wieder in den netten Schokoladen zu gehen („Besuchen sie Europa – so lange es noch geht!“) und Freunde zu treffen.

Da das Wetter tagsüber nasskalt gewesen und ohnehin eine Tageskarte im Hause war, hatte ich mich fatalerweise dazu entschlossen, ganz gegen meine Gewohnheit mit der U-Bahn zu fahren. Und bin in den diversen Gängen und aus der Station heraus gleich so herum geirrt wie ein in der Stadt völlig Unkundiger.

Zum Konzert: von der ersten Band leider nur noch das letzte Lied gesehen, die klangen sehr fein nach THE JAM, eine Band mit einem Sound, den ich seitdem ich JAM TODAY und THE MOVEMENT gesehen hatte, besonders verehre. Leider all zu schnell vorbei, schon um halb 11. Dann folgten die MONKEEMEN, die Power-Pop spielten. Zum Teil echt gut, vor allem der eine Song, der dreimal das Tempo wechselte, und immer dynamischer und druckvoller wurde. Die hatten echt was drauf, mit gutem Sänger, und auch insgesamt fit und gut an den Instrumenten. Sehr traditionell britisch klangen sie – was manchen ggf. als geradezu reaktionär erscheint haben würde, aber sie hatten das Gespür für diesen speziellen Rhythmus, und ich hätte mir das insgesamt gern angehört. Wenn nicht diese Balladen zwischendrin gewesen wären, die ich echt nur langweilig fand, und da schäm’ ich mich immer fast vor meinen progressiven Freunden, mir so was anzuschauen… (Aber natürlich war diese Fraktion meines Freundeskreises gar nicht da). Insgesamt aber ein Auftritt, der ganz okay war, zumal’ s auch nur einen Song als Zugabe gab. Das genügte.

Arvind und ich blieben noch ne Weile und tranken was, schwatzten über’ s Platten produzieren und die aktuelle Lage. So gut es ging eben - vor lauter Tourie- und Studi-Publikum, das den Schokoladen zu meinem Erstaunen bevölkerte, und der 60er/70er Jahre-Mucke von Niko alias DJ BLOW UP verstand ich aber höchstens jedes dritte Wort auf Anhieb, und insgesamt blieben wir wohl auch länger, als ich mir das so vorgestellt hatte. Und die Laune sank weiter, als ich mich nicht wie gewohnt einfach auf’ s Fahrrad schwingen konnte, um den Heimweg anzutreten. Sondern acht Minuten warten sollte. Und es dann noch Ärger mit nem blöden Typen an der Station gab, der einen eingeschlafenen älteren Mann, den wir wecken wollten, als seinen „Kollegen“ bezeichnete, gleichzeitig aber schon verstohlen in dessen Tasche gegriffen hatte. Wie genieße ich sonst noch beim Heimfahren das immer noch leicht schrottige Ambiente in Prenzlauer Berg oder Mitte, mit den unebenen Gehwegen und bemalten Häusern im nächtlichen Schummerlicht. Für mich sonst immer eine gelungenes Abrundung eines schönen Konzert-Abends. Stattdessen blieben mir jetzt die (nach der Rundum-Sanierung vor wenigen Jahren) sterilen, kühlen, seelenlosen Bahnhöfe der U5 als abschließende Eindrücke des Abends. Und zwielichtige Deppen auf der Frankfurter Allee. Sowas erspare ich mir in Zukunft gern.

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