Thursday, March 06, 2008

Tackern oder Posten? Infos über Fanzines bei zuender.de

Ein Online-Auftritt der Zeit nennt sich Zuender, wie ich neulich erfuhr; anlässlich einer Anfrage eines ihrer Redakteure bei uns im Archiv nach Infos zum Medium Fanzines. "Die Zeit" - das klingt wichtig, da springt man doch schnell, und ich hab mir Mühe gegeben, ausführlich und dennoch schnell auf die Fragen des Redakteurs zu antworten.
Über Klaus Fricks Enpunkt-Blog erhielt ich nun die Nachricht, dass der Artikel jetzt online ist. Und ich finde null der Informationen wider, die ich seinerzeit gegeben hatte. Ob mir das zu denken geben sollte?
Irgendwie ernüchternd ist es in jedem Fall.

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3 Comments:

Blogger Kongo-Otto said...

Aber damit' s trotzdem jemand lesen kann: hier das Interview, das der Mister mit mir geführt hat. Ist ja zum Glück alles digital...

Interessante Links könnten sein:

http://fanzine-index.de/
http://punkfanzines.de/
http://www.fanzinearchiv.de/



> 1. Aus welchen subkulturellen Strömungen gehen die meisten Fanzines
> hervor (ich weiß, das ist höchstwahrscheinlich eher eine subjektive
> Einschätzung, aber trotzdem interessant)?

Fanzines sind im Science Fiction-Bereich entsprungen und haben im Punk-Bereich Ende der 1970er Jahre zu neuer Blüte gefunden: ich würde sagen, dass in diesen beiden Bereichen weiterhin die meisten Fanzines entstehen. Gefolgt von Skinheads, Fußball-Fans und Fantasy/Rollenspiele.
Unsere größten Archiv-Bestände sind auch 1. Punk (mit deutlichem Abstand), 2. Science Fiction/Fantasy, 3. Skinhead-Fanzines.

> 2. Was für einen Wert haben Fanzines für die Jugendkultur, sowohl auf
> der Macher- als auf von der Leserseite?

Ich persönlich sehe Fanzines als eigenen Ausdruck einer Jugendkultur, in denen sich Ausdrücke jener Kultur in eigener Form manifestieren.
Die Herausgeber treten als Aktivisten hervor, und machen diverse Erfahrungen, die sie später auch für andere Aktivitäten nutzen können. Nicht zufällig sind einige ehemalige Fanzine-Macher der 80er Jahre heutzutage in den etablierten Medien gelandet. Häufig ist aber auch ein Fanzine der Beginn einer weiteren Aktivisten-“Karriere“. Es gibt einige Beispiele, wo auf die Herausgabe von Fanzines der Beginn eines Labels, Mailorders oder Konzert-Organisationen folgten.

Die Leser-Seite ist immer schwieriger zu erfassen. Es herrscht häufig der Eindruck, als würden zumindest kleinere Fanzines nur von einem sehr begrenzten Leserkreis gelesen: Leute aus dem Umfeld des Herausgebers und dazu Herausgeber anderer Fanzines.
Auch wenn Fanzines jeder Jugendkultur weitere Substanz geben, haben sie häufig einen eher klein zu nennenden Leserkreis.
Für Auflagen stärkere Fanzines gilt das weniger, diese haben aber meist schon Magazin-Charakter und eine hohe Bedeutung als „Service-Stelle“ (aktuelle Reviews, News, Konzertdaten,...).


> 3. Hat die Zahl der veröffentlichten Print-Fanzines in den letzten
> Jahren im Zusammenhang mit dem Aufkommen von E-Zines und Blogs
> deutlich abgenommen?

Tatsache ist, dass die Anzahl der Fanzines abgenommen hat. Insbesondere, was schnelle Informationen angeht (Konzertdaten, z.T. Reviews aktueller Platten und CDs), hat das Internet hier manchen Fanzines kräftig Bedeutung abgegraben. Kein gedrucktes Erzeugnis kann so schnell, so aktuell sein wie das Internet. Ein weiterer Punkt ist die Abbildung von Fotos, die in gedruckten bzw. kopierten Heften meist nur mit Qualitätsverlust dokumentiert werden können – ganz anders im Internet.
Fakt ist aber auch, dass auch weiterhin Print-Fanzines hergestellt werden. Insbesondere im Bereich der größeren Fanzines ist eine stetige Vergrößerung und Professionalisierung zu beobachten, insbesondere im Punk-Bereich. Es gibt inzwischen mehrere Hefte, bei denen man nicht mehr so recht weiß, ob man diese noch als Fanzine oder Magazin bezeichnen soll (am bekanntesten u.a. „Ox“ und „Wahrschauer“). Diese funktionieren nach meinem Eindruck weitgehend wie big business-Magazine, auch wenn sie sich selbst weiterhin als Fanzines bezeichnen. Und in diesem Bereich gibt es aktuell auch Versuche von Neu-Installationen, die offenbar auch durchaus angenommen werden.

In Bezug auf „kleine“, also Auflagen-schwächere Fanzines ist der Rückgang deutlicher zu spüren. Allerdings gibt es auch in diesem Bereich weiterhin Enthusiasten, die sich auch trotz der neuen technischen Möglichkeiten noch die Mühe machen, ein Print-Heft zusammen zu stellen. Das sind zum Teil Veteranen, also Leute, die schon längere Zeit Fanzines heraus geben und sich darin auch nicht beirren lassen wollen. Zum anderen aber auch Neulinge, die einen bewussten Gegenpol zu den glatten, aufgestylten Erzeugnissen, wie man sie überall sieht, setzen wollen.

> 4. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein? Wird das
> Print-Fanzine bestehen bleiben, oder wird sich alles ins
> Internet verlagern?

Ich denke, dass sich die gerade skizzierte Entwicklung der letzten Jahre in etwa fortsetzen wird. Die Bedeutung des Internets wird noch wachsen und Fanzines weiter, aber nie vollständig ersetzen. „Papier ist geduldig“ - dieser Meinung sind noch viele Menschen, und gerade in gesellschaftlichen Nischen-Bereichen, aus denen Fanzines oft entstanden, herrscht ein gewisser Wertkonservatismus vor, der es ablehnt, jede technische Neuerung mitzumachen.
Dazu gibt es vor allem im Punk-Bereich die Legende, Fanzines würden v.a. auf dem Klo gelesen.
Auch werden sich z.B. Fußball-Fans weiterhin freuen, ihre Informationen im Stadion oder auf dem Weg dorthin lesen zu können.
Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die „kleinen“ Hefte stärker zurückgehen, je weniger Vorbilder es dafür gibt, wenn immer weniger Fanzines erscheinen. Und für die nachgewachsene Generation wird Kommunizieren und Publizieren via Internet einfach immer selbstverständlicher.

> 5. Wie würden Sie den Unterschied zwischen E-Zine und Blog definieren?

Als E-Zine sehe ich Auftritte, die den „Service“-Aspekt betonen. Also vor allem aktuelle Neuigkeiten, Konzertdaten und ganze Archive von Konzertberichten und Reviews bereit halten. (Dazu z.T. eigene Diskussionsforen). Sie wollen eine Menge an Informationen bieten, und sind entsprechend häufig kleiner im Erscheinungsbild: kleinere Schrift, kleinere Abbildungen. Häufig sind das übrigens Seiten von Print-Fanzines.
Blogs dagegen enthalten eher persönliche Eindrücke, Fotos, längere Artikel.
Formal eher großflächiger angelegt.
Möglicherweise könnte man E-Zines eher, Blogs weniger einen Szene-Bezug unterstellen.

> 6. Wird im Archiv der Jugendkulturen von Jugendlichen viel auf die
> Fanzines zurückgegriffen? Wie sind da die Lesegewohnheiten?

Es kommen selten oder fast nie „unbedarfte“ Jugendliche zu uns ins Archiv, die Fanzines lesen wollen. Die meisten Besucher (Jugendliche wie auch Studenten, Journalisten, Wissenschaftler und Privatpersonen) kommen mit einem gezielten, vor ihrem Besuch fest stehenden Anliegen.
Das sind in Bezug auf Jugendliche meist Punks oder Skins, die nach Fanzine-Artikeln über spezielle Bands oder besondere Ereignisse (Konzerte, Festivals,...) suchen.
Allgemein ist die Mediengattung Fanzines sehr wenig verbreitet und auch sehr wenig bekannt. Das gilt auch für Jugendliche.

> 7. Haben Sie ein persönliches Lieblingsfanzine?

Ich bin selbst noch Fanzine-Enthusiast und gebe etwa einmal pro Jahr ein eigenes Fanzine in kleiner Auflage (um 100 Stück) heraus.
Die Fanzines „Persona non grata“ und „Blurr“ sind in den letzten Jahren durch verschiedene neue Ideen, insbesondere was die Gestaltung angeht, positiv aufgefallen.
„Privat“ lese ich derzeit Fanzines wie „Plastic Bomb“, „Trust“, „Moloko Plus“, „Punkrock!“ und „Der Übersteiger“ am liebsten.

9:54 AM  
Blogger Enpunkt said...

In der Tat ist von den Informationen, die Du gegeben hast, nichts geblieben. Zumindest ein Zitat hätte man übernehmen können. Na ja, wieder mal viel Arbeit für nix gemacht - das kenne ich leider aus mancher "Zusammenarbeit" mit Journalisten.

1:32 PM  
Anonymous Andi said...

Aber so schlimm ist' s nun auch wieder nicht - als Hintergrund-Info hat er' s schon verwendet.

Ciao!

8:58 AM  

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